THURGAU: Fussball ist die Nr. 1

Ohne Spieler ausländischer Herkunft sähe die Schweizer Nati komplett anders aus. Auch im Thurgau kicken in den Vereinen vor allem Junioren aus verschiedenen Kulturen.

Florian Beer
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Ausländische Kinder kicken bei den Junioren vom FC Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Ausländische Kinder kicken bei den Junioren vom FC Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Die Schweiz und ihre Einwanderer: Tausende Kinder mit ausländischen Wurzeln spielen in den Thurgauer Juniorenteams. Beim FC Weinfelden-Bürglen beträgt der Anteil gut 50 Prozent, wie Präsident Marcel Gysi sagt. Unternehmen wie die Model AG ziehen viele Kräfte aus dem Ausland an, was sich in den Juniorenteams bemerkbar mache. «Je höher die Spielkategorie, desto mehr Ausländer», sagt Gysi. Im Durchschnitt seien diese ambitionierter und körperlich stärker als einheimische Fussballer.

Dem schliesst sich Gaetano Russo an, Juniorenobmann beim SC Aadorf. «Schweizer legen mehr Wert auf eine gute Ausbildung und kehren aus Zeitgründen dem Fussballclub eher den Rücken als Ausländer, die sich auf eine Lehre fokussieren und mehr Zeit für den Sport haben.» Während sich Schweizer Kinder oft für mehrere Sportarten wie Tennis oder Hockey interessieren, gäbe es für die anderen mehr oder weniger nur ein Spiel. «Fussball ist vor allem bei Kindern aus den Balkanstaaten die Nummer eins», sagt David Gabele vom FC Frauenfeld. Hier kicken rund die Hälfte aller Mitglieder bei den Junioren mit Migrationshintergrund.
In Aadorf ist der Anteil mit knapp 30 Prozent tiefer, was Russo an demografischen Gegebenheiten festmacht. «In städtischen Gebieten leben mehr Einwanderer als auf dem Land.»

In Kreuzlingen ist die Situation anders. «Wir haben hier einen Ausländeranteil von 85 bis 90 Prozent», sagt der Präsident des AS Calcio Kreuzlingen Marcus Meloni. Wegen der hohen Zuwanderung habe man natürlich auch entsprechende Junioren. «Dazu kommt, dass Fussball immer noch ein günstiger Sport ist und somit attraktiv für Kinder aus sozial schwächeren Familien ist.» Ob Teamkameraden die gleiche Nationalität wie man selber habe, spiele bei den Buben keine Rolle. «Wir haben in Weinfelden sehr disziplinierte Trainer, die darauf bestehen, dass ausschliesslich Deutsch gesprochen wird», sagt Präsident Gysi. Unabhängig davon gebe es heute in multikulturellen Fussballvereinen weniger Probleme aufgrund der erhöhten Akzeptanz. «Die jungen Spieler kennen das gar nicht anders. Sie sind damit aufgewachsen.» Es werden also auch in Zukunft Blerims, Admirs und Valons im Nati-Trikot auflaufen.

Integration durch Sport

Der Präsident des Fussballvereins AS Calcio Kreuzlingen, Marcus Meloni, kommt sozial schwächeren Familien finanziell entgegen. Mit seiner Stiftung MNR Youth Sports hat er sich der Integration durch Sport verschrieben und zahlt den Mitgliedern bei Bedarf die Beiträge von 250 Franken. «Damit verpflichten sich die Junioren allerdings, sich auf wie neben dem Platz vorbildlich zu benehmen.» Die Eltern müssen am jährlichen Saisonabschluss teilnehmen, was die Kommunikation und die Integration zusätzlich stärke. «Ich möchte, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, in einem Fussballverein zu spielen», sagt Meloni. Mit diesem Entgegenkommen wolle er dem Sport etwas zurückgeben. (fbe)