THURGAU: Ein durchgehendes Radwegnetz für den Thurgau

Um die Fortbewegung zu Fuss und per Velo zu stärken, will der Kanton Thurgau ein flächendeckendes Netz an Rad- und Wanderwegen erstellen. Ein erster Schritt dazu ist die geplante Schaffung einer Fachstelle Langsamverkehr.

Larissa Flammer
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Andreas Schuster, stellvertretender Amtsleiter Tiefbauamt, Regierungsrätin Carmen Haag, Kantonsingenieur Andy Heller (v. l.). (Bild: Andrea Stalder)

Andreas Schuster, stellvertretender Amtsleiter Tiefbauamt, Regierungsrätin Carmen Haag, Kantonsingenieur Andy Heller (v. l.). (Bild: Andrea Stalder)

THURGAU. Der Kanton Thurgau fördert den Langsamverkehr. Er hat ein Konzept erstellt, mit dessen Hilfe er den Anteil des Langsamverkehrs am Gesamtverkehr erhöhen will. «Langsamkeit bietet gewisse Chancen. Man kann bewusster erleben», sagte Kantonsingenieur Andy Heller gestern an einer Medienkonferenz. Wobei der Langsamverkehr ja nicht immer langsam sei. «Vor allem moderne Velos können durchaus auch schnell sein», sagte er.

In der Fortbewegung zu Fuss, per Velo, Skateboard oder ähnlichem sieht der Kanton Thurgau ungenutztes Potenzial. In seinem Langsamverkehrskonzept hat der Kanton den Ist-Zustand analysiert, Visionen und Zielsysteme erstellt sowie Massnahmen entwickelt. Am Montag wird das Konzept in die Vernehmlassung geschickt, im Januar kann dann mit der Umsetzung begonnen werden.

Schwachstellen auf Velowegen ausmerzen

Bis die Vision von einem dichten, sicheren, hindernisfreien und durchgehenden Fuss- und Radwegnetz Wirklichkeit ist, können aber durchaus noch 20 bis 30 Jahre vergehen, wie Regierungsrätin Carmen Haag bestätigte. Sie ist als Chefin des Departements für Bau und Umwelt in das Verkehrskonzept involviert. Die Verantwortlichen haben ein kantonales Alltagsradnetz erarbeitet, auf dem Pendler direkt und sicher von A nach B kommen. Die dafür vorgesehenen Strecken sind die Verantwortlichen mit dem Velo abgefahren und haben alle Schwachstellen vermerkt. «Diese werden wir mit der Planung des Tiefbauamts abgleichen und immer, wenn Strassen saniert werden, die nötigen Massnahmen umsetzen», erklärte Andras Schuster, stellvertretender Leiter des Tiefbauamts. Einige im Konzept erarbeitete Massnahmen, wie neue Radwege, würden auch ausserhalb der Strassensanierungen erstellt werden. Schwachstellen seien oft Bahnübergänge oder stark befahrene Strassen. In Zentren sollen sogenannte Radschnellwege die Menschen abseits der Hauptstrassen und doch auf kürzestem Weg von A nach B bringen. Dieses Vorhaben obliegt den Gemeinden.

Sieben räumliche und dreizehn organisatorische Massnahmen sieht das Konzept für den Kanton vor. Die dringlichste organisatorische Massnahme ist die Schaffung einer kantonalen Fachstelle Langsamverkehr. Diese wird den Gemeinden eine Unterstützung bieten, wie Kantonsingenieur Haller sagte. Für die Gemeinden stehen im Konzept keine Massnahmen, sondern nur Empfehlungen. «Einige Gemeinden sind in dieser Hinsicht schon sehr weit», sagte Carmen Haag. Frauenfeld beispielsweise, wo der Langsamverkehr bereits ein Thema ist (Ausgabe von gestern).

Handlungsbedarf bei Finanzierung

Für die Finanzierung von Radwegen entlang und auf Kantonsstrassen ist der Kanton zuständig. Hier sehen die Konzeptverantwortlichen noch Handlungsbedarf. «Es gibt keine gesetzliche Grundlage, dass wir beispielsweise wichtige Verbindungsstücke zwischen Gemeindestrassen mitfinanzieren können», sagte Heller. Da seien eventuell Anpassungen im Gesetz nötig.

Mit der Stärkung des Langsamverkehrs soll der Thurgau schweizweit und im angrenzenden Ausland für Wanderungen und Radtouren bekannt gemacht werden. Das dafür ausgearbeitete Konzept kann auf der Internetseite des Tiefbauamts heruntergeladen werden.