TÄNIKON: Bessere Kontrollen, grössere Betriebe

Der Staat bezahlt Landwirte nicht für die Verseuchung des Trinkwassers, hingegen für ihre ökologischen Leistungen. Ein Agroscope-Forscher analysiert die Landwirtschaftspolitik.

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Der Referent trug rote Hosen. Vielleicht ging deswegen ein Zuhörer auf ihn los wie ein Stier auf das rote Tuch des Toreros. Der weisshaarige Zuhörer empörte sich über die 60000 Franken, die ein Schweizer Bauer pro Jahr durchschnittlich vom Staat bekommt. Dabei hatte der Referent, der Täniker Agrarökonom Stefan Mann, durchaus Vorbehalte gegenüber staatlichen Leistungen an die Landwirte geäussert. Befragt zum Thema Glyphosat sagte er beispielsweise: «Man kann nicht Trinkwasser verseuchen und gleichzeitig öffentliche Leistungen beziehen.» Wobei dies seine persönliche Meinung sei.

Rund 100 vorwiegend ältere Zuhörer waren am Dienstagabend im Hörsaal Refental in Tänikon erschienen. Angelockt wurden sie von einem öffentlichen Vortrag über die Frage, weshalb der Staat an Landwirte zahlt und das auch zukünftig tun soll. Im kurzen Referat von Stefan Mann war wenig zu hören, was als Antwort bezeichnet werden könnte. Die wichtigste Aussage kleidete der Agrarökonom in eine Negativformulierung: «Zahlungen für ökologische Leistungen sind nicht schwierig zu rechtfertigen.» Schwieriger zu erklären sei jedoch, weshalb Schweizer Bauern höhere Preise als EU-Bauern erzielen sollten. Die Stützung der Preise gehört ohnehin zu einer Landwirtschaftspolitik, von der die Schweiz und die EU in den neunziger Jahren abgekommen sind. Sie hatte zu den berühmten Butterbergen der EU geführt, auch zu Vernichtungsaktionen erstklassiger Landwirtschaftsprodukte wie Pfirsichen.

Bis 2004 erhielten die Bauern Beiträge pro Tier oder pro Hektar. Die Schwächen der seitdem praktizierten ökologisch orientierten Landwirtschaftspolitik sieht Mann in Vorgaben, die man nicht kontrollieren könne. So gebe es mehr Geld, wenn ein Tier über 80 Prozent Raufutter erhalte, oder wenn ein Ackerbauer auf den Einsatz eines Pflugs verzichte. Beides könne ein Kontrolleur nicht sehen.

Die Zukunft sieht Mann in der «verstärkten Outputorientierung». So könne die Artenvielfalt leicht geprüft werden: «Der Aufwand, um einmal im Jahr auf die Wiese zu gehen, ist nicht so gross.» Auch sei es dank neuer Messmethoden vermehrt möglich, Vorgaben für den Einsatz von Dünger und Schutzmittel zu erlassen. Schweizer Bauern könnten durch Betriebszusammenlegungen ihr Einkommen verbessern, wie Mann andeutete. Die durschnittliche Betriebsgrösse betrage in der Schweiz 19 Hektaren, in Baden-Württemberg 35 Hektaren. Doch offensichtlich ist der Druck nicht so gross, der auf den Schweizer Bauern lastet. Laut Mann verdienen sie «recht gut» und sie würden auch investieren. Ein Kollege von ihm sage, die Schweizer Bauern seien «hoffnungslos übermechanisiert».

Weiter ging es mit einem Referat über den früheren Besitzer von Kloster Tänikon, Andreas Rudolf von Planta, der als Erfinder der Direktzahlungen gilt.

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin

@thurgauerzeitung.ch

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