Tarifkürzungen drücken die Lohnrunde

Von Seiten der Personalvertreter wird die Lohnpolitik der Spital Thurgau AG heftig kritisiert (TZ von gestern). Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG, rechtfertigt die tief angesetzte Lohnrunde mit Tarifsenkungen bei den Spitälern und gekürzte Beiträge an Ausbildungen.

Merken
Drucken
Teilen
Marc Kohler CEO der Spital Thurgau AG (Bild: Reto Martin)

Marc Kohler CEO der Spital Thurgau AG (Bild: Reto Martin)

Von Seiten der Personalvertreter wird die Lohnpolitik der Spital Thurgau AG heftig kritisiert (TZ von gestern). Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG, rechtfertigt die tief angesetzte Lohnrunde mit Tarifsenkungen bei den Spitälern und gekürzte Beiträge an Ausbildungen.

Herr Kohler, wieso wurde trotz des guten Geschäftsergebnisses der Spital Thurgau AG für 2015 die Lohnerhöhung mit nur 0,5 Prozent individuell und 0,1 Prozent für Leistungsprämien tief angesetzt?

Das Gesundheitswesen in der Schweiz ist unter finanziellem Druck. Die Krankenkassen-Prämienerhöhungen werden ja immer sehr kritisch kommentiert. Zudem fehlen uns nächstes Jahr fünf Millionen Franken Ertrag respektive Ergebnis, bei gleicher Leistung. Gründe dafür sind die Tarifsenkungen im ambulanten Bereich, wo Bundesrat Berset entschieden hat, die Tariferhöhungen für die Hausärzte von 200 Millionen Franken via Senkungen zu kompensieren, welche mehrheitlich die Spitäler treffen. Zudem wurde auch die finanzielle Unterstützung für die Ausbildung von Assistenzärzten deutlich gekürzt. Diese fünf Millionen Franken sind letztlich der Grund, weshalb wir bei den Löhnen nicht mehr Spielraum haben.

Die Personalverbände befürchten einen zunehmenden Fachkräftemangel, weil in den umliegenden Kantonen angeblich bessere Löhne bezahlt werden. Wie gross schätzen Sie diese Gefahr ein?

Mit den beschlossenen Lohnerhöhungen liegen wir über dem Kanton St. Gallen und auch mindestens auf dem Niveau des Kantons Zürich. Der Bund liegt ebenfalls deutlich unter unseren Anpassungen, viele weitere Branchen ebenfalls. Damit bleiben wir konkurrenzfähig.

Mitarbeiter könnten die tief angesetzten Lohnerhöhungen als Provokation erachten, wenn sie an die 280 Millionen teure Baustelle denken, die ihnen aufgrund von Lärm und Staub allenfalls eine Mehrbelastung beschert.

Die Attraktivität von Arbeitsplätzen wird durch viele Faktoren beeinflusst, die wichtigsten sind die Arbeitsinhalte, das Team, die Infrastruktur und erst dann folgen die Löhne respektive die Lohnentwicklung. Das bestätigen zahlreiche Umfragen, auch in der Spital Thurgau. Wir investieren gleichmässig in alle Faktoren.

Die Ursache für die Lohnrunde 2015 liegt in den Tarifkürzungen. (sme.)