THUNDORF: Woher der Wind weht

Vor anderthalb Jahren wurde bekannt, dass die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich die Errichtung eines Windparks zwischen Tuenbach- und Thurtal prüfen. Jetzt orientierten die Behörden über den Stand der Dinge.

Christof Lampart
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Der Windmessmast im Gebiet Waldhof-Rüteli oberhalb Thundorfs. (Bild: Reto Martin (17. Juni 2016))

Der Windmessmast im Gebiet Waldhof-Rüteli oberhalb Thundorfs. (Bild: Reto Martin (17. Juni 2016))

Christof Lampart

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Rund 100 Interessierte kamen am Donnerstag in den Thundorfer Gemeindesaal, weil sie wissen wollten, ob und woher in Zukunft in Thundorf der Wind wehen wird. Ob er der Gemeinde Einnahmen, der Bevölkerung preiswerten Strom liefern oder ob da doch nur ein optisches und lärmendes Ärgernis sein werde.

Fakt ist: Auch nach diesem Abend wurden seitens der Befürworter viele lobende Worte für die Errichtung eines Windparks mit sieben Windrädern geäussert. Da zugleich aber nur sehr verhalten und unspezifisch Kritik aus dem Publikum geäussert wurde, blieb der Eindruck, dass die Argumente der Vertreter des Kantons Thurgau und der Elek­trizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) bei der Zuhörerschaft verfingen. Der Windenergie-Experte des Kantons Thurgau, Thomas Volken, erklärte, dass in Windenergie «viel bis jetzt ungenutztes Potenzial liegt». Die Bedeutung von Windenergie werde immer wichtiger. Im Thurgau könnten bis zu 15 Prozent aller benötigten Energie aus der Windkraft gewonnen werden. Zudem liefere die Windenergie vor allem dann viel Strom, wenn Solar- und Wasserenergie am schwächsten sei – im Winter. «Windenergie ist für den richtigen Mix enorm wichtig», so Volken.

Ein Windpark in Thundorf/Hüttlingen werde vom Kanton unterstützt, denn er trage zur Stromversorgungssicherheit, zu wettbewerbsfähigen Strompreisen und dem Ausschöpfen des Potenzials erneuerbarer Energie bei, so Volken. Klar sei auch, dass die Einwohner Thundorfs und Hüttlingens in dieser Sache das letzte Wort hätten. Der Kanton zeige im Richtplan nur auf, welche Ge­biete für einen Windpark in Frage kämen. Komme es tatsächlich zur Projekteingabe, so läge der Ball für die erforderliche Zonen­änderung und eine später zu erteilende Baubewilligung bei den Gemeinden.

Visualisierungsstudie gegen Sichtbarkeit des Windparks

Klar sei auch, dass nicht alle glücklich über die riesigen Windräder seien, doch es sei unvermeidlich, dass ein Windpark sichtbar sei. «Man sieht auf einmal, woher der Strom kommt, wenn man ihn vor der Haustüre bezieht und nicht aus einem AKW aus dem Aargau», so Volken. Jedoch habe eine Visualisierungsstudie gezeigt, dass man auf zehn Kilometer Distanz die 200 Meter hohen Windräder nicht mehr als störend empfinde. Bilder, mit denen die Windparkgegner in Braunau operierten, seien nicht professionell gemacht und entsprächen nicht der tatsächlichen Wirkung.

Auch der Behauptung, dass Windparks wahre «Vogel-Shredder» seien, trat Volken mit einer schweizerischen Studie entgegen. Fakt sei, dass im Jura bei einer Anlage im Durchschnitt jährlich 20,7 Vögel tot im Umfeld eines Windparks gefunden worden seien. Darunter seien weder Greifvögel noch geschützte Vogelarten gewesen. Es gelte, das Ganze in eine gesunde Relation zu setzen. Bei einem Potenzial von 700 Schweizer Windanlagen müsste man jährlich mit rund 4000 toten Vögeln rechnen. Das sei kaum ­relevant, wenn man die Zahl der toten Vögel mit jenen vergleiche, die durch Glasfassaden/Fenster (10 Millionen), Katzen (1,8 Millionen) und Verkehr (1 Million) jährlich in der Schweiz ums Leben kämen.

Windparks finanzieren sich selbst

Auch dass Immobilien in der Nähe eines Windparks an Wert verlören, sei nicht haltbar. «Eine Studie der Waadtländer Kantonalbank hat ergeben, dass es vor dem Bau eines Windparks eine gewisse Unsicherheit gibt; danach gleicht sich das Ganze aber wieder dem ursprünglichen Wert an», so Volken. Auch stimme es nicht, dass die Windparks ihre Konstruktionskosten nie hereinholten: «In wenigen Monaten hat ein Windpark diese Energie produziert und sich somit selbst finanziert». Und eines sei, so bekräftigte der Leiter des Amtes für Energie, Andrea Paoli, sei auch klar: «Der Kanton Thurgau ­würde ganz sicher kein Projekt bewil­li­gen, das der Bevölkerung Schaden zufügen würde.»

Jean-Marc Degen, EKZ-Projektleiter, erklärte, dass man, was dieses Projekt betreffe, zeitlich eingeschränkt sei, denn «nach 2022 gibt es keine Gelder mehr aus der kostendeckenden Einspeisevergütung. Diese erhält man aber erst, wenn die Bau­bewilligung vorliegt. «Wir müssen uns also beeilen, wenn wir das Projekt realisieren wollen, denn aus heutiger Sicht können wir ohne KEV nicht produzieren.»