SVP und FDP kommen sich näher

In den Ständeratswahlen ist die Allianz von FDP und SVP zwar gescheitert: Die SVP-Wählerbasis liess den FDP-Kandidaten im Regen stehen. Trotzdem streben jetzt beide Parteien eine engere Zusammenarbeit an.

Christof Widmer
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FRAUENFELD. Säuerlich gratulierte die SVP am Sonntagabend der frisch gewählten CVP-Ständerätin Brigitte Häberli. Die Thurgauer CVP müsse mit Häberli und ihrem neuen Nationalrat Christian Lohr jetzt beweisen, dass sie auch künftig eine bürgerliche Politik betreiben wird, liess die SVP in einer Mitteilung verlauten.

Zweifel, ob die CVP noch zum bürgerlichen Lager zu zählen sei, sind in der SVP deutlich zu spüren. Der erfolglose FDP-Ständeratskandidat Max Vögeli nahm diese Stimmung auf und betonte im Wahlkampf auffallend, dass er ein verlässlich bürgerlicher Politiker sei – was die SVP ihm mit einer Wahlempfehlung honorierte.

«Viel für Vögeli getan»

Dass die SVP-Basis zu Hause geblieben ist, nachdem der eigene Kandidat Roland Eberle schon im ersten Wahlgang gewählt wurde, dürfte für Vögelis Niederlage entscheidend gewesen sein. Auf Wahlabstinenz unter SVP-Sympathisanten deuten die tiefe Wahlbeteiligung und der Umstand hin, dass Vögeli weniger Stimmen machte als im ersten Wahlgang. «Wir waren uns bewusst, dass es schwierig wird, die Wähler für den zweiten Wahlgang zu mobilisieren», räumt SVP-Präsident Walter Marty ein. Dieser Termin habe die Leute nicht mehr im selben Mass an die Urne gelockt wie der erste Wahlsonntag, wo auch der Nationalrat gewählt wurde. Die SVP habe aber in kurzer Zeit viel getan, um Vögeli zu unterstützen.

Ernüchtert ist auch SVP-Kantonsrat Erwin Imhof, der an der Delegiertenversammlung seiner Partei mit Nachdruck zur Wahl Vögelis aufgerufen hatte. Die SVP habe zwar die eingeschriebenen Mitglieder erreicht. Ihre ungebundenen Sympathisanten habe sie aber nicht mobilisieren können.

Der Schulterschluss von SVP und FDP sei nicht eindeutig gewesen, sagt auch CVP-Präsidentin Cäcilia Bosshard. Brigitte Häberli habe auch in SVP-nahen Kreisen punkten können.

Entfremdung überwunden?

Auch wenn die Allianz von SVP und FDP diesmal keinen Erfolg hatte, zeichnet sich eine vertiefte Zusammenarbeit beider Parteien ab. Dies nachdem sie sich in den letzten Jahren entfremdet hatten und die FDP noch für diese Nationalratswahlen keine Listenverbindung mit der SVP wollte.

FDP-Präsident Bruno Lüscher sucht den Grund für Vögelis Nicht-Wahl ausdrücklich nicht in der fehlenden Mobilisierung der SVP-Basis. Die SVP-Exponenten hätten viel für Vögeli unternommen. «Der Wille war da», konstatiert Lüscher. Er spricht sich inzwischen für eine engere Zusammenarbeit mit der SVP aus. Für die Grossratswahlen im Frühling favorisiert er Listenverbindungen zwischen beiden Parteien. Auf kantonaler Ebene stimmten FDP und SVP in vielen Fragen überein, sagt Lüscher.

Bei der SVP rennt Lüscher offene Türen ein. «Wir hoffen, das die FDP sieht, dass das bürgerliche Lager zusammenhalten muss», sagt Marty. Eine solche Allianz würde sich nicht zwingend gegen die CVP richten. Zumindest FDP-Präsident Lüscher hat vor allem die neuen Kleinparteien BDP und GLP im Blick, die er mit einem bürgerlichen Block in Schach halten will.