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THUNDORF: "Ohne ihn ist es nur halb so lustig": Schulgspänli sammeln und basteln für leukämiekranken Mattia

Die Schüler der 5. und 6. Klasse basteln, kochen und backen für ihr Schulgspänli Mattia, der an Leukämie erkrankt ist. Die Waren verkaufen sie am Samstag an einem Basar, den Erlös spenden sie.
Samuel Koch
Die Klasse von Gaby Sager (kniend links) mit den gebastelten Gegenständen um Mattias Pult, auf dem Roboter Neo steht. (Bild: Reto Martin)

Die Klasse von Gaby Sager (kniend links) mit den gebastelten Gegenständen um Mattias Pult, auf dem Roboter Neo steht. (Bild: Reto Martin)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Neo wippt mit den Hüften, streckt den rechten Arm aus und tanzt zum Evergreen YMCA. Den 15 Schülerinnen und Schülern der Gemischtklasse mit 5. und 6. Klässern huscht vereinzelt ein Lächeln übers Gesicht. Kurzerhand lässt der Roboter die bevorstehenden Rechenaufgaben sowie die Alltagssorgen vergessen. Sorgenfalten bereitet den Schülern von Klassenlehrerin Gaby Sager zuletzt so einiges, denn ein Stuhl hinter den Pulten im sonst so farbenfrohen Klassenzimmer bleibt seit Mitte März leer. Es ist der Platz des 12-jährigen Mattia, der an Leukämie erkrankt ist. Fotos erinnern an den Klassenkameraden und guten Freund. «Er fehlt uns», sagt eine seiner Banknachbarinnen, «er ist einer unserer Spasskobolde, ohne ihn ist die Stimmung in der Klasse nur halb so lustig.»

Am leeren Pult hat kurzerhand Roboter Neo Mattias Platz eingenommen. «Mattia hatte Angst, dass wir ihn vergessen werden», sagt Lehrerin Gaby Sager. Denn er wird in Thundorf kaum mehr die Schulbank drücken, im Sommer folgt der Wechsel an die Sek Halingen. Über Neo, den das Kinderspital St.Gallen zur Verfügung gestellt hat, bleibt die Klasse mit Mattia verbunden, was auch ihm ein besonderes Anliegen war. Seit der Diagnose Blutkrebs lernt er dank einer kantonalen Spezialbewilligung mit einer Privatlehrerin zu Hause und steckt seine ganze Kraft in die Chemotherapie. Über ein Tablet und eine Kamera in Neos Kopf kann Mattia von zu Hause aus den Unterricht der Klasse verfolgen und hie und da ein Auge ins Schulzimmer werfen. Aufgrund der Akustik sei eine Kommunikation jedoch eher schwierig. «Es ist uns aber wichtig, dass wir ihm und seiner Familie so gut es geht, zur Seite stehen», sagt Gaby Sager.

Viele Fragen zum emotionalen Thema

Nach der schockierenden Diagnose und der Hiobsbotschaft für alle Klassen-Gspänli und die ganze Schule folgte die Aufarbeitung des emotionalen Themas. «Es sind viele Fragen aufgetaucht», sagt Gaby Sager. Dank der Offenheit der betroffenen Familie, aber auch aller an der Schule, sind die Fragen bis heute grösstenteils geklärt. Eine Frage blieb hingegen lange im Raum stehen: «Wie können wir Mattia helfen?»

Noch vor den Frühlingsferien beginnen die Mitschüler zu basteln, zu kochen und zu backen. Nebst gebastelten Jojos aus Holz kneten die Schüler Kühlschrankmagnete, schmelzen und deformieren alte Schallplatten zu Deko-Gegenständen oder nähen Plüschtiere, sogenannte Sorgenfresser. Das Ziel: der Kauf eines Tablets, um den Kontakt mit Mattia zu wahren. «Wir wollten auch für ihn sammeln», sagt ein Mitschüler. Weil diese Idee jedoch nicht so erwünscht war, sinnierte die Klasse weiter und setzte sich schliesslich für die Idee eines Basars zu Gunsten der Kinderkrebshilfe ein. Weil das Thema auch im Dorf rasch die Runde machte, fand die Klasse mit dem «Gartenbeizli unter der Linde» einen «perfekten Verkaufsort, wo die Infrastruktur schon vorhanden ist». Beizli-Betreiberin Claudia Sonderegger stellt nun nicht nur ihr Beizli zur Verfügung, sondern spendet ihren Erlös aus den Getränken ebenfalls der Kinderkrebshilfe. «Auch das Echo im Dorf war enorm», sagt Schulleiterin Karin Jenni.

Am Basar morgen Samstag erwartet die Klasse einen grossen Andrang und möglichst kauffreudige Kundschaft: «Wir hoffen, dass möglichst viele kommen und unsere Sachen für eine gute Tat kaufen.» Davor tanzt aber Neo im Klassenzimmer noch den «Gangnam-Style» und macht mit allen eine Yoga-Übung. Die Schüler heben die Arme, atmen tief ein und wieder aus. Dann geht es zurück an die Rechenaufgaben.

Basar zur Unterstützung der Kinderkrebshilfe, Sa, 5. Mai, 9 bis 12 Uhr, «Gartenbeizli unter der Linde», Hauptstrasse 21.

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