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THURGAU: Das Volk zeigt seine Schätze

Einst diente der Bestimmungstag der kantonalen Museen dazu, archäologische Funde Privater zu lokalisieren. Nach zwanzig Jahren ist er auch ein Element der Kundenbindung.
Christof Lampart
Die Kunsthistorikerin Rebekka Ray untersucht ein Gemälde, das eine Besucherin mitgebracht hat. (Bilder: Christof Lampart)

Die Kunsthistorikerin Rebekka Ray untersucht ein Gemälde, das eine Besucherin mitgebracht hat. (Bilder: Christof Lampart)

Christof Lampart

thurgau

@thurgauerzeitung.ch

20 Jahre sind in naturwissenschaftlichem oder historischem Rahmen eine kurze Zeit. Dennoch ist die Zeitspanne lange genug, um eigene Entwicklungen festzuhalten und zu gegebenem Anlass ein wenig in der Zeit zurückzugehen. Dies tat auch der Leiter des kantonalen Amtes für Archäologie, Hansjörg Brem, am Samstagvormittag, als er über einer Münze gebeugt dasass: «Als wir 1997 damit angefangen haben, waren wir meines Wissens die ersten, die einen solchen interdisziplinären Bestimmungstag angeboten haben.

Andere Museen haben einen Münzbestimmungstag oder ähnliches gehabt, aber nicht diese breite Palette an Bestimmungen angeboten.» In den ersten Jahren seines Bestehens diente der Bestimmungstag vor allem dazu, dass Private ihre archäologischen Funde oder Erbstücke der offiziellen Archäologie bekanntmachten – was auch wirklich funktionierte. «Anfangs haben wir einige echte archäologische Kostbarkeiten zu sehen bekommen», sagt Brem. Diese seien zwar im Laufe der Jahre naturgemäss weniger geworden, doch interessant seien die gebrachten Objekte nach wie vor.

Einschätzungen, aber keine Schätzungen

Tatsächlich kommen während dieser drei Stunden im dritten Obergeschoss des Naturmuseums nicht nur die Besitzer von alten Scherben oder Münzen auf ihre Kosten: Wer ein altes Buch im Regal hat, einen ungewöhnlichen Knochen im Gelände gefunden oder vom Grossvater ein Souvenir aus fernen Landen geerbt hat, von dem er gerne wüsste, was es ist oder woher es stammt, kann seinen Fund hier vorzeigen. Was die Experten jedoch nicht machen, sind Wertangaben. «Wir sagen niemandem, ob etwas einen hohen Wert hat, machen ihn aber darauf aufmerksam, dass er vielleicht den Gegenstand einmal schätzen lassen oder auf keinen Fall wegwerfen sollte, wenn wir meinen, dass etwas einen gewissen Wert haben könnte», erläutert der Leiter des Museums für Archäologie, Urs Leuzinger. Manche kommen fast immer – so dass sie fast vermisst werden, wenn sie nicht beizeiten aufkreuzen. «Wo sind eigentlich die Meiers?», fragt jemand in die Runde. Alle Experten wissen, wer gemeint ist – ein älteres Paar, das bis jetzt praktisch immer kam und stets Interessantes mitbrachte. Schulterzucken allerseits. «Die werden schon noch kommen», antwortet ein anderer.

Während des Wartens auf Meiers landen zahlreiche interessante Objekte auf den Tischen, wie ein Spazierstock, der sich bei genauerem Hinsehen als raffiniert getarntes Wilderergewehr entpuppt. Ein weiteres Kuriosum ist ein kleiner Anhänger, der gegen Hexenzauber schützen sollte, oder die runden Werbemarken eines Weinfelder Schneidereigeschäftes, das auf der Vorderseite die Seite eines Fünflibers in Originalgrösse zeigt: «So etwas zu prägen wäre heute verboten», wird dem Finder, Fabian Mente aus Weinfelden, erklärt. «Ich habe das mal im Zwischenboden einer Scheune gefunden. Das war als Kind praktisch mein Spielplatz», erklärt Mente. Am Nebentisch untersucht der Leiter der volkskundlichen Sammlung, Peter Bretscher, ein altes, gut erhaltenes Klöppelkissen, derweil der Direktor des Naturmuseums, Hannes Geisser, ein unerwartetes Präsent entgegennehmen darf: «Dem Naturmuseum wird eine Botanisierbüchse, vermutlich aus dem 19. Jh., geschenkt; so etwas macht doch Freude.» Am Ende der dreistündigen Bestimmungszeit haben die Experten 30 Personen empfangen – darunter auch die Meiers – und an die 70 Objekte bestimmt.

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