Taggelder zu Recht gestrichen

Geht ein Arbeitsloser bei einer Bewerbung unsorgfältig vor, können Taggelder gestrichen werden. Das Bundesgericht schützt einen Entscheid aus dem Thurgau.

Urs-Peter Inderbitzin
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LUZERN. Ein Regionales Arbeitsvermittlungszentrum im Thurgau hatte einen Arbeitslosen angewiesen, sich um eine Stelle als Werkstattleiter zu bewerben. Die Bewerbung war innert drei Tagen vorzunehmen und konnte schriftlich oder elektronisch erfolgen. Noch innerhalb der in der Weisung gesetzten Frist sandte der Arbeitslose eine E-Mail an die angegebene Adresse. Er vertippte sich jedoch bei der Adresse und schrieb @buewin.ch statt @bluewin.ch. Fünf Tage später bemerkte der Arbeitslose den Fehler und sandte die Bewerbung noch einmal ab. Er hatte zuvor ein automatisch generiertes Mail erhalten, welches auf die fehlerhafte Adresse hingewiesen hatte.

18 statt 31 Taggelder gestrichen

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau strich dem Arbeitslosen daraufhin die Taggelder für 31 Tage. Es warf ihm vor, sich nicht weisungsgemäss um die von der zuständigen Personalberaterin angegebene Stelle beworben zu haben. Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau hob eine dagegen erhobene Beschwerde des Arbeitslosen gut und reduzierte die Dauer der Einstellung der Taggelder von 31 auf 18 Tage. Das Gericht qualifizierte das Verschulden – im Gegensatz zur Verwaltung – nicht als schwer, sondern lediglich als mittelschwer, zumal der Arbeitslose bisher ein tadelloses Verhalten an den Tag gelegt hatte.

Sorgfaltspflichten verletzt

Der sanktionierte Arbeitslose zog den Streit vors Bundesgericht und argumentierte, es liege kein qualifiziertes Fehlverhalten vor. Weder der Tippfehler noch der Zeitpunkt der Zustellung der zweiten Sendung vermöchten eine Haltung zu belegen, welche auf eine fehlende Absicht der Annahme der Stelle schliessen lasse. Ihm seien deshalb keine Taggelder zu streichen.

Die Richter der I. sozialrechtlichen Abteilung in Luzern haben die Beschwerde vollumfänglich abgewiesen. Denn die Streichung von Geldern ist bei jedem Verhalten zulässig, welches das Zustandekommen eines Arbeitsverhältnisses scheitern lässt. «Liederliche Bewerbungsunterlagen fallen dabei ebenso ins Gewicht wie Auftreten, Verhalten und Äusserungen der versicherten Person während des Bewerbungsgesprächs.» Im konkreten Fall hätte der Arbeitslose grössere Sorgfalt anwenden müssen und die Eingabe genau kontrollieren müssen. Zudem hätte er sich beim potenziellen Arbeitgeber nach dem Erhalt seiner Bewerbung erkundigen müssen. Weil er dies nicht getan hat, erweise sich die Kürzung der Taggelder im Umfange von 18 Tagen als angemessen.