SVP-Wähler sind parteitreu

Die SVP-Liste zog bei den Nationalratswahlen am meisten Panaschierstimmen an. Die EVP- und die EDU-Liste waren für fremde Wähler wenig attraktiv. Die Wähler der BDP und der Grünliberalen panaschierten nach links und nach rechts.

Martin Knoepfel
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SVP-Nationalrat Peter Spuhler holte erneut auch bei den Wählern anderer Parteien weitaus am meisten Stimmen von allen Kandidaten. (Bild: Reto Martin)

SVP-Nationalrat Peter Spuhler holte erneut auch bei den Wählern anderer Parteien weitaus am meisten Stimmen von allen Kandidaten. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der König sitzt vier weitere Jahre auf seinem Thron. Das kann man der neusten Panaschierstatistik des Kantons über die Nationalratswahlen entnehmen, die gestern veröffentlicht wurde. Peter Spuhler (SVP) erhielt am 23. Oktober 304 Stimmen von 1000 Wahlzetteln, die für fremde Parteien eingelegt wurden. Spuhler bleibt damit erwartungsgemäss Panaschierkönig.

Den zweiten Platz belegt Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter (SVP) mit 193 Stimmen. Er hat damit Nationalrätin Brigitte Häberli (CVP, 127 Stimmen) überholt. 2007 lagen die beiden noch gleichauf. Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP) erhielt als vierte in dieser Rangliste 86 Stimmen pro 1000 Listen anderer Parteien.

SVP-Liste für andere attraktiv

Bei den Nationalratswahlen 2011 gab es insgesamt rund 30 Prozent Panaschierstimmen. Diese fallen also ins Gewicht. Die Wähler der verschiedenen Parteien verhalten sich allerdings ganz unterschiedlich. Auch das zeigt die Panaschierstatistik.

Am attraktivsten für Wähler anderer Parteien war die SVP. Sie erhielt pro 1000 fremde Listen 104 Panaschierstimmen, 7 weniger als vor 4 Jahren. Die CVP konnte eine für fremde Wähler attraktivere Liste als 2007 zusammenstellen. Sie bekam 63 (2007: 57) Stimmen pro 1000 fremde Listen und schneidet damit am zweitbesten ab. Die EDU (8) und die EVP-Liste (7) waren für Wähler anderer Parteien am wenigsten attraktiv.

BDP/GLP: Lust am Panaschieren

Zugleich hat die SVP die treuesten Wähler. 565 einzelne Stimmen von 1000 SVP-Listen gingen an andere Parteien. SP, CVP und EDU verloren je gut 1003 Stimmen an andere Listen. Die Wähler der neuen Parteien Grünliberale (1526 Stimmen) und BDP (2130) hatten erwartungsgemäss am meisten Spass am Panaschieren. Hier dürfte eine Rolle spielen, dass das Profil der Parteien noch nicht so klar ist und dass sie noch keine Stammwähler haben können.

Wenn die SVP-Wähler panaschierten, gaben sie ihre Stimme vor allem der FDP und der CVP. Ganz anders Wähler der GLP und der BDP. Sie verschenkten Stimmen an zahlreiche Parteien. Die Listenverbindungspartner EDU und EVP waren bei den BDP- und den GLP-Wählern am unpopulärsten. Von der BDP gingen besonders viele Panaschierstimmen zur SVP und zur CVP. Diese erwiderten die Liebe nicht. Grüne Wähler gaben 43 Panaschierstimmen pro 1000 Listen der SP und nur 10 der GLP. Bei den GLP-Wählern waren die CVP, die SVP, die BDP und die SP populärer als die Grünen.

Mehr Wahlzettel ohne Partei

Die Zahl veränderter Wahlzettel stieg von 64,4 auf 66,8 Prozent. Dabei machten die Wahlzettel ohne Parteibezeichnung einen Sprung von 12 auf 14,5 Prozent. Eine Erklärung wäre nach Ansicht von Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg, dass es auf allen Listen prominente Köpfe gab. Eine andere Hypothese lautet, dass Tools wie Smartvote dazu führen, dass die Wähler mehr auf Köpfe achten als früher. Die Homepage der Dienststelle für Statistik enthält zahlreiche weitere Informationen zu den Wahlen.

www.statistik.tg.ch