Sympathie für die Mundart, aber nicht für die Motion

Dass im Kindergarten der Dialekt dominiert, wird nicht im Gesetz verankert. Der Grosse Rat lehnte eine entsprechende Motion ab.

Martin Knoepfel
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FRAUENFELD. Verena Herzog begann im Dialekt. Viele Knirpse, die erstmals in den Kindergarten gingen, hätten etwas Angst und fühlten sich mit Spielen oder Liedern im Dialekt geborgen, sagte sie. Die SVP-Kantonsräte Hanspeter Gantenbein (Wuppenau), Werner Indergand (Altnau) und Verena Herzog (Frauenfeld) wollen dafür sorgen, dass im Kindergarten vor allem Dialekt gesprochen wird, notfalls per Gesetzesänderung. Der Grosse Rat sah das anders und lehnte die Motion 29 Ja- (SVP und EDU)und 67 Nein-Stimmen ab.

Frustration wegen Anpassung

Mundart bedeute Heimat. Sie gehöre zu unserer Kultur, sagte Gantenbein. Dabei werde sie in rasantem Tempo verdeutscht. Mit der Motion verhindere man eventuell eine teure Initiative. Gantenbein ärgert sich über den Drang, sich Deutschland anzupassen. In Frauenfeld gebe es Klassen, in denen Deutsch dominiere, kritisierte Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen). Für Hans Trachsel (EDU, Amriswil) überfordern zwei Fremdsprachen langsam lernende oder fremdsprachige Kinder.

Gesetz als falscher Ort?

Das Thema gehöre in den Lehrplan, nicht ins Gesetz, sagten David Bon (FDP, Romanshorn), Monika Weber (CVP, Eschenz) und Sonja Wiesmann (SP, Wigoltingen). Für Bon soll der Dialekt auch in Zukunft im Kindergarten dominieren. Wiesmann sieht in zwei Stunden Hochdeutsch im Kindergarten keinen Angriff auf unsere Kultur. Brigitta Hartmann (Grüne, Weinfelden) glaubt, dass es im Kindergarten wichtigere Probleme gibt als dieses. Konsequenterweise müsste man bei Annahme der Motion für Kindergärtnerinnen Kurse in Thurgauer Dialekt fordern, sagte Roland Huber (BDP, Frauenfeld). Der Lehrplan verlange im Kindergarten Mundart und Hochdeutsch. Sie werde darüber wachen, dass er eingehalten werde, versicherte Regierungsrätin Monika Knill.

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