SVP St. Gallen feiert ihre Siege

Die SVP des Kantons St. Gallen ist 20 Jahre alt. Höhepunkt des Jubiläumsfestes vom Freitag im Gossauer Walter-Zoo war alt Bundesrat Christoph Blochers Rede zum EWR-Nein vor 20 Jahren. Der heimliche Star des Abends: Toni Brunner.

Corinne Riedener
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GOSSAU. Aus dem Festzelt im Walter Zoo dringt poppige Schlagermusik nach draussen. Vor dem Eingang werden fleissig Hände geschüttelt, Neuigkeiten ausgetauscht und Partnerinnen vorgestellt. Knapp 250 Mitglieder und Sympathisanten der SVP-Kantonalpartei sind gekommen, um deren 20jähriges Bestehen zu feiern. Die Stimmung im Zelt ist fröhlich. Es gibt Hörnli, Braten und «Härdöpfelstock». Vor der Bühne flimmern in einer Endlosschleife Fotos über die Leinwand: Toni Brunner im Militär, im Bauernhemd, mit «Ziehvater» Blocher. Um den «Chef-Tisch» bildet sich eine Menschentraube. Mitten drin: Christoph Blocher, Toni Brunner, Lukas Reimann, Hans Uhlmann, Hansjörg Walter und Luzi Stamm. Geduldig posieren sie für Fotos mit Parteimitgliedern. Nach dem Schweizerpsalm – mit Euphonium-Begleitung durch Kantonsrat Toni Thoma – beginnt der offizielle Teil des Abends.

Toni Brunner als «grosser Wurf»

Die Kantonsräte Claudia Martin und Herbert Huser führen durch den Abend. Nachdem das Moderationsduo alle Aushängeschilder der Partei persönlich begrüsst hat, ergreift Nationalratspräsident Hansjörg Walter das Wort. Sein Lob richtet sich überwiegend an Toni Brunners Adresse. Er bewundere dessen Engagement und seine Leistungen für die Partei.

Danach wenden die Jubilaren ihren Blick zurück. Stolz berichtet Gründungspräsident Hans Uhlmann von der Geburt der Kantonalpartei im «Schwarzen Adler» in Gossau. Der Anfang sei harzig gewesen. «Danach haben wir einen regelrechten Siegeszug angetreten.» Auch er huldigt Toni Brunner: «Dieses junge Bürschchen war unser grosser Wurf.»

Blocher «bester Bundesrat»

Dass mittlerweile bald 40jährige «Bürschchen» betritt kurz darauf mit Toni Thoma die Bühne. Brunner gibt die Geschichte seiner Wahl in den Nationalrat zum Besten und betont ebenfalls die «unglaubliche Erfolgsgeschichte» der Partei. Das Publikum applaudiert. Musikant Thoma vergleicht die Parteiarbeit mit einem Orchester: «Auch wenn es manchmal Intonationstrübungen gibt, muss man eine Harmonie schaffen.» Vor der Pause wirft man noch einen Blick in die Zukunft. Auf die Frage, ob er irgendwann einen Sitz im Bundesrat anstrebe, winkt Nationalrat Lukas Reimann ab. «Ich will frei bleiben und jederzeit das sagen dürfen, was ich denke.» Abgesehen davon könne er diesen Job niemals so gut machen wie alt Bundesrat Blocher.

Durchhalteparolen gegen EU

Und Blocher lässt in seiner 45 Minuten langen Rede kein gutes Haar an seinen früheren Kollegen: Sie liessen sich von der Europäischen Union erpressen. «Die Morgengymnastik des Bundesrats besteht darin, vor der EU einzuknicken.» Das sei schon vor zwanzig Jahren bei der EWR-Abstimmung der Fall gewesen. Er erinnere sich noch genau an den Abstimmungskampf und den Gegenwind von allen Seiten damals. «Es war hart. Danach war ich richtig <uf dä Schnorre>. Jetzt sagt man Burn-out dazu», fügt er an.

«Ohne das EWR-Nein sässen wir heute genau so in der Tinte wie die EU-Länder.» Damals habe die SVP die Schweiz gerettet. Und wenn es nach Blocher geht, soll die «Rettungsaktion» weiter andauern. Seine Forderung: weiterhin gegen den schleichenden EU-Beitritt ankämpfen. «Wir dürfen nicht nachgeben, müssen auch Unbeliebtheit ertragen und so viele Bürger wie möglich mobilisieren.» Das sei eine grosse Aufgabe. Es scheint, als greife er weiterhin nach den Sternen, nur eben nicht nach jenen der europäischen Flagge.

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