SUCHT: Eine schwierige Zeit für trockene Alkoholiker

Bei Weihnachtsessen und Chlaus-Abenden ist ein Glas Wein oder ein Bier sozial akzeptiert. Das Blaue Kreuz Schaffhausen-Thurgau warnt davor, dass die Hemmschwelle für den Griff zur Flasche in dieser Jahreszeit sinkt.

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Während der Festtage ist die Rückfallquote für ehemalige Alkoholiker besonders hoch. (Bild: Meinrad Schade)

Während der Festtage ist die Rückfallquote für ehemalige Alkoholiker besonders hoch. (Bild: Meinrad Schade)

Rund zehn Prozent der Thurgauer Bevölkerung tranken im Jahr 2013 täglich Alkohol. 46 Prozent konsumierten zumindest einmal pro Woche alkoholische Getränke. Wie anhand der Thurgauer Dienststelle für Statistik ersichtlich wird, trinken vor allem ältere Personen zunehmend täglich Alkoholika. Das Rauschtrinken hingegen ist eher in den unteren Alterskategorien verbreitet.

Besonders für Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit gibt es in dieser «dunklen» Jahreszeit noch mehr öffentliche Orte, an denen sie mit Alkohol konfrontiert sind. Die Fachstelle Blaues Kreuz Schaffhausen-Thurgau warnt davor, dass die Hemmschwelle für den Griff zur Flasche im Herbst, der Advents- und der Weihnachtszeit noch niedriger wird. Eine besondere Heraus­forderung seien die vielen Weihnachtsmärkte mit Glühwein. Ebenso würden sich in dieser Zeit Anlässe häufen, an denen Alkohol konsumiert werde. Beispiels­weise der Samichlaus-Abend im Verein, das Betriebsweihnachtsfest oder das Festtagsessen mit der Familie.

Rückfallgefahr ist vielen nicht bewusst
Bei solchen Anlässen sei der Alkoholgenuss ein fester Bestandteil des sozialen Lebens. «Gegen ein Glas Wein im Kreise von Familie und Freunden ist wenig ­einzuwenden», schreibt Sucht­beraterin Rahel Gerber-Iselin vom Blauen Kreuz. Ausser das Glas diene dazu, die überdrehte Stimmung zu fördern oder alte Konflikte zu betäuben. Allerdings würden oft auch die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum in ­irgendeiner Form mit Alkohol zu tun haben. «Meistens ist uns nicht bewusst, welche Rückfallgefahr dies für Menschen mit einem problematischen Alkoholkonsum darstellt», schreibt die Suchtberaterin.

Vor allem für alleinlebende Personen seien die langen, finsteren Abende oft von Einsamkeit oder sogar Langeweile geprägt. Die zusätzlichen freien Festtage, die eine plötzliche Absenz von der Arbeit bewirkten, würden ein Gefühl von innerer Leere und Sinnlosigkeit wecken. «Man darf nicht vergessen, dass nicht alle Menschen in einem sozialen Netzwerk eingebunden sind und mit anderen feiern. Da werden insbesondere trockene Alkoholiker sentimental. Die Rückfallquote ist während der Feiertage besonders hoch.»

Nicht mit Spruch verführen
Das Blaue Kreuz gibt für die Festtage Empfehlungen zum vorsichtigen Umgang mit alkoho­lischen Getränken. So biete es sich an, auch einmal alkoholfreie Alternativen anzubieten. Es lohne sich, an die Menschen zu denken, die zu einem missbräuchlichen Alkoholkonsum tendieren würden. «Man sollte solche Menschen nicht mit einem Spruch wie ‹Nur ein Schluck, schadet doch nichts!› verführen», schreibt Gerber-­Iselin. Leere Gläser müssten auch nicht immer sofort nachgefüllt werden. Die Gäste sollten sich selber um alkoholischen Nachschub bemühen.

Komme während der Fest­tage die Frage auf, ob das eigene Trinkverhalten noch massvoll und der jeweiligen Situation angepasst sei, solle man die Signale ernst nehmen. Die Fachstelle des Blauen Kreuzes in Weinfelden bietet in solchen Fällen kosten­lose Beratungen an. (lsf)