SVP Thurgau steht vor dem grossen Showdown

TÄGERWILEN. Die Delegierten der SVP Thurgau müssen heute abend einen schwierigen Entscheid treffen: Noch immer gibt es keinen klaren Favoriten für die Ständeratskandidatur, dafür aber klare Erwartungen an sein Profil. Die Parteileitung verzichtet jedoch auf eine Empfehlung.

Marc Haltiner
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Roland Eberle (Archivbild: sb)

Roland Eberle (Archivbild: sb)

In der Tägerwiler Bürgerhalle wird es heute abend eng werden. Und es dürfte heiss zu- und hergehen. Denn die gut 240 Delegierten der SVP Thurgau müssen ihren Ständeratskandidaten bestimmen und zwischen alt Regierungsrat Roland Eberle und Kantonsrat Urs Schneider auswählen. «Das wird kein leichter Entscheid», gesteht denn auch SVP-Kantonalpräsident Walter Marty nach den Hearings in allen fünf SVP-Bezirksparteien. Er rechnet mit einem Grossaufmarsch der Delegierten oder ihrer Stellvertreter. Beide Lager würden kräftig mobilisieren.

Zweierticket unwahrscheinlich

Auch nach den Gesprächen zwischen Kandidaten und Parteibasis steht laut Marty kein Favorit fest; beide Kandidaten hätten ihre Vor- und Nachteile. Marty glaubt allerdings, dass wenigstens ein Risiko für die SVP vom Tisch ist: Die SVP-Basis habe intensiv über die Möglichkeit diskutiert, sowohl Eberle als auch Schneider ins Ständeratsrennen zu schicken. Einen entsprechenden Antrag schliesst Marty nicht aus. «Er wird aber keine Mehrheit finden.» Die SVP-Basis habe bei den Hearings gemerkt, dass eine Doppelkandidatur zum Bumerang für die SVP werden könnte. Die Parteileitung verzichtet zudem darauf, einen Favoriten zu nennen oder Anforderungen an das Profil des Ständeratskandidaten zu definieren (siehe Box). Beide Kandidaten hätten ihre Qualitäten und seien geeignet, den Thurgau im Ständerat zu vertreten, sagt Marty.

Netzwerk und Erfahrung

In der SVP-Basis ist das Profil aber durchaus ein Thema, wie man von Delegierten hört. Was aber muss ein Ständerat mitbringen? CVP-Ständerat Philipp Stähelin betont, dass er in Sachen SVP neutral sei – «beide Kandidaten sind gute Freunde». Für ihn ist nach 12 Jahren in der kleinen Kammer aber klar, dass ein Ständerat vier wichtige Voraussetzungen erfüllen sollte. Wichtig seien ein breiter politischer Horizont und Kenntnisse in allen Politikbereichen. Denn im Unterschied zum Nationalrat sitze ein Ständerat in mehreren Kommission. Er müsse zudem den Thurgau und seine Behörden gut kennen, schliesslich vertrete er in erster Linie den Kanton in Bern. Um politischen Einfluss zu gewinnen, brauche ein Ständerat in Bern ein breites Netzwerk und viel Erfahrung. Nur mit Allianzen über die Parteien hinweg könne er im Ständerat Mehrheiten bilden.

Ähnliches sagt auch SVP-Mann Hans Uhlmann, der den Thurgau von 1987 bis 1999 im Ständerat vertrat. Wichtig seien Netzwerk, Erfahrung und Wissen – Eigenschaften, die nach Uhlmanns Beurteilung Roland Eberle als ehemaliger Bauernsekretär, Regierungsrat und CEO von Sia Abrasives eher erfüllt. Eberle bringe mehr Erfahrungen und politisches Rüstzeug mit.

Landwirtschaft für Schneider

Für die Vertreter des Verbandes der Thurgauer Landwirtschaft erfüllt auch Schneider diese Anforderungen. «Beide Kandidaten haben einen guten Leistungsausweis», sagt Urban Dörig, der Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe. Schneider stehe als Vizedirektor des Schweizerischen Bauernverbandes der Landwirtschaft aber näher und werde sich gezielter für ihre Anliegen einsetzen. Er sei aber kein Ein-Themen-Politiker.

Urs Schneider (Archivbild: sb)

Urs Schneider (Archivbild: sb)

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