Swisscom macht es lieber selber

Eschlikon und Swisscom sind sich über die gemeinsame Nutzung des gemeindeeigenen Glasfasernetzes nicht einig geworden. Der Telekomkonzern will nun sein eigenes Netz modernisieren. Doch die Gemeinde spielt nicht mit.

Olaf Kühne
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Hans Mäder Gemeindepräsident Eschlikon (Bild: Olaf Kühne)

Hans Mäder Gemeindepräsident Eschlikon (Bild: Olaf Kühne)

ESCHLIKON. «Wählen Sie frei Ihren Service-Provider», verspricht der Prospekt der Gemeinde Eschlikon. Kunden, die sich für einen Anschluss an das gemeindeeigene Glasfasernetz entscheiden, sollen ihr Internet, ihr Digitalfernsehen und ihren Telefonanschluss beziehen können, von wem sie wollen. Ausgerechnet der Branchenriese Swisscom macht der Eschliker Werbung nun aber einen Strich durch die Rechnung. Der Telekomanbieter wählt den Alleingang. «Die Gründe waren ökonomischer Natur», schreibt Gemeindepräsident Hans Mäder in seiner gestrigen Medienmitteilung, «lagen doch die finanziellen Vorstellungen zu weit auseinander.»

Punktuelle Werklöcher

Eschliker Glasfaser-Kunden können also keine Swisscom-Produkte beziehen. So weit kein Beinbruch. Will Swisscom aber in Eschlikon konkurrenzfähig bleiben, muss der Konzern investieren – und bauen. «Wir planen in Eschlikon kein paralleles flächendeckendes Glasfasernetz zum Netz der Gemeinde», betont Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Vielmehr wolle das Unternehmen sein bestehendes Netz modernisieren und so mit seinen Glasfasern in die Nähe der Häuser kommen. Auf den verbleibenden durchschnittlich 200 Metern sollen die bestehenden Kupferkabel den Datenverkehr bewältigen. «Mit dieser Technik sind wir für die nächsten 15 Jahre konkurrenzfähig», sagt Huber. Dafür müsse die Swisscom keine Gräben ausheben, im Gegensatz zu einem flächendeckenden Netz in alle Haushaltungen, erklärt Huber. Punktuelle sogenannte Werklöcher seien aber erforderlich – auf öffentlichem und privatem Boden.

In zweiter Instanz abgelehnt

«Die Bewilligungen auf privatem Grund wurden uns bereits erteilt», sagt Huber. Bei der Gemeinde beisst die Swisscom hingegen auf Granit. Die Kommission der Technischen Werke verweigerte die entsprechenden Bewilligungen. In zweiter Instanz tat es ihr nun der Gemeinderat gleich. Die Konkurrenz kaltstellen wolle man damit nicht. «Der Gemeinderat erachtet es als unverhältnismässig, die Einwohner durch unnötige Bautätigkeit zu belasten», begründet Gemeindepräsident Mäder den Entscheid der Behörde. Leichtfertig gefällt worden sei er indes nicht. Vielmehr sei der Gemeinderat überzeugt, im Interesse der Eschliker Bevölkerung und rechtlich einwandfrei zu handeln. Letzteres sieht Swisscom anders. Über den jüngsten Entscheid des Gemeinderates war Huber gestern zwar noch nicht informiert. Für den Mediensprecher ist aber klar, dass sein Unternehmen dagegen rekurrieren wird. Dabei beruft er sich auf das eidgenössische Fernmeldegesetz: «Swisscom hat Anspruch auf die Benutzung des Bodens – sofern die Einrichtungen den Gemeingebrauch nicht beeinträchtigen.»

Ganz so schnell wie der Datenfluss auf einem Glasfasernetz dürfte der nun drohende Rechtsstreit kaum werden.

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