THURGAU: Der Bus bekommt Vortritt

Der Kanton prüft Pförtner- und Dosieranlagen, damit der öffentliche Verkehr attraktiv bleibt. Kreuzlingen plant die Einführung von Busspuren und Lichtsignalanlagen mit Busbevorzugung. Auch Frauenfeld rüstet sich für den Fahrplanwechsel 2018.

Thomas Wunderlin
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Auf der Kreuzlinger Seetalstrasse staut sich der Verkehr vor dem Ziilkreisel; hier wird eine Busspur gebaut. (Bild: Andrea Stalder)

Auf der Kreuzlinger Seetalstrasse staut sich der Verkehr vor dem Ziilkreisel; hier wird eine Busspur gebaut. (Bild: Andrea Stalder)

Thomas Wunderlin

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@thurgauerzeitung.ch

Im Gegensatz zu andern Kantonen gibt es im Thurgau bisher kaum spezielle Busspuren. Der Verkehr ist jedoch auch hier stark gewachsen, so dass Buspassagiere ihre Anschlüsse verpassen. Kreuzlingen baut deshalb 2018/19 eine Busspur an der Seetalstrasse. Laut CVP-Stadtrat Ernst Zülle ermöglicht sie auf dem kurzen Stück zwischen Reutistrasse und Ziilkreisel stadtauswärts fahrenden Bussen, an den gestauten Autos vorbeizufahren. Der Bund zahlt daran 210 000 Franken. Die Busspur wird voraussichtlich bis 2021 zum Bottighofer Bärenkreisel weitergeführt.

Am Ziilkreisel genügt vorerst die separate Spur, damit der Bus gut durchkommt, glaubt Zülle. Sonst könne später eine Lichtsignalanlage zur Busbevorzugung eingerichtet werden. Solche Anlagen sind auch dort vorgesehen, wo der Platz für eine Busspur nicht reicht. Geplant sind sie laut Tiefbau-Chef Sandro Nöthiger am Rebstockplatz, am Kolosseumplatz, am Sonnplatz und am Emmishoferkreisel. Im Rahmen des sogenannten Agglomerationsprogramms zweite Generation hat der Bund einen Beitrag von 90 000 Franken pro Kreisel in Aussicht gestellt. Auch in der Stadt Konstanz, mit der Kreuzlingen die Verkehrspolitik koordiniert, sind Lichtsignalanlagen mit Busbevorzugung am Döbeli und an Wollmatinger-/Oberlohnstrasse vorgesehen.

Bis 2022 eine Busspur am Emmishoferzoll

Im Agglomerationsprogramm dritte Generation plant Kreuzlingen weitere Busspuren. Nebst der erwähnten Spur zwischen Ziil- und Bärenkreisel soll vor 2022 eine beim Emmishoferzoll eingerichtet werden, von 2023 bis 2026 auch an der Untersee- und der Bernrain­strasse.

Zülles vordringlichstes Geschäft ist zurzeit die Sanierung der Romanshornerstrasse, über die im Februar abgestimmt wird. Diese sieht Bushaltestellen auf der Fahrbahn vor. Auch diese tragen dazu bei, Verspätungen zu begrenzen, wie der Verkehrsplaner Stephan Erne vom Effretiker Planungsbüro EWP erklärt. Aus einer Haltestelle in einer Ausbuchtung könne der Bus nur mit Mühe wieder in den Verkehr einfädeln. «In dieser Zeit fahren zehn Autos an ihm vorbei und stehen dann vor ihm im Stau.»

Frauenfeld will Busverspätungen besonders im Hinblick auf den Fahrplanwechsel 2018 bekämpfen. «Die Umsteigezeiten am Bahnhof werden noch enger», sagt Stadtingenieur Thomas Müller. Probleme hätten vor allem Postautos, die von Müllheim und Steckborn her via Zürcherstrasse zum Bahnhof fahren. Stadtbusse meiden diese Strecke bereits seit vier Jahren. Verspätungen drohen laut Müller auch auf den von Norden kommenden Linien, die via Schaffhauserplatz und Eisenwerkstrasse den Bahnhof ansteuern. Auf dieser Achse verkehren auch Stadtbusse.

Zu Busspur und Lichtsignal könnte eine sogenannte elektronische Busspur eine Alternative sein. Davon ist im Thurgau bisher nicht die Rede. Laut Verkehrsplaner Erne vom Planungsbüro EWP kann sie nur auf typischen Pendlerstrecken wie Baden-Ehrendingen eingerichtet werden. Wenn zu einer bestimmten Zeit vor allem Verkehr in eine Richtung rollt, wird die schwach befahrene Fahrbahn vorübergehend gesperrt und als Busspur genutzt.

Auch um ein grossräumiges Verkehrsmanagement geht es im Thurgau bisher nicht. Die kantonalen Verkehrsplaner erwägen dennoch, Bussen mit Pförtner- und Dosieranlagen zu einer möglichst freien Fahrt zu verhelfen. Es gebe Konzeptstudien im Rahmen der Agglomerationsprogramme, bestätigt CVP-Regierungsrätin Carmen Haag. Ein konkretes Projekt liege noch nicht vor. Im Agglomerationsprogramm dritter Generation wird ein solches für Kreuzlingen ­skizziert. Erwähnt sind vier ­Dosierstellen mit Stauraum: Konstanzer-/Tägerwilerstrasse, Bernrainstrasse, Brunnen-/Bernrain­strasse und Seestrasse Münsterlingen.

Verkehrsmanagement löst nicht alle Probleme

Auch Stadtrat Ernst Zülle sieht noch keinen Bedarf für eine grossräumige Steuerung: «In Kreuzlingen sind wir noch nicht so weit. Zu normalen Stunden haben wir kein Problem.» Staus gebe es in den Stosszeiten «und am Samstag, wenn alle nach Konstanz wollen».

Mit Verkehrsmanagment könnten nicht alle Probleme gelöst werden, sagt Kurt Grauwiler, Leiter Verkehrstechnik im Aargauer Verkehrsdepartement, der unter anderem für die Region Baden-Wettingen zuständig ist. Zurzeit wird dort ein Zentralrechner installiert, der Lichtsignalanlagen und Wegweiser automatisch steuert, Verkehrsachsen priorisiert und über Wartezeiten informiert. Damit werde das Verkehrsnetz möglichst optimal ausgenützt, sagt Grauwiler. «Wenn es aber zu viel Verkehr hat, dann haben wir den Kollaps gleichwohl.»

Die Aussengemeinden wollen den Stau auch nicht

In St.Gallen sind Pförtneranlagen zurzeit ein viel diskutiertes Thema. An den Einfahrtstoren in die Stadt soll der Privatverkehr mit Lichtsignalanlagen gestaut werden. Sie würden dort länger warten, haben dafür im Stadtzentrum meist freie Fahrt. Dafür stark gemacht hat sich unter anderen die mittlerweile abgewählte FDP-Stadträtin Patrizia Adam. Widerstand regt sich dort, wo die Schleusen stehen sollen.

Die Ausserrhoder Gemeinde Teufen wehrt sich dagegen, dass der Stau auf ihr Gebiet verlegt wird. Sie hätte lieber, der Autobahnzubringer von der Liebegg quer durch die Stadt St.Gallen würde endlich gebaut. Die Ostschweiz hinkt der Restschweiz in diesem Bereich hinterher. Pförtneranlagen gibt es rund um die Stadt Zürich. Auch in der Region Baden-Wettingen wird zurzeit ein regionales Verkehrsmanagement eingeführt. (wu)