TAGUNG: «Wir stehen mitten in der Zukunft»

In Romanshorn wurde an der ersten Fachtagung Regiomove über die Mobilität der Zukunft diskutiert und welche Rolle Gemeinden, Kantone und Bund spielen werden.

Merken
Drucken
Teilen
Tagungsleiter Peter Masciadri mit David H. Bon, Präsident der gast­gebenden Stadt Romanshorn. (Bild: Barbara Hettich)

Tagungsleiter Peter Masciadri mit David H. Bon, Präsident der gast­gebenden Stadt Romanshorn. (Bild: Barbara Hettich)

Die Mobilität ist im Umbruch. ­Digitalisierung und Automatisierung werden unsere Lebensweise verändern. «Wir stehen bereits mitten in der Zukunft», erklärte Peter Masciadri, Leiter der ersten Fachtagung von Regiomove in Romanshorn. Dabei handelt es sich um eine Initiative von BFM (Büro für Mobilität) und «Engagement» (Förderfonds der Migros-Gruppe). Regiomove versteht sich als Impulsgeber und Know-how-Spritze für Gemeinden und Regionen, die mit Blick auf die Mobilität der Zukunft ihre Investitionen zukunftssicherer planen möchten.

Wie werden die Menschen also konkret in 15 Jahren unterwegs sein? Mit selbstfahrenden Elektroautos? Braucht es dann noch Bushaltestellen, weitere Strassen und Umfahrungen? Wie sollen die Gemeinden in den nächsten Jahren in die Verkehrs-Infrastruktur investieren? «Niemand kann sagen, wie die Zukunft tatsächlich einmal aussieht und welche Mobilität bei den Menschen Akzeptanz findet», sagte Peter Masciadri. In den ­Inputreferaten wurden aber mögliche Szenarien aufgezeigt. Christian Engeler vom Bundesamt für Raumentwicklung erklärte, welche Chancen der Bund sieht, und Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW School of Engineering sprach vom schnellen Ende der Strasse, wie wir sie heute kennen.

Viele Fragen zum zukünftigen Umgang

78 Tagungsteilnehmer, vornehmlich Mitarbeiter aus Gemeinden, Kantonen und Verbänden, diskutierten anschliessend in Workshops, wie man mit künftigen Mobilitätsprodukten umgehen und wie man als öffentliche Hand reagieren könnte. Ob es Förderprogramme brauche und ob eine Steuerung überhaupt möglich sei oder die Marktwirtschaft entscheide. Werden Mobility-Pricing und Mindestbesetzung von Autos künftig zum zentralen Thema?

Konkrete Antworten gab es keine, und am Podium war man sich einig: Noch wisse man nicht, inwieweit die Menschen bereit seien, neue Angebote zu nutzen. Die Frage stand im Raum, wie hoch der Leidensdruck werden müsse, damit der Mensch sein Mobilitätsverhalten hinterfrage. Also abwarten oder sich proaktiv einbringen? Das Chaos managen oder auf der Welle reiten? Eine Region hat sich jedenfalls entschlossen, sich mit Hilfe von ­Regiomove den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Die Agglo St. Gallen-Bodensee wird die erste Pilotregion der Schweiz.

Romanshorn ist nicht mit von der Partie

Romanshorn, gastgebende Stadt der ersten Fachtagung von Regiomove, wird bei der Pilotregion aber nicht dabei sein. «Dafür fehlt uns derzeit das Geld und wahrscheinlich auch die Akzeptanz der Bevölkerung», sagte Stadtpräsident David H. Bon. Er hat die Veranstaltung mit Interesse verfolgt und sein Fazit lautet: «Die grosse Kunst wird sein, bei anfallenden Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur die ganzheitliche Sichtweise auf die Mobilität der Zukunft nicht aus den Augen zu lassen, damit man sich für die Zukunft nichts verbaut.»

Barbara Hettich

thurgau@thurgauerzeitung.ch