Teufener Baupläne auf Giftboden

Eine Überbauungsstudie brachte es an den Tag: Unter dem kantonalen Zivilschutzzentrum in Teufen liegt die 13 Meter tiefe Deponie Bächli. Darin lagert wabbliger Kehricht, der wegen Chemieabfällen auch noch strahlt.

Margrith Widmer
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Teufen. Auf dem Gelände des heutigen Zivilschutzzentrums in Teufen ist eine Wohnüberbauung geplant. Die Gemeinde möchte das Land kaufen. Nur: Da ist die Deponie mit strahlenden Altlasten, nicht gefährlich zwar, jedoch sanierungsbedürftig. Bevor da gebaut werden darf, müsse der Standort laut Altlastenverordnung untersucht werden, sagt Magnus Hälg, Sachbearbeiter Abfall, Sonderabfall und Altlasten beim Ausserrhoder Amt für Umwelt (AfU).

Radioaktive Material

Zwischen 1950 und 1970 wurde der Teufner Kehricht hier abgelagert. Und auch der strahlende Abfall der früheren Radium Chemie AG (heute Tritec AG), die unter anderem Leuchtfarben für Uhren herstellt, landete in der Deponie.

Noch unappetitlicher: Die Dorfmetzgereien entsorgten hier ihre Schlachtabfälle, ganze Kälber und Kühe landeten dort. Entsprechend schwabbelig ist das Gelände: Organisches Material zersetzt sich, hinterlässt Hohlräume. Kein Wunder, ist der Brandbekämpfungsturm des Zivilschutzes auf dem Wabbelgelände zum schiefen Turm von Teufen geworden.

Die Deponie stank nicht nur zum Himmel, sie brannte auch schon mal. Und sie war ein Paradies für Tiere: In Teufen herrschte jahrelang eine Rattenplage, wie sich ältere Dorfbewohner erinnern. Füchse und Ratten hätten Kadaver ins Dorf getragen.

Erst Studie gemacht

Gemeindepräsident Walter Grob betont, es sei noch nichts entschieden. Es seien lediglich Studien erstellt worden, in denen das Deponiegelände mit einbezogen worden sei – was nicht heisse, dass es auch überbaut würde. Das fänden Kritiker sowieso nicht sinnvoll. Die Deponie wurde zwar teilsaniert und überdeckt. Dabei wurde das radioaktive Material herausgenommen, wie der Ausserrhoder Baudirektor Jakob Brunnschweiler sagt. Ob aber alles entfernt worden sei, wisse man nicht. Eine Überbauung hält er für problematisch: «Man müsste alles auspacken und in einer Multikomponenten-Deponie entsorgen. Das würde über fünf Millionen Franken kosten.» Verteilte man diese Kosten auf die ganze Überbauung, wären sie verkraftbar, findet hingegen Grob.

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