SVP setzt Müller auf Rechsteiner an

Die St. Galler SVP zieht mit Thomas Müller in den Ständeratswahlkampf. Die Delegierten liessen gestern abend keine Zweifel aufkommen: Sie zielen auf den Sitz von Paul Rechsteiner – der Kanton St. Gallen brauche zwei bürgerliche Stimmen in Bern.

Regula Weik
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Die St. Galler SVP hätte Thomas Müller gerne als Ständerat in Bern. (Bild: Ralph Ribi)

Die St. Galler SVP hätte Thomas Müller gerne als Ständerat in Bern. (Bild: Ralph Ribi)

MÖRSCHWIL. «Wer Kritik nicht verträgt, soll nicht in die Politik.» Das sagt Thomas Müller. «Verräter», «Überläufer», «Nestbeschmutzer». So war der Rorschacher Stadtpräsident und Nationalrat im Januar 2011 nach seinem Wechsel von der CVP zur SVP beschimpft worden. Es prallte an ihm ab. Müller ist kein Mann der leisen Töne. Er hält mit seiner Meinung nicht zurück. So auch nicht mit seiner Kritik am heutigen Sozialhilfesystem. Seit dem Austritt von Rorschach aus der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe vergeht keine Woche, in der er nicht als Sozialhilfe-Spezialist befragt wird – und auch immer wieder neue Erklärungen für das «Sozialhilfe-Schlamassel» parat hat. Damit ist Müller auf dem Kurs seiner Partei. Auch mit seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik. «Er hat schon lange vor dem Parteiwechsel unsere Politik vertreten», sagt Herbert Huser, Präsident der St. Galler SVP. Müller sei «ein Treiber und ein Motor für neue, kreative Ideen», preist ihn Huser als idealen Ständeratskandidaten. Er könne gut motivieren und begeistern, und er habe ein «exzellentes Beziehungsnetz».

Den Delegierten musste Huser gestern abend in Mörschwil nicht lange zureden: Sie nominierten Müller klar als ihren Ständeratskandidaten.

Ungeteilte Standesstimme

Es wird kein einfaches Unterfangen sein, einen Bisherigen aus dem Sessel zu kippen – erst recht nicht, wenn diese Karin Keller-Sutter und Paul Rechsteiner heissen. Die Freisinnige und der Sozialdemokrat treten als eingespieltes Team auf, wenn es um Anliegen der Ostschweiz geht. Die SVP macht kein Geheimnis daraus, dass sie es auf Rechsteiners Sitz abgesehen hat. «Unser Kanton muss in Bern durch zwei bürgerliche Stimmen vertreten sein», sagt Huser, «und nicht durch eine Bürgerliche und einen extremen Gewerkschafter.» Er fordert eine ungeteilte Standesstimme – «was heute kaum gegeben ist, trotz der gemeinsamen, inszenierten Auftritte der beiden».

Pferdewechsel

Die stärkste Partei im Kanton nimmt nicht zum ersten Mal Anlauf für einen Sitz im Ständerat. In den letzten beiden Wahlen sollte es Parteipräsident Toni Brunner richten – er scheiterte. 2011 war er in guter Gesellschaft. Chefstratege Christoph Blocher verfehlte die Wahl ebenso wie Adrian Amstutz, Caspar Baader oder Oskar Freysinger. Blochers proklamierter «Sturm aufs Stöckli» war ein Sturm im Wasserglas. Ob Müller mehr erreicht?

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