Tele Top schliesst Regionalfenster

Klammheimlich hat der Regionalsender Tele Top sein Sendefenster für Nachrichten aus dem Thurgau eingestellt. Er darf das, weil der Bund die Konzessionsauflagen für den aus Gebührengeldern mitfinanzierten Sender gelockert hat. Der Kanton ist nicht erfreut.

Christof Widmer
Drucken
Teilen
Eine Tele-Top-Mitarbeiterin macht Aufnahmen für einen Beitrag. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine Tele-Top-Mitarbeiterin macht Aufnahmen für einen Beitrag. (Bild: Hanspeter Schiess)

FRAUENFELD. Der TV-Sender Tele Top nutzt die gelockerten Auflagen des Bundes rasch. Seit Anfang Jahr sendet er keine Regionalfenster mehr. Damit fällt die tägliche Thurgauer News-Sendung mit zwei Hauptbeiträgen und einem Nachrichtenblock weg. Erst im November hatte das Bundesamt für Kommunikation die Konzessionsauflagen für die TV-Station entschärft und ihr erlaubt, die separaten Regionalfenster für den Thurgau, Schaffhausen und Zürich fallenzulassen. Für diese Kantone hat Tele Top eine Konzession mit Leistungsauftrag des Bundes und erhält jährlich 1,9 Millionen Franken aus den Gebührengeldern, die alle TV-Nutzer in der Schweiz zahlen müssen.

Volumen wird reduziert

Das zeitliche regionale Nachrichtenvolumen wird durch die Massnahme reduziert, wie Top-Medien-Geschäftsführer Günter Heuberger einräumt. Die Zusammenlegung der Nachrichten aus den drei Regionen hat nämlich nicht zur Folge, dass die neue Newssendung dreimal so lange dauert. «Die qualitative Leistung muss die gleiche sein wie bis anhin», sagt Heuberger. Die Reduktion finde nicht bei den Hard News aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport statt, sondern bei den Soft News. Das sind Unglücksfälle, Verbrechen und der Boulevard.

Die Zusammenlegung der Sendefenster führe zu keinem Personalabbau, sagt Heuberger. Der Produktionsdruck für die Mitarbeiter habe deutlich gesenkt werden können.

Mit 1,9 Millionen Franken sei Tele Top jener Sender, der am wenigsten Gebührengelder erhalte, sagt Heuberger. «Selbst wenn wir mehr Geld erhalten hätten, wären die Regionalfenster aufgehoben worden.» Kabelnetzbetreiber müssten ab diesem Jahr pro Regionalsender nur noch ein Programm verbreiten.

Befürchtungen im Thurgau

Über die Schliessung des Regionalfensters ist der Thurgauer Regierungsrat nicht erfreut. Der Kanton habe dazu bereits Gespräche mit den Top-Verantwortlichen geführt, sagt Walter Hofstetter, Leiter des kantonalen Informationsdienstes. «Unsere Befürchtung ist, dass Thurgau-Themen verdrängt werden, wenn Tele Top keine Verpflichtung zu kantonalen Sendefenstern mehr hat.» Wenn es für die Kantone Thurgau, Schaffhausen und Zürich eine einzige News-Sendung gebe, drohten die Nachrichten aus dem Thurgau und aus Schaffhausen von jenen aus Zürich an den Rand gedrückt zu werden.

Aus Sicht des Regierungsrats sind Radio und Tele Top für den Kanton wichtige Nachrichtensender. Neben der Thurgauer Zeitung seien die Top-Medien die einzigen, die bisher täglich über den Thurgau berichtet haben. Darum hat sich die Regierung vehement gegen die Lockerung der Konzessionsauflagen gewehrt. Die Konzession für Tele Top laufe bis 2019. «Jetzt wurden mitten im Spiel die Regeln geändert», bemängelt Hofstetter. Technisch wäre es möglich gewesen, die Sendefenster aufrechtzuerhalten.

Laut dem Mediendienst «Klein Report» hat Tele Top das Gesuch um die Konzessionsänderung Anfang letztes Jahr vor allem aus finanziellen Gründen gestellt. Zuletzt kam das Regionalfenster in die Schlagzeilen, als letztes Jahr Cablecom in einigen Thurgauer Gemeinden das Zürcher statt das Thurgauer Regionalfenster aufschaltete.

Aktuelle Nachrichten