Tempo-30-Tafel wirkt oft nicht genug

FRAUENFELD. Nur gut die Hälfte der kontrollierten Tempo-30-Zonen erreicht die anvisierte Geschwindigkeitsreduktion auch wirklich. Allerdings haben die Gemeinden für viele 30er-Strassen dem Kanton nicht einmal die geforderten Messergebnisse geliefert.

Christof Widmer
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Ob Tempo-30-Zonen (hier in Weinfelden) etwas bringen, müssen die Gemeinden überprüfen. (Bild: Andrea Stalder)

Ob Tempo-30-Zonen (hier in Weinfelden) etwas bringen, müssen die Gemeinden überprüfen. (Bild: Andrea Stalder)

Auf 264 Gemeindestrassen im Thurgau gibt es Tempo-30-Zonen. 44 der 80 Gemeinden haben diese Massnahme zur Verkehrsberuhigung inzwischen eingeführt. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Zusammenstellung des Kantons hervor. Wo Tempo 30 anstelle von Tempo 50 eingeführt worden ist, sind die Autofahrer noch lange nicht mit 30 unterwegs. Zum vornherein peilt der Kanton für diese Strassen an, dass 85 Prozent der Autofahrer höchstens 38 Kilometer pro Stunde fahren. Selbst dieser Wert wird bei weitem, nicht überall erreicht.

In etwas über der Hälfte der Zonen, zu denen Messergebnisse vorliegen, wurde das Ziel zwar auf Anhieb eingehalten. Im Rest der Fälle liegen höhere Werte vor. Zum Teil liegt der Wert bei 48 Kilometer pro Stunde. Die überwiegende Mehrheit der Autofahrer sind dort also statt mit höchstens 38 mit höchstens 48 Kilometer pro Stunde unterwegs. «Verglichen mit dem vorherigen Tempolimit 50 wird aber überall langsamer gefahren», sagt Andy Heller, Chef des kantonalen Tiefbauamts.

Gemeinden in der Pflicht

Allerdings liegen dem Kanton für 145 der 264 Tempo-30-Zonen gar keine Messergebnisse vor. Die Gemeinden müssten eigentlich spätestens ein Jahr nach Einführung einer solchen Zone deren Wirkung überprüfen. So fordern es eine eidgenössische Verordnung und auch der Kanton, wenn er einer Gemeinde die Bewilligung für diese Tempobeschränkung erteilt. Will eine Gemeinde Tempo 30 einführen, braucht sie dafür das Einverständnis des Kantons.

«In der Pflicht sind die Gemeinden», sagt Heller. Wenn der Zielwert überschritten ist, müssten sie dem Kanton darlegen, was sei zu tun gedenken, damit er eingehalten wird. Sie könnten zum Beispiel Schwellen einbauen, einzelne Stellen mit Markierungen und Trögen verengen oder Parkfelder einzeichnen. Die Gemeinden zu etwas zu zwingen, sei schwierig, sagt Heller.

Tempo 30 nach Gutdünken?

Der Kanton hat die Zahlen mit der Beantwortung einer Einfachen Anfrage von FDP-Kantonsrat Max Möckli (Schlatt) veröffentlicht. Möckli wollte wissen, was Tempo-30-Zonen bringen. Er habe die Einfache Anfrage eingereicht, weil er den Eindruck habe, dass Tempo-30-Zonen planlos nach dem Gutdünken einzelner Gemeinderäte eingeführt werden, sagt Möckli. Er wolle die Antwort der Regierung nun genau studieren und behalte sich weitere Schritte vor.

Die Fragen Möcklis, welche Auswirkungen von Tempo 30 auf die Unfallhäufigkeit, die Lärmbelastung oder die Abgaswerte haben, konnte der Regierungsrat nicht auf den Thurgau bezogen beantworten. Generell sei es aber so, dass mit einer Temporeduktion auch die Lärmbelastung zurückgehe. Die Reduktion des Schadstoffausstosses dürften demnach aber gering sein.