Thurgau fördert die Velofahrer

FRAUENFELD. Thurgauerinnen und Thurgauer sollen vom Auto aufs Velo umsteigen oder zu Fuss gehen. Der Kanton arbeitet ein Konzept für den Langsamverkehr aus. Der Grosse Rat unterstützt dies einstimmig.

Christof Widmer
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Eigene Velospuren, wie hier an der Seestrasse in Kreuzlingen, könnten im Thurgau Schule machen. (Bild: Donato Caspari)

Eigene Velospuren, wie hier an der Seestrasse in Kreuzlingen, könnten im Thurgau Schule machen. (Bild: Donato Caspari)

Wer in einer Stadt oder einer grösseren Ortschaft unterwegs ist, soll auf eigenen Velospuren zum Laden, zum Arzt oder zur Schule pedalen können. Auch Fussgänger sollen ohne Schikanen möglichst direkt und gefahrlos ihr Ziel im Ort erreichen. Dafür soll ein sicheres und dichtes Innerorts-Wegnetz mit Velo-Highways und Veloparkhäusern sorgen. Es würde ergänzt durch zügige Überlandrouten mit eigenen Velowegen. Solche Visionen zeichneten gestern begeisterte Kantonsrätinnen und Kantonsräte über alle Parteigrenzen hinweg in den Ratssaal. Ohne Gegenstimme beauftragte das Parlament die Regierung, ein Konzept für den Langsamverkehr auszuarbeiten.

Bei der Regierung rannten die Kantonsrätinnen und Kantonsräte offene Türen ein. Sie hat schon im Vorfeld signalisiert, dass sie das Konzept erstellen will. «Ich danke für das Tempo im Langsamverkehr», sagte der grüne Kantonsrat Toni Kappeler (Münchwilen). Er hatte zusammen mit Barbara Kern (SP, Kreuzlingen) den Anstoss zur Diskussion gegeben. Kappeler schwebt vor, dass das Konzept den Langsamverkehr, den öffentlichen Verkehr und den motorisierten Verkehr aufeinander abstimmt. Hier gelte es, eine Lücke zu schliessen.

Potenzial auf Kurzstrecken

Von der Förderung des Langsamverkehrs erhoffen sich die Politiker unter anderem eine Entlastung der autogeplagten Städte und Gemeinden. Gerade im Nahverkehr könnten eigentlich viele Leute vom Auto auf das Velo umsteigen, sagte Alex Frei (CVP, Eschlikon). Er denkt dabei an Kurzstrecken von einem Kilometer zu Fuss oder fünf Kilometern mit dem Velo. Hierzu müsse aber erst die Infrastruktur bereitgestellt werden.

«Es geht nicht darum, gute und schlechte Verkehrsteilnehmer zu benennen», sagte Turi Schallenberg (SP, Bürglen), der selber Velo, Töff und Auto fährt. Nötig sei aber, alle Verkehrsarten gleichberechtigt zu fördern. Die Bevölkerung wachse und mit ihr der Verkehr, sagte Schallenberg. Der Langsamverkehr brauche eine Lobby. Auch Andreas Guhl (BDP, Oppikon) und Hans Trachsel (EDU, Amriswil) sprachen sich für Optimierungen im Langsamverkehr aus.

Velofahrer bevorzugt?

Zwischentöne gab es bei der SVP und der FDP, die ein Konzept gleichwohl befürworteten. Man müsse aber aufpassen, dass der Langsamverkehr nicht ein zu grosses Gewicht bekomme gegenüber anderen Verkehrsarten, sagte SVP-Kantonsrat Max Arnold (Weiningen). Er fragt sich, ob es sinnvoll ist, für den Langsamverkehr ein eigenes Konzept auszuarbeiten, wenn es schon ein Gesamtkonzept für den übrigen Verkehr gibt.

Auch FDP-Kantonsrat Hanspeter Wehrle (Münchwilen) nannte zwar die Niederlande oder die Velostadt Winterthur als Vorbilder – für ihn bleiben aber trotzdem Fragen offen. Betroffen von der Förderung des Langsamverkehrs seien auch die Gemeinden. Sie müssten einbezogen werden. «Und wie steht es mit der Finanzierung?» fragte Wehrle und forderte, dass die Velofahrer die Infrastruktur mitfinanzieren.

Man müsse realistisch bleiben, mahnte auch Baudirektor Jakob Stark. Topographie, Klima und menschliche Natur setzten dem Langsamverkehr Grenzen.