TALENT: In der Königsklasse der Segler

Florian Trüb segelte diese Woche als einziger Deutschschweizer beim Youth America's Cup in Bermuda. Sein Team Tilt landete auf Platz drei. Segeln gelernt hat er beim Segel-Sport-Club Romanshorn.

Nina Ladina Kurz
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Der Segler Fabian Trüb erreichte mit seinem Team diese Woche den dritten Platz im Youth America’s Cup in Bermuda.

Der Segler Fabian Trüb erreichte mit seinem Team diese Woche den dritten Platz im Youth America’s Cup in Bermuda.

 

Eigentlich wollte Fabian Trüb Profihandballer bleiben. Aber eine Verletzung nahm ihn aus dem Spiel bei Pfadi Winterthur und aus dem Rennen um einen Platz in der Nationalmannschaft. Das war im Sommer 2012. Segler werden war nicht sein Plan.

«Aber mein Grossvater war schon Mitglied im Yachtclub Romanshorn. Ich bin da reingerutscht», sagt der heute 23-Jährige. Sein Talent zeigte sich schnell in guten Resultaten. 2014 wurde er deutscher Meister in der Kategorie Melges 24.

Und dann kam die Königsklasse

Ende 2015 kam der grosse Wechsel. Trüb folgte einer Ausschreibung von Swiss Sailing. Gesucht waren Mitglieder für das Westschweizer Boot Team Tilt, welches sich für den Red Bull Youth America’s Cup qualifiziert hatte. «Bei diesem Wettbewerb werden den Teams Zweirumpfboote zur Verfügung gestellt, sogenannte ‹Foil-Katamaran AC45 F›. Das ist die Königsklasse, da wollte ich hin», sagt Trüb.

15 Kandidaten wurden zur Selektion eingeladen. «Das Verfahren war hart», erinnert er sich: «Wir hatten über Wochen Einzel- und Gruppengespräche, mentale Belastungstests und wurden einem erschöpfenden Fitnesstest unterzogen. Ich kam wirklich an meine Grenzen.» Doch die Mühen zahlten sich aus: Er setzte sich als einziger Deutschschweizer durch.

Segeln ohne jeglichen Lohn

Seine sportlichen Erfolge mit Studium und Beruf zu vereinen, gelingt ihm nicht immer. Für seinen Traum vom Profisegler hat er sein Studium der Maschinentechnik am Technikum Winterthur auf Eis gelegt. Und dann ist da noch das Thema mit dem lieben Geld, Sponsoren sind schwierig zu finden. Ihm selbst sei zwar die öffentliche Wertschätzung nicht so wichtig, sagt er. Einzig für seine Eltern würde er es sich wünschen. «Sie sehen, wie hart ich dafür arbeite und wie schwierig es ist, davon zu leben.» Ohne die elterliche Unterstützung wäre das nicht möglich.

Diesbezüglich war die Aufnahme beim Team Tilt ein Befreiungsschlag. Die Segler erhalten zwar keinen Lohn, doch sind die hohen Kosten für Reise, Kost und Logis bezahlt. Seit September 2016 war das Team unentwegt unterwegs: Nach mehrwöchigem Training in Marseille folgte die erste Regatta an der prestigeträchtigen «Extreme Sailing Series» in Oman, bei der sie den guten fünften Platz holten. Im April flogen sie für mehrere Wochen nach Bermuda, um unter realen Bedingungen für den Youth America’s Cup zu trainieren. Freunde und Familie sieht der Nachwuchssegler selten. Aber Segeln sei seine Passion: «Ich will diese Sportart zu meinem Beruf machen.»

«Florian zählt zur neuen Generation von Seglern»

Für den Sportdirektor des Team Tilt ist der Winterthurer vor allem ein begabter Generalist: «Florian ist ein sehr gutes Beispiel für die neue Generation von Seglern. Er hat keinen Fokus auf eine bestimmte Position auf Deck, sondern ist vielseitig einsetzbar. Er ist ein sehr starker Athlet, professionell, fokussiert und ein sehr guter Teamplayer», sagt Tanguy Cariou. Die Rolle des Generalisten hat Florian Trüb aber auch den Platz bei der Finalrunde gekostet. «Segeln auf diesem Niveau ist wie das Führen eines Orchesters. Es gibt Situationen, in denen man ganz bestimmte Instrumente braucht», sagt Cariou. Tilt erreicht den angestrebten dritten Platz.

Er sei natürlich extrem enttäuscht gewesen über den Entscheid, sagt Trüb. Fertig ist für ihn aber noch lange nicht. Zurück in der Schweiz wird er an der Selektion für das «Volvo Ocean Race» teilnehmen, einer Regatta, die um die ganze Welt führt. Der Start der Regatta fällt im Herbst fast zeitlich mit dem Semesterbeginn zusammen. Es scheint, als ob Trüb seine Entscheidung bereits getroffen hat: «Ich will vom Segeln leben können, das ist mein Traum. Und dafür bin ich bereit alles zu geben.»