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THURGAU: Der Abstimmungskampf läuft bereits

Die Pädagogische Hochschule braucht schon wieder einen Neubau. Der Förderverein lanciert den Abstimmungskampf vor der Grossratsdebatte. Der Regierungsrat lässt Fragen zu den Folgekosten offen. Seine Berechnung der Schülerzahlen ist lückenhaft.
Thomas Wunderlin
Die Pädagogische Hochschule Thurgau an der Schulstrasse in Kreuzlingen; gegenüber ist ein Erweiterungsbau geplant. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Die Pädagogische Hochschule Thurgau an der Schulstrasse in Kreuzlingen; gegenüber ist ein Erweiterungsbau geplant. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Für den Förderverein hat der Abstimmungskampf am 2. März begonnen. Zum «Kampagnenstart» verköstigt er seine Mitglieder und Sympathisanten der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PH) in der Campus-Aula mit teilweise exotischen Eintopfgerichten. Zubereitet werden sie von Schülern unter Anleitung des Ex-Seminaristen Max Bottini, der durch die künstlerische Beschäftigung mit Nahrungsmitteln bekannt wurde.

Dabei hat der Grosse Rat noch nicht einmal über den 26,88-Millionen-Franken-Kredit für den PH-Erweiterungsbau diskutiert, und die Volksabstimmung findet frühestens am 26. November statt. Doch Hans Munz, Präsident des Hochschulrats und Mitglied des Fördervereins, weiss, dass «die Abstimmung nicht im Schlafwagen gewonnen wird». In Kreuzlingen kenne man die PH, «aber südlich der Thur müssen wir froh sein, wenn sie überhaupt wissen, wo Kreuzlingen liegt». Das Komitee für die eigentliche Kampagne werde erst nach der Abstimmung im Grossen Rat konstituiert.

Tatsächlich gibt es Erklärungsbedarf in Bezug auf den Neubau. So schreibt eine PH-Studentin in einer Mail an die Redaktion: «Immer sind Zimmer frei und nicht belegt.» Ihr und ihren Mitstudenten sei schleierhaft, aus welchem Grund «dieser enorm kostspielige Bau» nun nötig sein soll. Diesen Einwand könne er sich «schlicht nicht erklären», sagt Schulratspräsident Munz . «Wenn ich ein Besprechungszimmer brauche, ist es ein gröberes Problem, vor allem kurzfristig.» Für den Stundenplaner sei die Zuteilung der Räume «ein ewiges Gewürge». Für das Textile Gestalten habe ein provisorischer Pavillon auf dem Sportplatz aufgestellt werden müssen, «weil es sonst einfach nicht geht». Prorektor Thomas Merz sei fernab des Rektorats in ein Büro im Estrich des Klostergebäudes einquartiert worden.

Die heutige Platznot erinnert an die Situation vor 2008, als die fünf Jahre zuvor gegründete PH erstmals zwei eigene Gebäude erhielt: ein Lehr- und Verwaltungsgebäude und ein Musisch-Gestalterisches Zentrum. Zusammen kosteten sie 29 Millionen Franken. Sie sollten reichen für die damals 300 bis 350 PH-Studenten; auch die 400 Absolventen der benachbarten Pädagogischen Maturitätsschule sollten sie mitbenützen. Zuvor war die PH an sieben Standorten in Kreuzlingen eingemietet. Auch jetzt titelt der Regierungsrat in seiner Botschaft an den Grossen Rat: «Erweiterungsbau ersetzt Mietlösungen». Die PH nutzt zurzeit gegen Entgelt Räume in der einstigen Stromeyer-Fabrik und im ehemaligen Restaurant Bären. Ausserdem ist sie im Obergeschoss des Einkaufszentrums Ceha eingemietet; diesen langjährigen Mietvertrag will die PH jedoch behalten, da damit flexibel auf künftige Veränderungen des Raumbedarfs reagiert werden kann. Weshalb jetzt wieder gebaut werden muss, erklärt SVP-Erziehungsdirektorin Monika Knill mit den zusätzlichen Aufgaben der PH (siehe Interview).

Mittelschullehrer und Master frühe Kindheit fehlen in der Berechnung

Nicht zu überzeugen vermag die regierungsrätliche Botschaft ans Parlament bei der Berechnung der heutigen Studentenzahlen. Demnach studieren – Stand Herbst 2016 – «knapp 800 junge Männer und Frauen» an der PH. Aufgeschlüsselt wird diese Zahl auf 320 zukünftige Primarlehrer, 98 angehende Kindergärtnerinnen und 161 Sekundarlehrerstudenten. Fehlen rund 220.

