TESTSCHLAFEN: Eine Nacht im Bubble-Hotel

Thurgau Tourismus bietet an vier verschiedenen Standorten im Thurgau Himmelbetten an. Die Übernachtung in der exklusiven Plastikblase hat TZ-Mitarbeiterin Miranda Diggelmann getestet – und sie ist begeistert.

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Miranda Diggelmann aus Wil und Jannik Artuso aus Flawil in der Bubble der Kartause Ittingen – für die beiden ein unvergessliches Erlebnis. (Bild: Reto Martin)

Miranda Diggelmann aus Wil und Jannik Artuso aus Flawil in der Bubble der Kartause Ittingen – für die beiden ein unvergessliches Erlebnis. (Bild: Reto Martin)

Über uns das weite Himmelszelt mit einem fast schon grell scheinenden Halbmond. «Ich hätte nicht gedacht, dass man hier drinnen tatsächlich all die Sterne so klar sieht», sagt mein Freund Jannik Artuso. «Gell, und so unglaublich hell ist es. Allein wegen des Mondscheins», antworte ich. Wir haben es uns auf dem Doppelbett in der Plastikblase gemütlich gemacht. Irgendwo im tiefsten Thurgau, zwischen Reben und Apfelbäumen – blickgeschützt, wie es sich versteht. In der Ferne hören wir noch ein paar Kühe, aber das stört uns nicht. Im Gegenteil. «Voll idyllisch ist es hier», sagt Jannik.

Wir fühlen uns wohl und sind zufrieden. Schliesslich haben wir noch vor wenigen Minuten ein leckeres Vier-Gänge-Menu im Restaurant Mühle der Kartause Ittingen genossen. Zum Apéro gab’s einen fruchtig erfrischenden Blütenzauber mit marinierten Mandeln. Das Amuse-Bouche bestand aus frischem Brot und Brennnesselbutter. Danach folgte, als offizieller erster Gang, ein Coppa-Carpaccio mit Hofkäse und Rucola. Im zweiten Gang wurden wir mit einer Bärlauchsuppe mit Mostbröckli und Forelle verwöhnt. Zum Hauptgang wurden uns dann ein Kalbssaltimbocca, Kräuterrisotto und Cherrytomaten serviert. Den süssen Abschluss gestaltete ein Edelbitter-Cake mit Quittensorbet. «Uns geht es ja schon gut», sind sich Jannik und ich einig. Am besten schmeckte uns der Rotwein. Auch wenn wir alles andere als Weinkenner sind – was uns ­keineswegs davon abhielt, so zu tun, als ob. Der Stiftungswein aus Blauburgundertrauben hat uns überzeugt. Also haben wir am nächsten Morgen im Kloster­laden auch gleich zwei Flaschen vom edlen Tropfen gekauft.

Zur Übernachtung im Plastik-Iglu

In Ordnung, genug vom Kuli­narischen. Gleich nach unserer ­Ankunft in der Kartause wurden Jannik und ich in die Handhabung der Bubble eingeführt. Zwei nette Damen erklärten uns, dass der innere und der äussere Eingang nie gleichzeitig geöffnet sein dürfen. «Ansonsten geht die Luft raus, und euch fällt buchstäblich die Decke auf den Kopf», sagt Corinne Rüegg Widmer, Leiterin Kommunikation und Marketing der Kartause Ittingen. Mein Freund und ich lachen, weil wir beide genau wissen, dass uns so etwas passieren könnte. Aber wir haben es hingekriegt, und das war auch schon das einzig Komplizierte an der Sache mit der Plastikblase.

Aber woher kommt denn die ganze Luft, welche die Kugel von innen aufbläst? Hinter der Plastikblase und in den Bäumen versteckt finden wir einen Kompressor unter einer Abdeckung aus Bambus. Dieser arbeitet erstaunlich leise. In der Blase hören wir kaum etwas, obwohl sich alle 15 Minuten das Luftvolumen einmal umwälzt. Uns wird erklärt, dass man die Temperatur der Luft sogar mit einem Schalter regulieren kann. Meine dicken Wollpullover, die ich aus Angst, dass der Innenraum nicht geheizt wird, mitgenommen habe, werden somit überflüssig.

Nach dem Abendessen, das bei uns Geniessern etwa bis 22.30 Uhr andauerte, testen wir also erstmals richtig die Plastikkugel. Zuerst aber Zähneputzen. Die Toiletten und Badezimmer, welche die Gäste der Bubble ­benutzen können, befinden sich auf dem Areal der Kartause und somit nur wenige Meter neben unserem Schlafplatz. Für den Fall, dass wir in der Nacht einmal die Toilette benutzen müssten, haben wir eine kleine Taschenlampe bekommen. «Ich freue mich, bin aber auch ein bisschen aufgeregt», sage ich zu Jannik, bevor wir unser Schlafgemach betreten. Er lacht nur und meint: «Du hast wohl noch nie ein wirkliches Abenteuer erlebt.»

Da liegen wir also auf dem Rücken und starren in den Sternenhimmel. Ich bin fasziniert: «Es fühlt sich irgendwie an, als ob wir unter freiem Himmel liegen würden, nur dass wir das eben nicht tun.» – «Wir haben echt Glück mit diesem tollen Wetter. Aber Regen wäre bestimmt auch spannend gewesen», sagt Jannik. Ich stimme ihm stillschweigend zu und stelle noch den Wecker, damit wir auch nicht das Frühstück verpassen, obwohl ich mir sicher bin, dass wir ohnehin früh aufwachen werden: Wir haben hier schliesslich keine Fenster­läden oder Ähnliches. Eine Weile später schlafen wir ein.

Das Frühstück bei Regenwetter

Um genau 8.30 Uhr läutet mein Wecker. Jannik und ich haben beide durchgeschlafen und sind trotz der Helligkeit, die wohl früh eingesetzt haben muss, nicht vor dem Klingeln meines Handys aufgewacht. «Sonst kannst Du doch nie schlafen, wenn es hell ist», sagt Jannik. Wo er recht hat, hat er recht. Vermutlich war das Bett überdurchschnittlich bequem.

Wir ziehen uns an und machen uns auf zum Frühstücksbuffet. Sogar als absolute Frühstück-Fans sind wir davon beeindruckt. Eine reichliche Auswahl an frischgebackenen Broten, Früchten, Joghurt, Süssem und Sal­zigem. Wir sind glücklich und ­bestellen Latte Macchiato dazu. Während des Essens schauen wir aus dem Fenster. Jetzt regnet es. «Bei diesem Wetter wäre das Erlebnis wahrscheinlich ganz anders gewesen», sagt Jannik. Wer weiss – aber wir kommen auf jeden Fall wieder. Darüber sind wir uns einig. Nach dem herzhaften Frühstück gestatten wir dem Klosterladen noch einen Besuch ab und kaufen ein paar Delikatessen ein. Fürs Museum reicht uns leider die Zeit nicht mehr.