THURGAU: Berufsbegleitend zur Kindergärtnerin

Die PHTG geht in der Lehrerbildung neue Wege. Der Bachelor auf Vorschulstufe wird neu mit zwei fixen freien Tagen pro Woche angeboten. Das wertet das bereits über die Kantonsgrenze beliebte Studium weiter auf.

Larissa Flammer
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Eine Kindergärtnerin. (Bild: Getty)

Eine Kindergärtnerin. (Bild: Getty)

Regelmässig gehen bei der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) Anfragen für ein berufsbegleitendes Studium ein. Dies meist von Personen, die den Beruf Lehrer oder Kindergärtner erst mit einer Zweitausbildung anstreben. Wer sich Studium und Leben selber finanziert, kann es sich kaum leisten, an fünf Tagen die Woche Vorlesungen und Seminare zu besuchen. Zu den Personen, die ein Teilzeitstudium anstreben, gehören auch Eltern. Sie können oder wollen ihre Kinder nicht die ganze Woche fremdbetreuen lassen.

Die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums an der PHTG ist gemäss Matthias Begemann, Prorektor Lehre, grundsätzlich gegeben. Studierende können sich ihr Studium individuell zusammenstellen und später abschliessen. «Das ist jedoch ein organisatorischer Aufwand und die freie Zeit ist nicht stabil», sagt Begemann.

Deshalb bietet die PHTG Hand und hat ein neues Modell konzipiert, das ab nächstem Sommer für das Studium Vorschulstufe/Kindergarten angeboten wird. Die Präsenzzeit beschränkt sich dabei auf Montag bis Mittwoch, das Studium dauert statt drei damit vier Jahre. Begemann sagt: «Es gibt Hochschulen, die ein ähnliches Modell anbieten. Aber bei keiner anderen Lehrerausbildung hat man durchgehend während vier Jahren die gleichen zwei Wochentage frei.»

Ausweitung auf ­Primarschulstufe denkbar

Die PHTG bietet das Modell als Pilot für das Vorschulstudium an. «Wir rechnen mit etwa 15 Plätzen im ersten Jahr.» Wenn der Pilot gut läuft und das Interesse da ist, könnte sich Begemann vorstellen, das Modell auch auf das Studium auf Primarschulstufe anzubieten. Bei diesem Studiengang sei ein Teilzeitstudium bisher schwierig.

Auf den Stufen Sek I und Sek II ist es dagegen bereits relativ gut möglich. Die Studenten können sich dort die freien Tage selber einrichten. Vorschul- und Primarschulstufe sind jedoch als Vollzeitstudium ausgelegt.

Mehr E-Learning und mehr Selbststudium

Für das neue Angebot braucht es gewisse Anpassungen. Es werden Module konzipiert, die vermehrt auf Selbststudium und E-Learning setzen. Begemann erklärt: «Sobald im Studium Gruppen gebildet werden, sind solche mit Teilzeitstudierenden möglich.» So kann die Raumauslastung gleich bleiben, weil alle übrigen Studierenden auch am Donnerstag und am Freitag in Kreuzlingen sind. Das Modell funktioniert auch für die Praktika. Teilzeitstudentinnen können diese von Montag bis Mittwoch und dafür ein paar Wochen länger als ihre Kolleginnen besuchen.

«Es wird spannend zu beobachten, wie das Interesse sein wird», sagt Begemann. Vielleicht kommen sogar zusätzliche Studentinnen aus anderen Kantonen. Denn das reine Vorschulstufenstudium, das der Thurgau anbietet, ist schweizweit fast einzigartig und deshalb bereits beliebt. «Der Bedarf an Lehrpersonen ist auf dieser Stufe am grössten», sagt Begemann. Alle Studentinnen hätten schon im April oder Mai ihres letzten Studienjahrs eine Stelle. Auch das ist ein Grund, warum der Pilotversuch auf Vorschulstufe gestartet wird.

Anmeldeschluss für das neue Teilzeitstudium ist der 1. Mai. Spätestens dann weiss die PHTG, wie das Angebot ankommt. Jetzt werden sich die Leute erst darüber informieren.