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THURGAU: Der KV-Lehre fehlen die Bewerber

Massiv weniger Schulabgänger interessieren sich für eine kaufmännische Berufslehre. Die kantonale Verwaltung hat deswegen die Anforderungen gesenkt und einen Lehrstellenplatz gestrichen.
Silvan Meile
Die kaufmännische Berufsbildung scheint ihren Reiz verloren zu haben. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die kaufmännische Berufsbildung scheint ihren Reiz verloren zu haben. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Der Wind am Lehrstellenmarkt hat gedreht. Beim Kanton ist in den letzten Jahren der Stapel an Bewerbungen für eine Lehre im kaufmännischen Bereich deutlich geschrumpft. «Vor sechs, sieben Jahren trafen bei uns jeweils rund 220 Bewerbungen für die acht, neun zu besetzenden Lehrstellen auf der Zentralverwaltung ein», sagt Edi Hanselmann, Leiter Beratung beim Personalamt des Kantons Thurgau. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 70 Jugendliche, die sich um eine kaufmännische Lehre auf der Kantonsverwaltung bewarben. Und für die Lehrstellen ab Sommer 2017 sind gerade mal 45 Bewerbungen eingetroffen.

Das geringere Interesse erschwert offenbar das Auswahlverfahren der Personalabteilung, was sich wiederum im Zeitplan niederschlägt. «Normalerweise hatten wir jeweils spätestens Ende Jahr alle Lehrstellen für den kommenden Sommer besetzt gehabt. In diesem Jahr geschah dies erst vor zwei, drei Wochen», sagt Hanselmann.

Geburtenschwacher Jahrgang als Grund

«Bedauerlicherweise hat sich die Selektion von Lernenden in vielen Berufen, die von der kantonalen Verwaltung angeboten werden, nochmals verschärft», steht auch im aktuellen Geschäfts­bericht des Kantons. «Dies wird dazu führen, dass weniger Lehrstellen als vorgesehen besetzt werden können, was zu einer ­Reduktion der bisherigen Ausbildungsplätze führen wird», heisst es dort weiter. Hat der Kanton als Ausbildungsbetrieb dermassen an Reiz verloren?

Die Jugendlichen würden noch immer gerne beim Kanton in das Berufsleben starten, sagt Hanselmann. Die stark rückläufige Anzahl an Bewerbern sei mit den geburtenschwachen Jahrgängen der aktuellen Schulabgänger zu erklären. Im Bereich der kaufmännischen Ausbildung hat der Kanton darauf reagiert. «Wir ­haben die Anforderungen an die künftigen Lehrlinge leicht ­gesenkt», sagt Hanselmann. Ausserdem sei in der Zentralverwaltung eine Lehrstelle im kaufmännischen Bereich gestrichen worden. Mehr Anpassungen wolle der Kanton aber aufgrund der Schwankungen an Bewerbern nicht vornehmen. Schliesslich zeige der Blick in die Zukunft, dass sich in den kommenden Jahren die Situation leicht entspannen werde, weil wieder mit mehr Schulabgängern zu rechnen sei.

200 Bewerbungen auf eine Stelle als Sachbearbeiter

Auch Martina Oertli, Geschäftsstellenleiterin des Schweizer Verbands «Branche Öffentliche Verwaltung/Administration publique» mit Sitz in Eschlikon, denkt zuerst an die geburtenschwachen Jahrgänge, mit denen sich der Rückgang an Interessenten für eine kaufmännische Grundausbildung in der Ostschweiz erklären lasse. Schweizweit sei dieser Trend hingegen nicht erkennbar. Von Ausbildungsbetrieben sei aber allgemein zu hören, dass sich auch vermehrt schwächere Schüler bewerben. Denn der Wettbewerb um die leistungsstarken Schulabgänger hat sich verschärft. Neue Berufe der letzten Jahrzehnte wie Mediama­tiker, Informatiker oder Gesundheitsberufe lockten Schulabgänger an, die sich früher für eine klassische KV-Lehre entschieden hätten. «Die Arbeitswelt ist im Wandel», sagt Oertli. Diese Ansicht teilt Hanselmann. Der Trend wird dadurch verstärkt, dass mehr Jugendliche einen akademischen Weg einschlagen. Und das KV sei wohl generell nicht mehr so begehrt wie auch schon. Ein Rückgang sei aber auch bei anderen Berufslehren zu verzeichnen, sagt Hanselmann. Personalverantwortliche anderer Branchen hätten die gleichen Probleme. Die rückläufige Anzahl Bewerbungen auf Lehrstellen habe aber nicht auf den allgemeinen Berufsmarkt abgefärbt. «Wenn wir eine Sachbearbeiterstelle ausschreiben, melden sich noch immer 150 bis 200 Personen», sagt Hanselmann.

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