Tausende auf der schwarzen Liste

Über 5000 Thurgauer mit einem Leistungsaufschub der Krankenkassen sind aktuell im kantonalen Datenpool erfasst. Und es werden seit dem Start vor einem Jahr immer mehr. Die Wachstumskurve flacht aber zunehmend ab.

Markus Schoch
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weinfelden. An der Thurgauer Konferenz für öffentliche Sozialhilfe vom Mittwoch sind erstmals Details zur Datenbank, die im November des letzten Jahres in Betrieb ging, bekannt geworden. Eingetragen sind Personen, die von den Krankenkassen mit einem Leistungsstop belegt sind, weil sie ihre Prämienrechnung nicht mehr gezahlt haben und deshalb nur noch im Notfall behandelt werden.

Über die Einzelheiten informierte die Fürsorger Susanna Schuppisser Fessler, die Chefin des kantonalen Gesundheitsamtes.

Datenbank wächst weiter

Per Ende Oktober waren 5085 Personen im Datenpool eingetragen, was rund 2,1 Prozent der Wohnbevölkerung entspricht. 102 von ihnen sind gemäss Schuppisser Fessler sogar mit zwei oder drei Leistungsaufschüben belegt.

Die Betroffenen suchen tendenziell die Anonymität von Städten, wie die Verteilung nach Grösse des Wohnortes zeigt. Während in Dörfern mit weniger als 1000 Einwohnern 9,1 pro 1000 Personen mit einem Leistungsstop leben, sind es in Städten ab 10 000 Einwohnern 31 oder insgesamt 2012.

Die Datenbank wächst noch immer, wenn auch immer langsamer, wie die von Schuppisser Fessler präsentierten Zahlen zeigen. Im dritten Quartal dieses Jahres kamen 331 Personen dazu, in den ersten drei Monaten waren es noch 570 gewesen.

Seit dem Start der Datenbank wurden 1191 Personen gelöscht. Durchschnittlich waren sie 4,5 Monate eingetragen; ein Drittel verblieb nur einen Monat. «Es gibt aber auch recht viele, die von Anfang an im System sind», sagte Schuppisser Fessler.

Nach Aussage von Spitälern und Ärzten würden verhältnismässig viele der säumigen Prämienzahler wieder beginnen, die Rechnungen zu begleichen, wenn ein Spitalaufenthalt bevorstehe.

Bald überflüssig?

Ob es den Datenpool auch in Zukunft noch braucht, ist ungewiss. Denn die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) und der Krankenversichererverband Santésuisse haben sich kürzlich auf eine Lösung des Problems der offenen Rechnungen geeinigt (Tagblatt vom 8. November). Danach übernehmen die Kantone pauschal 85 Prozent der ausstehenden und mittels Verlustschein belegten Forderungen. Ein Leistungsstop entfällt damit. Am Zug sei jetzt das Parlament, sagte Schuppisser Fessler. Die Finanzierung im Detail müsse noch ausgehandelt werden. Das Ziel von Regierungsrat Bernhard Koch sei es, die Gemeinden nicht stärker zu belasten als heute. Um welche Beträge es im Thurgau geht, konnte die Amtschefin nicht sagen.

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