THURGAU: Der Millionen-Spender von Frauenfeld

Der Schleier ist gelüftet: Rund sechs Millionen Franken umfasst der Nachlass des am 2. Juni dieses Jahres im Alter von 68 Jahren verstorbenen Walter Enggist. Der Frauenfelder vermacht das Geld je zur Hälfte der Kantonsbibliothek und dem Amt für Archäologie.

Christian Kamm
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"Einen Nachlass, wie wir ihn von Walter Enggist erhalten haben, ist in der Geschichte der Kantonsbibliothek ein einmaliges Ereignis", erklärte Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann (rechts). (Bild: Andrea Stalder)

"Einen Nachlass, wie wir ihn von Walter Enggist erhalten haben, ist in der Geschichte der Kantonsbibliothek ein einmaliges Ereignis", erklärte Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann (rechts). (Bild: Andrea Stalder)

Über den edlen Spender ist vergleichsweise wenig bekannt. Weder war er den beiden beglückten Ämtern bis anhin ein Begriff, noch spielte er im öffentlichen Leben des Kantons eine Rolle. Niemand hat ihn persönlich kennengelernt. "Er hat sein ganzes Leben zurückgezogen und sehr bescheiden gelebt", sagte Regierungsrätin Monika Knill am Freitagmorgen an einer Medienorientierung.

So viel aber steht fest: Walter Enggist wurde 1948 in Frauenfeld geboren und besuchte dort die Schulen bis zur Kantonsschule. Und er blieb in der Thurgauer Kantonshauptstadt wohnhaft. Nach einem Bauingenieur-Studium an der ETH Zürich gründete Enggist 1980 dann ein Softwarunternehmen, das Anwendungen für die Banken entwickelte. Weitere erfolgreiche unternehmerische Aktivitäten folgten.

Grabpflege als einzige Bedingung
Enggist, der unverheiratet geblieben war, litt schon länger an einer chronischen Krankheit. Sein Testament datiert aus dem Jahr 2008. Dort hat er die beiden kantonalen Einrichtungen als alleinige Erben eingesetzt. Zur Begründung heisst es nur: "Ich würdige damit den Beitrag des Kantons Thurgau an die Grundsteinlegung meiner Karriere." Der Nachlass ist auch nur an einzige Bedingung geknüpft - der Kanton muss die Grabpflege sicherstellen.

Und was tut der Kanton mit dem unverhofften Geldsegen? Man wolle ihn im Sinne des Verstorbenen und nachhaltig einsetzen, betonten Bernhard Bertelmann, Leiter der Kantonsbibliothek, und Hansjörg Brem, Chef des Amtes für Archäologie. Kein leichtes Unterfangen angesichts der Tatsache, dass sie Enggist nicht gekannt hätten, räumten beide ein. Klar ist für sie aber seine Affinität für Wissenschaft und Literatur, die in seiner Privatbibliothek offensichtlich sei.

Digitalisierungsprojekte vorantreiben
Die Kantonsbibliothek will mit dem Geld den Zugang zu wissenschaftlichen Quellen verbessern. Zum Beispiel die Erschliessung Digitalisierung von Handschriften vorantreiben, diverse Thurgauer Zeitungen digitalisieren und das Angebot an E-Medien ausbauen. Im Amt für Archäologie kann man noch kein konkretes Projekt nennen. Die zusätzlichen Mittel könnten etwa in die Untersuchung historischer Altstädte, naturwissenschaftliche Analysen oder Forschungskooperationen fliessen.