Tango, keine Frauen, aber viel Arbeit

Unbemerkt vom Matinee-Publikum tanzt im Gang ein Paar zum Tango. Das Trio Vagón Tango spielt noch ein letztes Stück und dann noch eins. Es ist spätsommerlich warm. Samstagmittag, Matinee in der Villa Sträuli in Winterthur. Samstagabend: Theater in Weinfelden. Sonntag: dito.

Mathias Frei
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Kleine Vesper: Anette Kuhn (Regie), Martin Savastano (Akkordeon), Agustin Sanchez Parisi (Geige), Markus Keller (musikalische Leitung) und Leandro Otranto (Gitarre). (Bild: Mathias Frei)

Kleine Vesper: Anette Kuhn (Regie), Martin Savastano (Akkordeon), Agustin Sanchez Parisi (Geige), Markus Keller (musikalische Leitung) und Leandro Otranto (Gitarre). (Bild: Mathias Frei)

Unbemerkt vom Matinee-Publikum tanzt im Gang ein Paar zum Tango. Das Trio Vagón Tango spielt noch ein letztes Stück und dann noch eins. Es ist spätsommerlich warm. Samstagmittag, Matinee in der Villa Sträuli in Winterthur. Samstagabend: Theater in Weinfelden. Sonntag: dito. Montag: Umzug nach Uesslingen. Ab Dienstag fünf Tage lange Konzerte und Theater im Eisenwerk in Frauenfeld. In Buenos Aires beginnen Matineen nicht vor 14 Uhr.

Tanzen, bis der Morgen graut

In Buenos Aires beginnen Milongas, Tango-Tanzveranstaltungen, nachts um 1 Uhr. Getanzt wird bis 5 Uhr morgens oder noch länger.

Vor einer Woche setzten Leandro Otranto, Agustin Sanchez Parisi und Martin Savastano in Zürich-Kloten auf. Otranto kam beim Zoll glatt durch, die anderen zwei blieben hängen – obwohl alle Dokumente natürlich stimmten. Und abends stand schon die erste Probe an. Alle drei sind um die dreissig, in ihrer Heimat Buenos Aires sind sie Musiklehrer, Lehrer und Kindererzieher. In Europa sind sie zum erstenmal. Die Schaffhauser Regisseurin und Schauspielerin Anette Kuhn hat das Trio eingeladen für ihr Theaterstück «Asi es», das auch in Frauenfeld gezeigt wird (siehe Kasten). Daneben spielen die drei Argentinier Konzerte. Sechs Konzerte, elf Theateraufführungen, viele Proben.

Bei Freunden in Uesslingen

Und nun kommt das Trio Vagón Tango für eine Woche nach Frauenfeld. In Uesslingen übernachten sie bei Freunden von Markus Keller, dem musikalischen Leiter von «Asi es». Keller ist nicht nur die eine Hälfte von KellerSchuran, sondern auch Schauspieler und Musiker. Und Keller ist eine Art Tourmanager für die drei Argentinier.

Anette Kuhn war auch schon in Buenos Aires, «Asi es» feierte dort Vorpremiere. Sie hat Otranto, Parisi und Savastano vorgewarnt, es werde kalt sein in der Schweiz, sie müssten viel arbeiten in den vier Wochen. Und vor allem: Finger weg von Schweizer Frauen! «Don't touch.» Und das in Frauenfeld. Der anstrengende Zeitplan hat sich bewahrheitet. Aber das mit dem Wetter hat nicht gestimmt. Und nun fragen sich die drei Argentinier natürlich, wie sie es mit den Frauen in Frauenfeld handhaben sollen. Heimlifeiss sind die drei, wie sie so charmant-verschmitzt in die Herbstsonne lachen.

Sie haben auf Google-Maps nachgeschaut, wo sie wohnen werden, in Uesslingen. Aber dass es im Thurgau im Herbst oft neblig ist, das wussten sie bislang nicht. Aber das passe doch ganz gut zur melancholischen Seite des Tango, meint Parisi. Und dann erzählen die drei, dass Tango eigentlich gar nicht traurig sei. Dass beim Transfer nach Europa nur das Schwere des Tango übrig geblieben sei. Sie erzählen von den fröhlichen, ausschweifenden Geschichten, die der Tango erzählt, die sich nachts in den Strassen Buenos Aires' ereignen.

Der Geiger ist der Chef

Das Trio Vagón Tango ist kein typisches Tango-Trio, denn Gitarre und Akkordeon sehe man selten in solchen Besetzungen. Nur die Geige ist ein übliches Tango-Instrument. Deshalb sei er auch die wichtigste Person der Gruppe, meint Geiger Parisi. Er lacht. Das Lachen der drei Argentinier ist ansteckend.

Tango ist argentinische Volksmusik. Deshalb würden sie auch gerne Schweizer Volksmusiker kennenlernen, sagt Otranto. «Eine Stubete», flüstert ihm Markus Keller ein. Stubete. Otranto ist begeistert von diesem Wort. Und vom Wort Fondue. Obwohl er nicht weiss, was das ist. Savastano weiss dafür, dass er im Thurgau Schlösser anschauen will, wenn die Zeit dafür reicht. Und vielleicht noch einmal Geschwellti mit Käse essen. Das hat den drei Argentiniern bisher am besten geschmeckt.