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THURGAU: Fäule und Risse

Letztes Jahr waren es der zu heisse Sommer und die Trockenheit, die den Kartoffeln zugesetzt haben. Dieses Jahr sind es Regengüsse, Krautfäule und Wachstumsrisse: Die Ernteausfälle machen je nach Betrieb bis zu 40 Prozent aus.
Alexandra Looser
Auf dem Feld von Bauer Silvan Ziegler in Rothenhausen: Mitarbeiter Jürg Felber zeigt eine typische Ausschuss-Kartoffel. (Bild: Andrea Stalder)

Auf dem Feld von Bauer Silvan Ziegler in Rothenhausen: Mitarbeiter Jürg Felber zeigt eine typische Ausschuss-Kartoffel. (Bild: Andrea Stalder)

Silvan Ziegler war guter Dinge, als er im August vereinzelt Kartoffeln aus dem Boden grub. «Bei mir sieht es glücklicherweise nicht schlecht aus», sagte der Bauer aus Rothenhausen bei Weinfelden damals und wähnte sich schon beinahe in Sicherheit, dass ihn die Ernte 2016 nicht mit Schlimmerem konfrontieren wird. «Ich bin mit meiner Beurteilung falsch gelegen», sagt Ziegler heute.

Seit sechs Tagen erntet er, was er im Frühjahr gesetzt hat, und muss seine Einschätzung revidieren: «Die Kartoffelernte fällt schlecht aus.» Was bei den Probeentnahmen noch vielversprechend aussah, entpuppt sich nun überwiegend als Ausschuss. «Von der Sorte Agria müssen wir die Hälfte der geernteten Menge in den Abgang geben.» Das macht bei einer Fläche von 1,7 Hektaren einen Verlust von etwa 34 Tonnen.

Wenn die Optik versagt, kommt die Kartoffel zur Kuh

Ein Desaster, das der Berner Bauer und Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten bereits bei den Probegrabungen voraussah. Seine Prophezeiung, dass gesamtschweizerisch bis zu 30 Prozent der Kartoffeln dem Ausschuss anheim fallen, wird nun während der Erntezeit bittere Realität. «In Zahlen ausgedrückt heisst das, dass anstelle von 450 000 Tonnen nur etwa 300 000 Tonnen für die Weiterverarbeitung geerntet werden», sagt Ruedi Fischer. Die Qualität der Kartoffeln sei zwar nach wie vor einwandfrei, jedoch versage die Optik der Knollen. «Die Kartoffeln sind vor allem auch zu klein geraten.»

Den Look der 2016er-Kartoffeln bemängelt auch Ziegler. «Die Menge an Kartoffeln wäre ja an sich vorhanden, doch sind die meisten Knollen während der Wachstumsphase aufgesprungen, Wachstumsrisse haben sich gebildet oder die Kartoffeln sind sonst von der Kälte und der Nässe im Frühling und Frühsommer missgebildet herangewachsen.»

Und wenn die Kartoffel – insbesondere die Industriesorte Agria für die Produktion von Pommes Frites – zu tiefe Risse aufweist, dann kann sie nicht maschinell geschält und weiterverarbeitet werden. Mit gespaltenen, zu kleinen oder missgeformten Kartoffeln lassen sich keine langen und damit gewünschten Pommes Frites herstellen.

«All die ausgeschossenen Kartoffeln kommen bei mir nun zwei Bauern mit Kuhbetrieb abholen – ein immenser Verlust.» Die Kartoffeln als Kuhfutter, damit lässt sich kaum Geld verdienen, geschweige denn die Ausgaben während der Setzung und Pflege der heranwachsenden Knollen decken.

Die Bedingungen Anfang April waren aber zu verlockend, als der Boden krumig weich, nicht zu trocken, nicht zu nass, zur Bepflanzung bereit war. «Das ist Bauernalltag, wer hätte denn ahnen können, was die Folgewochen bringen werden», sagt Landwirt Ziegler. Die anhaltenden Regengüsse, der plötzliche Kälteeinbruch, Krautfäule durch die stauende Nässe, nicht befahrbare Äcker, weil der Boden viel zu schlammig war, Fungizide, die der Wind mit sich über die Felder trug – die Natur hat die Bauern in den letzten Monaten schon auf Trab gehalten.

Auch Sepp Egger von Egger Gemüsebau in Wertbühl bei Bürglen hat seine Kartoffeln im April gesetzt, rechnet aber zurzeit nur mit sieben bis acht Prozent überdurchschnittlichem Abgang. «Ich hatte keine stauende Nässe, da die Felder leicht am Hang liegen und das Wasser abfliessen konnte.»

Von Boden zu Boden und Sorte zu Sorte verschieden

Glück im Unglück: «Weil wir entlang des Rheins einen höheren Sandanteil im Boden haben, staut sich das Wasser auf unseren Äckern weniger stark», sagt Urban Dörig aus Katharinental. Je nach Sorte und Boden sei mal der eine, mal der andere Acker von der Wetterlage begünstigt. «Dieses Jahr war aber schon ein spezielles Jahr – sehr turbulent und mit viel Mehraufwand verbunden, was bei dem nun meist um 30 Prozent kleineren Ertrag demotivierend sein kann.» Mit derlei Bedingungen müsse man umgehen können, sagt Ziegler. «Ich lasse den Kopf nicht hängen.» Und zudem sei erst ein Drittel geerntet – das Sorgenkind Agria. «Vielleicht habe ich mit den anderen Sorten mehr Glück.»

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