Hochschulratspräsident Munz erklärt die Differenz damit, dass in der Botschaft die 169 zukünftigen Mittelschullehrer und die 50 Aspiranten auf den Master frühe Kindheit nicht erwähnt werden. Der Grosse Rat wird sich nachsichtig zeigen gegenüber dieser Lücke. Hingegen wird er bei den Kosten genauer hinschauen. Auch der Stimmbürger wird sich fragen, ob es nicht auch billiger ginge. Auf diesen Punkt zielt Walter Marty, SVP-Kantonsrat aus Altishausen. Zusammen mit alt EDU-Kantonsrat Daniel Wittwer und 44 Mitunterzeichnern hatte er im Januar 2016 eine Motion für mehr «Wirtschaftlichkeit und Verhältnismässigkeit bei Hochbauprojekten» eingereicht. Sie verlangt, dass bei Neubauplanungen auch künftige Unterhalts-und Amortisationskosten einberechnet werden. Der Regierungsrat hat in seiner Antwort vom Januar 2017 einen Pilotversuch im Sinne der Motion angekündigt. Beim Projektwettbewerb für den Ergänzungsbau zum Regierungsgebäude sollen die Investitionsfolgekosten analog zu den Investitionskosten erhoben werden. Der Regierungsrat bezieht sich dabei auf die von ihm Mitte 2015 beschlossene Immobilienstrategie.

Daraus ergebe sich, kommentiert Marty kritisch, dass der Regierungsrat die neue Berechnungsart noch nicht auf den PH-Neubau angewendet habe. Das sei in der Botschaft ersichtlich, mit welcher der Regierungsrat den Grossen Rat um den Baukredit ersucht: «Tatsächlich findet man nur spärlich etwas über wiederkehrende Kosten.» Mehr darf Marty als Mitglied der vorberatenden Kommission nicht sagen. Er versichert nur: «Die PH wird noch zu diskutieren geben.»

Der Wettbewerb zur PH-Erweiterung habe vor der Verabschiedung der Immobilienstrategie stattgefunden, erklärt CVP-Baudirektorin Carmen Haag. Der PH-Bau eigne sich auch «nicht ideal» als Pilotprojekt. Denn wie bei Sportanlagen und Gefängnissen seien bei Schulen Standortgebundenheit, Erreichbarkeit und betriebliche Abläufe von zentraler Bedeutung. Diese Kriterien liessen sich «kaum in Franken beziffern und sind dementsprechend nur schwer in einer Vollkostenrechnung zu berücksichtigen».

Nachgefragt

Regierungsrätin Monika Knill ist als Erziehungsdirektorin politisch verantwortlich für die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG).

Monika Knill, erst 2008 hat die PH Thurgau ihre Gebäude bezogen. Nun ist schon wieder ein Neubau fällig. Wie lange soll er genügen?

Mit dem Erweiterungsbau werden die heutigen Raumbedürfnisse erfüllt, ein weiterer Ausbau der PHTG ist nicht geplant. Die Situation ist daher nicht mit dem ersten PHTG-Bau vergleichbar. Die Studierendenzahlen haben sich zwischen 700 und 800 eingependelt. In den nächsten 10, 15 Jahren steht uns eine hohe Anzahl Pensionierungen von Lehrpersonen bevor, ebenso steigen die Schülerzahlen wieder an. Dank unserer eigenen PH konnten wir bisher den Bedarf für den Thurgau gut abdecken.

Können Sie garantieren, dass das Angebot nicht gleich nach der Einweihung wieder ausgebaut wird, so wie es mit der 2009 eingeführten Sekundarlehrerausbildung geschehen ist?

Ein weiterer inhaltlicher Ausbau steht nicht zur Diskussion, da die PHTG bereits alle Stufen anbietet. Bei der Planung zum ersten Bau 2005 bildete die PHTG erst Kindergarten- und Primarlehrpersonen aus. Aufgrund des zunehmenden Mangels wurde der PH der Auftrag erteilt, auch Sekundarlehrpersonen auszubilden. Wenn alle Sekundarlehrer ausserkantonal studieren müssen, ist die Gefahr gross, dass sie nicht in den Thurgau zurück kommen. Es ist erfreulich, dass wir dank der eigenen Ausbildungen nie einen derart grossen Lehrermangel hatten wie andere Kantone.

Kürzlich haben die Hochschulrektoren einen Master für Kindergärtnerinnen vorgeschlagen.

Dagegen würde ich mich entschieden wehren. Das entbehrt jeglicher Grundlage. (wu)

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