Tapetenwechsel gegen Langeweile

Ein Verein bietet älteren Menschen und Personen mit einer Beeinträchtigung Tagesstruktur und Betreuung an. So werden Angehörige entlastet. Das Tageszentrum und Atelier ist ab dem 3. Juli offen.

Mathias Frei
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Aktuell ist am Schwalbenweg 1 noch ein Umbau im Gange. Bei Vereinspräsidentin Christine Courti und Projektleiterin Barbara Sterkman ist die Vorfreude auf das zukünftige Tageszentrum aber schon gross. (Bild: Andrea Stalder)

Aktuell ist am Schwalbenweg 1 noch ein Umbau im Gange. Bei Vereinspräsidentin Christine Courti und Projektleiterin Barbara Sterkman ist die Vorfreude auf das zukünftige Tageszentrum aber schon gross. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Vor zwei Monaten spielten hier noch Kinder, bald öffnet gleichenorts ein Tageszentrum für ältere Menschen. Der Tapetenwechsel: ein Ort wie daheim, ein Ort, der seinen Gästen Abwechslung bietet und der Langeweile vorbeugt. Ein gleichnamiger Verein baut am Schwalbenweg 1, wo früher die Kita Bärenhöhle daheim war, schräg gegenüber des Stadtgartens ein professionelles Tagesangebot auf. Ab Montag, 3. Juli, ist der Tapetenwechsel werktags von 7.30 bis 17.30 Uhr offen.

Das siebenköpfige Team steht bereits. Es besteht aus Fachfrauen aus den Bereichen Pflege (auch psychiatrisch), Kunsttherapie, Betreuung und Hauswirtschaft in der Person einer Bäckerin respektive Konditorin. Anmeldungen sind bereits möglich. Die Räumlichkeiten werden derzeit aber noch umgebaut.

Ein halber Tag pro Woche oder auch fünf ganze

«Grundsätzlich ist bei uns jedermann willkommen», sagt Barbara Sterkman. Sie ist Kopf und Herz, Projektleiterin des Tapetenwechsels und leitet das Angebot inskünftig. «Wir sind aber primär ein Altersangebot.» Der Fokus liege auf älteren Menschen und Personen mit einer Beeinträchtigung oder Krankheit. Einerseits gehe es darum, die betreuenden Angehörigen zu entlasten. Das könne ein halber Tag pro Woche sein oder auch fünf ganze Tage. Andererseits soll es auch für die betreuten Personen selber einen Mehrwert darstellen, in einer Gruppe von Leuten einen Tag gemeinsam zu gestalten und zu erleben.

Projektleiterin Sterkman lernte den Wert dieses gemeinsame Moments bereits in ihrer Kindheit kennen. Sie wuchs in einer Wohngenossenschaft auf. «Individuelle Bedürfnisse dürfen zu Gunsten der Gemeinschaft auch mal in den Hintergrund rücken.» Deshalb hatte Sterkman schon länger die Idee eines offenen Hauses im Kopf. «Wo man den ganzen Tag verbringen und verschiedene Angebote in Anspruch nehmen kann, wenn man will.» Vor zwei Jahren dann bestärkte sie eine Arbeitskollegin, diese Idee in die Tat umzusetzen. Ein Trägerverein mit Non-Profit-Hintergrund wurde vergangenen Herbst gegründet. «Der Vorstand zeichnet sich durch die gute Mischung aus Personen aus», sagt Christine Courti. Sie steht dem Verein als Präsidentin vor. Die ärztliche Komponente ist mit Rheumatologe Martin Oehri vertreten, daneben sitzen unter anderem Regierungsrätin Cornelia Komposch und der neue Stadtgarten-Leiter Hansjörg Strasser im Gremium.

Alles kann, nichts muss

Im Tapetenwechsel ist vieles möglich. «Wir passen uns den Bedürfnissen unserer Gäste an», sagt Sterkman. Grundsätzlich geht es darum, den Alltag aktiv und in Gesellschaft zu bestreiten. Man kann miteinander einfach nur reden, dazu Kaffee oder Tee trinken. Es gibt aber auch einen Garten, wo man sich bei Kräutern einbringen kann, gemeinsames Kochen ist möglich, natürlich auch gemeinsames Essen. Die einen lesen, die anderen machen Spiele, und die dritten machen ein Nickerchen. Ein wichtiger Bestandteil des Tapetenwechsels ist das Atelier, wo man sich künstlerisch und handwerklich betätigen kann. Durch das Fachpersonal sind auch pflegerische Dienstleistungen, Diäten und Medikamentenabgabe möglich.

Der Tapetenwechsel ist natürlich komplett rollstuhlgängig und bietet Platz für maximal 18 Personen. Ziel ist ein selbstragender Betrieb. Ein Tag kostet 95 Franken. «Uns ist wichtig, dass das Angebot günstig ist, für möglichst alle erschwinglich», sagt Sterkman. Die Anschub- finanzierung haben Stiftungen und Spender übernommen. Gerne dürften interessierte Personen selber Kontakt aufnehmen mit der Tapetenwechsel-Leitung. Courti geht aber davon aus, dass vor allem von Hausärzten Zuweisungen stattfinden. So oder so würden mit Interessierten ausführliche Aufnahmegespräche geführt. Und langfristig ziele man auf eine gewisse Regelmässigkeit bei der Belegung ab.

Tapetenwechsel Tageszentrum und Atelier: Schwalbenweg 1, tapetenwechsel-frauenfeld.ch Anmeldung per E-Mail oder telefonisch (078 614 18 47 oder 079 507 36 53). Eröffnung am Samstag, 1.Juli, 13 bis 17 Uhr, mit Ansprachen, Rundgängen, Kaffee, Kuchen.