Thamara modelt jetzt in Mailand

DIESSENHOFEN. In den vergangenen zwei Jahren verbrachte Thamara Weiss mehr Zeit im fernen Italien als in der Schweizer Heimat. Das 20jährige Model pendelt jede Woche zwischen Mailand und Diessenhofen. Und nebenbei geht Weiss auch noch zur Schule.

Johanna Schick
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Am Thurgauer Rheinufer ist Thamara Weiss zu Hause, auch wenn sie in den letzten Jahren wenig Zeit dort verbringen konnte. (Bild: Reto Martin)

Am Thurgauer Rheinufer ist Thamara Weiss zu Hause, auch wenn sie in den letzten Jahren wenig Zeit dort verbringen konnte. (Bild: Reto Martin)

Jeden Montagabend steigt Thamara Weiss in Schaffhausen in den Zug nach Mailand. Seit zwei Jahren pendelt sie zwischen der Schweiz und Italien. Die 20-Jährige arbeitet als Model und verbringt momentan mehr Zeit im Süden als zu Hause bei ihren Eltern in Diessenhofen.

Erst seit kurzem hat sich die schöne Thurgauerin einer neuen Herausforderung zugewandt: Sie besucht einen Tag pro Woche die Handelsschule in Schaffhausen – deswegen auch die Pendlerei. «Es ist nicht so, dass ich beim Modeln nichts gelernt habe, ganz im Gegenteil», sagt sie. Aber sie wolle sich jetzt weiterbilden, mit einem drei Jahre alten Sek-Zeugnis könne man sich schliesslich schlecht bewerben. «Keiner weiss, wie lange ich noch modeln werde.» Mit 20 Jahren gehöre sie nämlich schon zu den Älteren unter den Models.

Auf eigene Faust

Seit Januar diesen Jahres ist Thamara Weiss bei der internationalen Modelagentur IMG unter Vertrag. Ein Vertrag, der ihr eigentlich schon 2011 bei ihrem Sieg der Fernseh-Castingshow «Fashion Days Model Challenge» zugestanden wäre. Die Casting-Show hielt dieses und auch weitere Versprechen aber nicht.

Jetzt, zwei Jahre später hat Thamara Weiss den Vertrag auf eigenem Weg ergattert, ohne Unterstützung. Eine Leistung, auf die sie stolz ist. Nachtragend oder hässig ist das Model deswegen keineswegs. «Enttäuschungen hake ich schnell ab», sagt sie. Es lohne sich nicht, sich über solche Dinge aufzuregen. Sie geht offensichtlich mit einer sehr gelassenen Haltung durchs Leben.

«In den letzten zwei Jahren bin ich viel lockerer und flexibler geworden», sagt sie. Sie lebe jetzt mehr von Tag zu Tag und geniesst ihr Leben als Model. Über ihre Zukunft macht sie sich noch nicht allzu viele Gedanken. «Vielleicht fange ich nächstes Jahr mit einer Lehre an, vielleicht versuche ich aber auch, in London oder Paris als Model Fuss zu fassen.» Das sei alles noch ungewiss.

Die Jahre im Model-Business haben die 20-Jährige verändert. «Früher wollte ich immer alles ganz genau planen und hatte zu hohe Erwartungen an mich selber.» Wenn dann mal etwas schiefging, sei die Enttäuschung umso grösser gewesen. Im Modelalltag ist eine solche Einstellung jedoch fehl am Platz. Welchen Auftrag man an welchem Tag bekommt, könne man einfach nicht planen. Das laufe alles zu spontan. Hinzu kommt die grosse Konkurrenz. «Es kommt vor, dass man bei einem Casting mehr als 200 Konkurrentinnen für denselben Job hat.» Sie hat gelernt, dass es nichts bringt, sich mit den anderen zu vergleichen. Absagen gehören zum Leben. «Es bringt nichts, sich nach jeder Absage Gedanken darüber zu machen, wieso ich nicht genommen wurde.»

Auch nach zwei Jahren sei die Freude bei jedem neuen Auftrag riesig. Und davon hat sie zur Genüge. Sie modelt in ganz Italien, der Schweiz und in Deutschland und verdient dabei genug Geld, um unabhängig von ihren Eltern zu leben und nebenbei noch etwas zu sparen. «Ich achte auf mein Geld. Ich möchte unabhängig leben», sagt sie.

In der Schweiz zu Hause

Das Leben in Mailand gefällt ihr, und mit der italienischen Mentalität kam sie schon immer gut zurecht. Sie habe sich dort ein Umfeld aufgebaut, habe tolle Freunde und einen aufregenden, aber anstrengenden Job. Trotzdem ist ihr Zuhause die Schweiz. Und manchmal vermisst sie ihre Heimat, ihre Freunde, die Familie und den Rhein. «Wenn ich hier durch die Stadt spaziere, treffe ich immer wieder Leute, die ich kenne», sagt sie. In Mailand passiere einem das nicht so oft.

«New York ist immer noch ein Traum von mir, den ich auch anstrebe.» Sie glaube aber, dass sie noch nicht so weit sei. Wenn überhaupt, probiere sie es erst im nächsten Jahr. Denn für die kommenden Monate heisst es neben dem Modeln auch noch büffeln für die Schule. «Ein guter Abschluss ist mir wichtig.»