Tempoexzesse bereiten Sorge

LOMMIS. Während acht Wochen hat die Kantonspolizei Tempomessungen vor der Primarschule in Lommis durchgeführt. Das Ergebnis: Fast drei Viertel der Verkehrsteilnehmer waren zu schnell. Höchster Messwert waren 111 Kilometer pro Stunde.

Adrian Grzonka
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Der «Speedy» an der Matzingerstrasse in Lommis. (Bild: pd)

Der «Speedy» an der Matzingerstrasse in Lommis. (Bild: pd)

«Sie fahren 111 Kilometer pro Stunde.» Dies zeigte eine Geschwindigkeitsmessung in einer Fünfziger-Zone bei der Primarschule in Lommis an. Der Temposünder selbst konnte diese Angabe wohl kaum lesen – zu schnell raste er an den digitalen Ziffern auf der Anzeigetafel vorbei.

Erfasst wurden die 111 km/h an der Matzingerstrasse, direkt vor dem Primarschulhaus. Zwischen Mitte September und Mitte November führte die kantonale Verkehrspolizei dort Geschwindigkeitsmessungen durch. Dabei kamen keine Blitzkästen, sondern lediglich so genannte «Speedies» zum Einsatz: digitale Messgeräte, welche den Verkehrsteilnehmern ihre Geschwindigkeiten anzeigen, ohne die Temposünder dabei zu registrieren und zu büssen: Bei regelkonformem Fahren lacht dem Lenker ein Smiley entgegen, bei Tempoüberschreitungen zeigen die Mundwinkel des Symbols auf der Anzeigetafel nach unten.

Viele nur knapp zu schnell

Wie die Auswertungen zeigen, welche die Kantonspolizei der Gemeinde Lommis kürzlich übergeben hat, haben die gemessenen Tempi zu wenig fröhliche Gesichtsausdrücke auf der Anzeigetafel geführt: Mehr als 70 Prozent der Verkehrsteilnehmer waren gemäss den Zahlen zu schnell unterwegs. Dieser hohe Prozentsatz ist laut der Polizei allerdings mit «Vorsicht zu geniessen»: Denn der Grossteil der Übertretungen liegt zwischen 51 und 55 Kilometern pro Stunde, was bei Radarmessungen noch innerhalb der Sicherheitsmarge liegen würde.

Kinder auf Fussgängerstreifen

Initiiert hat die Geschwindigkeitsmessung Josef Schönenberger, Gemeinderat von Lommis, der direkt neben der Schule wohnt: «Ich wundere mich immer wieder, wie schnell dort gefahren wird», sagt er. Die Messungen seien bewusst vor jenem Fussgängerstreifen aufgestellt worden, wo die Kinder aus Weingarten und von der Mühle täglich die Strasse auf ihrem Schulweg überqueren.

Obwohl fast drei Viertel der Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs waren, ist das laut Schönenberger «eigentlich nicht dramatisch». Was dem Gemeinderat allerdings Sorge bereitet, sind die massiven Tempoüberschreitungen. «Auch bei Tag, zu Zeiten, an denen Schüler noch unterwegs sind, sind Geschwindigkeiten von rund 90 Kilometern gemessen worden. Passiert mal etwas Unvorhergesehenes, dann können die Fahrer bei so hohen Tempi nicht mehr reagieren.»

Trotz den vielen Tempoüberschreitungen erachtet Schönenberger bauliche Massnahmen, wie etwa eine Schwelle, nicht als notwendig. Eine bessere Kennzeichnung sei aber wünschenswert. «Ein auf die Strasse gemaltes Warndreieck, welches die Fahrer vor allfälligen Kindern auf der Strasse warnen würde, würde ich sehr begrüssen», sagt Schönenberger. Zurzeit ist eine Tafel an einem Kandelaber das einzige Warnsignal.

Zudem erhofft sich der Gemeinderat, dass zum Schulanfang im August die «Speedies» wieder aufgestellt werden. Denn während der zwei Monate Tempomessung habe sich einiges verbessert, sagt Schönenberger.

Diese Einschätzung wird von den Zahlen der Kantonspolizei bestätigt: Die durchschnittliche Einfahrtgeschwindigkeit bei den Messungen beträgt 52, die Ausfahrtgeschwindigkeit 49 km/h. Diese zeige, dass viele Verkehrsteilnehmer «unbewusst zu schnell unterwegs» seien und ihr Tempo drosselten, sobald sie dies bemerkten, schreibt die Kantonspolizei. Wenig Wirkung hätten die Anzeigen allerdings bei jenen Lenkern, welche mit Absicht zu schnell unterwegs sind.

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