TECHNOLOGIE: Angewandte Forschung für KMU

Kleinere Unternehmen nutzen die Dienste des Thurgauer Instituts für Werkstoffsystemtechnik eher ­selten. Am kantonalen Technologietag heute haben beide Seiten die Möglichkeit, sich besser kennen zu lernen.

Martin Sinzig
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Stahl ersetzt Nylon: Das Fishfarming-Projekt ebnete der Romanshorner Geobrugg AG den Weg in neue Märkte. (Bilder: Reto Martin)

Stahl ersetzt Nylon: Das Fishfarming-Projekt ebnete der Romanshorner Geobrugg AG den Weg in neue Märkte. (Bilder: Reto Martin)

Martin Sinzig

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Im Offshore-Fish-Farming hat das Romanshorner Unternehmen Geobrugg neue Märkte für seine Netztechnologie gefunden. Die weltweit bewährten Steinschlagnetze wurden zu diesem Zweck weiterentwickelt, in enger Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Institut für Werkstoffsystemtechnik (WITG) in Tägerwilen.

Die technisch zu lösenden Fragen ergaben ein so grosses Programm, dass daraus ein mehrjähriges, von der Kommission für Technik und Innovation (KTI) des Bundes gefördertes Projekt wurde. Den Schritt von der Theorie zur Praxis skizziert der operative Leiter des WITG, Torsten Bogatzky, am heutigen Thurgauer Technologietag.

Torsten Bogatzky, Projekte dieser Grössenordnung sind im WITG nicht die Regel, oder?

Richtig. Ein KTI-Projekt ist die Krönung einer erfolgreichen Zusammenarbeit, denn meist lernen wir die Unternehmen bei einfacheren Fragestellungen kennen. Ausgangspunkte sind oft Schadensanalysen oder einfache Prüftätigkeiten. Unser Ziel ist aber immer, Industriepartnern einen weitreichenden Nutzen zu geben.

Etwa im Sinn der Werkstoffoptimierung?

Ja, wenn zum Beispiel ein Werkzeug versagt, erforschen wir die Ursachen und stellen fest, dass nicht der optimale Werkstoff verwendet oder dass dieser nicht optimal wärmebehandelt wurde. Dann geben wir entsprechende Empfehlungen ab oder suchen zusammen mit dem Kunden und dem Lieferanten nach einer Prozessoptimierung, damit der Werkstoff den Erwartungen des Anwenders entspricht.

Das 2002 gegründete WITG zählt Kunden aus der ganzen Schweiz und aus dem deutschen Raum. Im Kanton kennt man das Thurgauer Institut aber kaum.

Uns überrascht es auch immer wieder, dass nach 15 Jahren der eine oder andere Thurgauer Unternehmer noch nichts von uns gehört hat. Das liegt vielleicht an der Arbeitsweise der KMU, die oft aus eigener Regie Entwicklung betreiben und eher dazu neigen, dies ohne fremde Hilfe von aussen zu machen.

Scheuen Unternehmen die Kosten?

Auch interne Entwicklungsarbeit kostet Geld. KMU, die mit einer Idee rausgehen, befürchten wohl eher, dass diese schlimmstenfalls der Konkurrenz zugespielt werden könnte. Das Arbeiten im Werkstoffbereich ist in der Tat hoch sensibel. Dessen sind sich alle Mitarbeitenden des WITG bewusst, und entsprechend sind wir alle zur Verschwiegenheit verpflichtet. Voraussetzung ist ein Vertrauensverhältnis, das mit jenem zwischen Arzt und Patienten vergleichbar ist.

Das WITG wird von einer kantonalen Stiftung getragen. Wer steckt dahinter?

Die Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung ist beim Amt für Mittel- und Hochschulen angesiedelt und betreibt zusammen mit Konstanzer Hochschulen insgesamt drei Institute. In unserem Fall ist der sogenannte Technologietransfer zur Wirtschaft gewünscht, und gleichzeitig soll den KMU in der Region auch der Zutritt zur Konstanzer Hochschullandschaft eröffnet werden.

In welche Richtung entwickelt sich das WITG?

Wir hoffen, auch in Zukunft interessante KTI-Projekte bearbeiten zu dürfen. Dafür möchten wir unsere wissenschaftliche Arbeitsgruppe stärken, um erfolgreiche KMU zu unterstützen. Angewandte Forschung soll dazu beitragen, dass in Nischen erfolgreiche KMU sich weiterentwickeln und neue Märkte erschliessen.