Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

THURGAU: Die Kuh lag zu lange auf der Weide

Das Obergericht büsst einen Bauern, der eine verletzte Kuh länger als eine Woche draussen liegen liess, während er vergebens auf ihre Genesung hoffte. Von einer Verurteilung wegen Tierquälerei sieht das Gericht ab.
Silvan Meile

Ein Bauer aus Braunau wird vom Thurgauer Obergericht verurteilt, weil er eine Kuh unnötigerweise leiden liess, obwohl eine Heilung der Verletzungen nicht mehr zu erwarten war. Das halten die Richter in ihrem Entscheid fest.

Der Bauer brachte eine hochträchtige Kuh auf die Weide, legte sie unter einen Baum. Dort sollte sie sich von einer Verletzung erholen, die sie sich bei einem Sturz im Stall zugezogen hat. Der Bauer entschied sich nach Absprache mit seinem Tierarzt für diese Variante. Er versorgte sie mit Wasser und Heu, deckte sie mit einer Decke zu, weil es kalt war. Den anderen Vorschlag des Veterinärs, die Kuh zu erschiessen, ihr den Bauch aufzuschneiden, um das Kalb zu entnehmen, war für ihn zu schrecklich. Der Bauer schöpfte Hoffnung, als sich die Kuh am folgenden Tag von selbst erhob und ohne fremde Hilfe aufstehen konnte. Doch weder die Kuh noch das Kalb sollten schliesslich überleben.

Die Hinterbeine waren gelähmt

Dritte alarmierten das Thurgauer Veterinäramt, als die verletzte Kuh auch nach über einer Woche noch immer an der selben Stelle auf der Weide lag. Anlässlich der veterinäramtlichen Kontrolle sei die Kuh nicht in der Lage gewesen, sich selber zu erheben. Stattdessen habe sie eine fast vollständige Lähmung der Hinterbeine gehabt, welche vermutlich die Folge der ursprünglichen Verletzung gewesen sei, heisst es in den Gerichtsakten.

Aufgrund dieser Situation ging zuerst eine Meldung an die Staatsanwaltschaft Frauenfeld. Dort wurde ein Strafbefehl wegen Tierquälerei ausgestellt. Gegen diesen erhob der Bauer Einsprache. Mit Erfolg. Das Bezirksgericht Münchwilen sprach den Braunauer von sämtlichen Vorwürfen frei. Gegen diesen Entscheid ging die Staatsanwaltschaft in Berufung und zog den Bauer vor das Thurgauer Obergericht.

«Gesetzesbestimmungen pflichtwidrig übersehen»

Auch dort sahen die Richter den Vorwurf der Tierquälerei als nicht erfüllt. Nach dem Vorfinden der verletzten Kuh habe sich der Beschuldigte «tadellos im Sinn der Tierschutzvorschriften» verhalten. Er benachrichtigte sofort den Tierarzt, beschloss mit ihm das weitere Vorgehen, versorgte die Kuh regelmässig mit Futter und Wasser und überwachte sie, hält das Obergericht in seinem Urteil fest. Es wirft dem Bauern aber vor, «dass er nach dem fünften Tag des Festliegens der Kuh keine weiteren tiermedizinischen Massnahmen beschloss beziehungsweise veranlasste, weshalb er die Belastung des Tiers unnötigerweise fortsetze, obwohl eine Heilung vernünftigerweise nicht mehr zu erwarten war». Damit habe er sich zwar nicht über klare Gesetzesbestimmungen hinweggesetzt, aber «pflichtwidrig übersehen», dass eine Heilung aussichtslos wurde. Deshalb brummte das Gericht dem Bauern nun eine Busse von 1500 Franken auf. Ausserdem werden ihm 1400 Franken Verfahrenskosten auferlegt.

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.