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SUCHT: Der letzte Traum eines Thurgauer Alkoholikers

Für viele Alkoholabhängige ist im Schloss Herdern Endstation. Die Institution geht mit der kontrollierten Alkoholabgabe schon lange einen eigenen Weg. Nun sucht sie das Gespräch mit der Bevölkerung.
Silvan Meile
Mani Ritz (hinten), Abteilungsleiter im Schloss Herdern, spricht mit Rolf Brunhold über Alkohol. (Bild: Donato Caspari)

Mani Ritz (hinten), Abteilungsleiter im Schloss Herdern, spricht mit Rolf Brunhold über Alkohol. (Bild: Donato Caspari)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Rolf Brunold hat noch einen Plan im Leben: Er will nach Marseille. «Mein Sohn betreibt dort in der Altstadt ein Restaurant», erzählt er, «mit Gelateria». Jetzt, wo er selber auf die 60 zusteuere, könnte er im sonnigen Südfrankreich dem Sohn im Betrieb noch etwas helfen. So wie früher, als sich der gelernte Maschinenschlosser in der Hafenstadt am Mittelmeer unter anderem als Tellerwäscher und Hilfskoch über Wasser gehalten hatte. Doch so einfach wird die Rückkehr nicht. Brunold ist süchtig, kann nicht ohne Alkohol sein. Mehrere Therapien blieben bei ihm erfolglos. Seit 2013 wohnt er im Schloss Herdern. Das ist die Endstation für viele Alkoholiker.

Der Weg in ein selbstbestimmtes Leben ist steinig

Die Institution am Seerücken bietet seinen Bewohnern eine kon-trollierte Alkoholabgabe. Einen Liter Bier oder einen halben Liter Wein pro Tag, ausser am Wochenende, dann wird nichts ausgeschenkt. Hier wohnen gestrandete Existenzen. Sie sind in all ihren Versuchen gescheitert, ein Leben ohne Suchtmittel zu führen. Das Schloss Herdern setzt auf kontrolliertes Trinken, beharrt nicht auf Abstinenz. Es will hoffnungslosen Alkoholikern einen erträglichen Alltag ermöglichen. Niemand ist gezwungen, hierzubleiben. Doch der Weg nach draussen in ein selbstbestimmtes Leben ist steinig. Wie zum Beispiel jener nach Marseille.

«Von hier schafft es kaum jemand wieder in den ersten Arbeitsmarkt», sagt Mani Ritz, Abteilungsleiter im Schloss Herdern. Ziel sei es, den Süchtigen einen Aufenthalt mit eigenem Zimmer, medizinischer Versorgung und geregeltem Arbeitsalltag zu bieten. Die Arbeit in der institutseigenen Schreinerei, Gärtnerei oder etwa dem Landwirtschaftsbetrieb soll ihnen Halt und eine Struktur geben. Und sie verdienen dabei etwas Geld. Dieses geben sie gerne in Frauenfeld für Alkohol aus. Davon können einige Postauto-Chauffeure auf dieser Linie ein Lied singen.

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