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SÜDSICHT: O Zeughaus, du Heimat

Es war ein friedliches Fest, das Neonazi-Konzert am vergangenen Samstag im Toggenburg. Mustergültig organisiert, attestiert die St. Galler Polizei. Selbst ihre Abfälle haben die Glatzen eigenhändig eingesammelt. Ein bisschen Volksverhetzung, ein bisschen Aufruf zum Massenmord. Schwamm drüber.
Olaf Kühne

Es war ein friedliches Fest, das Neonazi-Konzert am vergangenen Samstag im Toggenburg. Mustergültig organisiert, attestiert die St. Galler Polizei. Selbst ihre Abfälle haben die Glatzen eigenhändig eingesammelt. Ein bisschen Volksverhetzung, ein bisschen Aufruf zum Massenmord. Schwamm drüber. Schliesslich soll man nicht immer gleich das Haar in der Suppe suchen, wenn Junge ihre Freizeit gesellig gestalten. Menschen mit «Freude an einer neokonservativen Einstellung und an soldatischen Liedern», wie es ein bekannter Zürcher Anwalt formuliert. Tönt doch alles gut, oder?

Wirklich zufrieden ist man im Toggenburg dennoch nicht – trotz zahlreicher Logiernächte in der heimischen Hotellerie und einer europaweiten Ausstrahlung der gebeutelten Region. Dann sollen sie's eben bleiben lassen, die Toggenburger. Wartet doch im Hinterthurgau das perfekte Konzertlokal auf völkisch-musikalische Darbietungen: In Fischingen steht das Zeughaus leer. Die Gemeinde will es kaufen, hat aber noch kein wirkliches Nutzungskonzept für die drei Hallen. 7000 militärische Quadratmeter, Wasser und Strom gibt's auch, zudem jede Menge Stacheldraht. Und, ganz wichtig, die Telefonleitungen nach Bern sind auch bereits gelegt. Der Nachrichtendienst des Bundes kann die rechte Szene also nahtlos weiter überwachen. Im Toggenburg hat's ja auch nicht so schlecht geklappt.

Wo sonst können soldatische Lieder passender zum Besten gegeben werden. Zudem würde das heimische Gewerbe profitieren: ausgebuchte Hotels, eine florierende Brauerei und nicht zuletzt die Coiffeursalons. Eine zünftige Glatze oder ein anständiger Kurzhaarschnitt wollen schliesslich gepflegt sein. Nicht zu vergessen auch die anstehende Aufnahme Fischingens in den Naturpark Zürcher Berggebiete. Heimatschutz trifft Heimatschutz. Ob braun oder grün, für Arbeitsplätze drücken wir gerne ein, zwei Augen zu.

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