TÄGERWILEN: Tatverdächtiger wird an die Schweiz ausgeliefert

Der mutmassliche Mörder von Tägerwilen hat sich nicht gegen seine Auslieferung gewehrt. Die Polizei konnte den mutmasslichen Täter, einen 59-jährigen Mann, in Spanien verhaften.

Sebastian Keller
Merken
Drucken
Teilen
Der Fundort der toten Frau wurde weiträumig abgesperrt. (Bild: Maya Mussilier)

Der Fundort der toten Frau wurde weiträumig abgesperrt. (Bild: Maya Mussilier)

TÄGERWILEN. Am Donnerstag, 7.Juli, ist es soweit: Ein wegen vorsätzlicher Tötung verdächtigter Mann wird von Spanien an die Schweiz ausgeliefert. Das sagt Stefan Haffter, Sprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau, auf Anfrage. Am Tag nach der Auslieferung werde die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen mit der erstmaligen Einvernahme beginnen. Der Mann habe sich nicht gegen die Auslieferung gewehrt, sagt Haffter. Dies hätte zu Verzögerungen geführt. Die Staatsanwaltschaft werde nach der Einvernahme mit grosser Wahrscheinlichkeit beim Zwangsmassnahmengericht Thurgau für den Tatverdächtigen Untersuchungshaft beantragen. «Entweder stimmt das Gericht dem Antrag zu oder der Mann muss in Freiheit entlassen werden», sagt Haffter.

Tat am Pfingstwochenende
Beim Mann handelt es sich um einen 59jährigen Deutschen, der verdächtigt wird, eine 38jährige Frau getötet zu haben. Sie hatte ihren Wohnort in Konstanz. Die Leiche der Frau wurde am Pfingstsonntag im Uferbereich nahe der Tägerwiler Seerheinbadi gefunden. Die spätere Obduktion ergab, dass sie an massiven Kopfverletzungen gestorben war. Wie sich im Zuge der Ermittlungen zeigte, waren das Opfer und Tatverdächtiger in den späten Abendstunden des Pfingstsamstags verabredet. Zeugen bestätigten, dass sich die beiden tatsächlich in der Nähe des späteren Fundorts der Leiche trafen. Zudem wurde bekannt, dass der 59jährige Tatverdächtige mit einem Mietwagen mit spanischem Kontrollschild angereist war. Er wohnt auf der kanarischen Insel Teneriffa, die zu Spanien gehört.

Am Pfingstmontag schrieben die Thurgauer Behörden den Tatverdächtigen international zur Festnahme aus. Bereits einen Tag später ging der 59-Jährige den spanischen Behörden am Flughafen in Barcelona ins Netz. Er war mit dem Mietwagen unterwegs, der auch in Tägerwilen gesichtet worden war – unterdessen war er mindestens 1000 Kilometer mit dem Auto gefahren. Die Staatsanwaltschaft beantragte seine Auslieferung. Der verfahrensleitende Staatsanwalt reiste mit vier Ermittlern der Kantonspolizei Thurgau in die katalanische Metropole, um die Behörden vor Ort zu unterstützten. Es ging etwas um Spurensicherung.

Involviert in die Ermittlungen sind auch die Eurojust, die Einheit für justizielle Zusammenarbeit der EU mit Sitz in Den Haag, sowie Europol und die Staatsanwaltschaft Konstanz. Letztere führte Befragungen durch und klärte das Umfeld ab.

Schweizer Recht
Obwohl es sich sowohl beim Opfer als auch beim Tatverdächtigen um deutsche Staatsangehörige handelt, würde der Mann nach Schweizer Recht angeklagt und müsste seine Strafe in einem hiesigen Gefängnis verbüssen. Strafgesetzbuch und Strafprozessordnung schreiben dies vor, da die Tat auf Schweizer Boden verübt wurde.