Tempo 40 als Thurgauer Novum

Beim Stimmvolk ist im November 2011 das Projekt Sanierung Hauptstrasse Basadingen abgeblitzt. Jetzt wurde ein bereinigter Konzeptentwurf vorgelegt. Geplant ist auch ein Tempo-40-Bereich.

Margrith Pfister-Kübler
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In der Kernzone Basadingens soll es einen 400 Meter langen Bereich geben, in dem Tempo 40 gilt. (Bild: Visualisierung F. Preisig AG)

In der Kernzone Basadingens soll es einen 400 Meter langen Bereich geben, in dem Tempo 40 gilt. (Bild: Visualisierung F. Preisig AG)

BASADINGEN. «Ist das ein Kunstwerk oder eine Autobahn», witzeln zwei Männer beim Blick auf die aufgehängten Pläne im Untergeschoss der Turnhalle Basadingen am Dienstagabend. Zufrieden blickt Gemeindeammann Peter Mathys in den vollbesetzten Saal: «Mehr Leute als an einer Gemeindeversammlung.» Der Orientierungsabend über das neue Verkehrs- und Gestaltungskonzept der Ortsdurchfahrt von Basadingen, organisiert vom Gemeinderat Basadingen-Schlattingen und dem Kantonalen Tiefbauamt, zeigt Magnetwirkung. Das erste Projekt wurde im November 2011 vom Stimmvolk abgeschmettert. Bauherr ist der Kanton, ein Drittel der Kosten muss aber von der Gemeinde aufgebracht werden.

1999 war die geplante Sanierung verschoben worden, weil der Zusammenschluss der Gemeinden und die Erneuerung der Wasserleitung anstand, sagte Mathys. Man behalf sich mit einem Mikro-Kaltbelag, der rund zehn Jahre hält. 2009 packte das kantonale Tiefbauamt das Sanierungsprojekt erneut an, denn der Wunsch nach Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt Basadingen drängte. 2500 Fahrzeuge pro Tag fahren durchs Dorf, davon sind zwölf Prozent Lastwagen, was als sehr hoher Anteil gilt. Das vorgelegte Ausbauprojekt fand aber keine Mehrheit und wurde an der Gemeindeversammlung 2011 zurückgewiesen.

Optische Einengungen

Die Gemeindebehörde und das kantonale Tiefbauamt suchten erneut das Gespräch mit den Einwohnern. «2012 haben wir einen Neustart mit einem Workshop gemacht und Ideen gesammelt», sagte Mathys. Die jetzt ausgearbeitete Bestvariante ist «eine komplexe Angelegenheit. Jede Lösung ist ein Kompromiss», sagte Franz Ulmann, kantonaler Leiter Strassenbau. «Wir sind noch nicht am Ziel, es braucht noch ein Bauprojekt, und dann geht es noch um die Kosten.» Im Vordergrund stehen die Verbesserung des Dorfbildes, die Erhöhung der Sicherheit im Strassenraum (insbesondere für Velo und Fussgänger) und die Reduktion der Geschwindigkeit und damit verbunden des Lärms und damit Erhöhung der Wohnqualität.

Projektleiter Gasser stellte nicht nur Pläne vor, sondern zeigte mit Bildern und einem Film auf, wie die Ortsdurchfahrt durch Linienführung, Inselelemente, Bepflanzung und Materialisierung optische Einengungen bekommt. In Abschnitten wird die Geschwindigkeit mit 40, 50 und 60 Stundenkilometer signalisiert. Im 40er-Bereich – circa 400 Meter lang – gäbe es keine Mittellinie, und so würden die Autofahrer automatisch das Tempo herunterschalten. Gasser präzisierte: «es ist keine Zone» – sondern ein 40er-Bereich, der übrigens im Thurgau ein Novum wäre. Optische Einengungen führen zu reduzierter Geschwindigkeit.

Baubeginn 2016

In der rege geführten Diskussion gab vor allem der Bereich beim Beda-Beck (ausgangs Dorf Richtung Diessenhofen) Anlass zur Kritik punkto Sicherheit. Nicht verstanden wurde, dass der Fussgängerstreifen beim Beda-Beck weg soll.

Das abgelehnte Projekt war mit 2,8 Millionen berechnet. Das neue Projekt liegt bereits bei rund 3 Millionen. 28 Prozent der Kosten muss die Gemeinde übernehmen; der Rest wird vom Kanton bezahlt, der auch Bauherr ist.

Die Ausarbeitung des Bauprojekts soll bis Frühling 2014 vorliegen. Die Gemeindeversammlung mit Kreditvorlage ist auf den Sommer 2014 geplant. Läuft alles positiv, inklusive kantonale Budgetplanung, könnte 2016 mit dem Baubeginn gerechnet werden.