Suche nach perfekter Präzision

Die Aadorfer Alme AG hat sich ganz der Genauigkeit verschrieben. Sei es im Maschinenbau, in der Druckindustrie oder in der Produktionstechnologie. Die Alme will an der Spitze mitmischen. Ob das gelingt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

Ives Bruggmann
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Ein Mitarbeiter der Alme bedient eine Hochpräzisionsfräse. Im Vordergrund lagern Walzen für digitale Druckmaschinen für Druckereien. (Bilder: Peter Käser)

Ein Mitarbeiter der Alme bedient eine Hochpräzisionsfräse. Im Vordergrund lagern Walzen für digitale Druckmaschinen für Druckereien. (Bilder: Peter Käser)

AADORF. Carl Zeiss ist der Inbegriff von Präzision, zumindest in der Welt der Feinmechanik und Optik. Nicht zufällig beliefert auch die Aadorfer Alme – steht für allgemeine Mechanik – diese bekannte deutsche Firma. Und zwar mit Teilchen, aus welchen die Firma Carl Zeiss ihre Maschinen für die Herstellung von Mikrochips baut. Solche Mikrochips finden sich beispielsweise in Computern, Autos oder Smartphones. «Wir liefern Teile für Maschinen, die Chips herstellen, die ungefähr in sechs bis acht Jahren in den Smartphones sind», sagt Christian Taennler CEO der Alme. «In Sachen Produktionstechnologie sind wir gefühlt in der Zukunft unterwegs», fügt der 53-Jährige hinzu. Und genau dies soll die Stärke der Alme sein. «Unsere Produkte sollen so präzis, so genau sein, dass die Kunden dafür zu uns kommen müssen», sagt Taennler. Auch das Paul-Scherrer-Institut der ETH baut auf die Produkte der Alme. Für den SwissFEL, ein Röntgenlaser von 740 Metern Länge, eine Art Mini-Cern, wurde die Aadorfer Maschinenbaufirma unter fünf Mitbewerbern ausgewählt. «Wir waren am genausten, der Preis stimmte und das Teil funktionierte», nennt Taennler die Gründe für den Zuschlag.

Teure Investitionen

Dass die Alme an Aufträge im High-Tech-Bereich kommt, ist eine stetige Herausforderung. «Einerseits müssen wir sehr viel in unsere Maschinen investieren, damit wir mit der Konkurrenz mithalten können», sagt der Geschäftsführer. Andererseits sei man quasi dazu gezwungen, die Prozesse immer weiter zu verbessern. Ein Beispiel: 2009 musste die Alme einen Preis angeben für ein Werkstück, dass erst im Jahre 2016 für den Bau einer Druckmaschine benötigt wurde. Die Herstellung des Prototyps ergab damals, dass die Produktionskosten pro Werkstück um das Dreifache reduziert werden müssen. Den Auftrag der Hewlett Packard (HP) hat die Alme schliesslich erhalten. Schon seit 1992 ist HP die wichtigste Kundin. Die Aadorfer Firma ist bei der neusten Generation immer noch der einzige Lieferant, der die Walzen digitaler Druckmaschinen für HP herstellen darf.

Die Alme beschäftigt 40 Mitarbeiter und setzt rund 10 Millionen Franken um. 85 Prozent davon macht der Export aus. Die Eurokrise ist denn auch an der Alme nicht spurlos vorübergegangen. Deshalb hat der CEO Anfang Jahr einige Massnahmen ergriffen, um der Krise entgegenzuwirken. «Wir hatten zwei bescheidene Jahre hinter uns und mussten etwas tun», sagt Taennler. Dazu gehörte, dass die Alme die Preise erhöhte. «Das kann zwar durchaus dazu führen, dass wir einige Kunden verlieren.» Umso härter müssten sie um die Zufriedenheit der bestehenden Kunden kämpfen. Des weiteren beschloss die Führungsetage eine 45-Stunden-Woche für die Mitarbeiter. Trotz der ebenfalls gekürzten Kaderlöhne sei diese Massnahme nicht bei allen auf Verständnis gestossen.

Lieber billig statt präzise

Fakt sei jedoch, dass die Maschinenindustrie sich in einer Krise befinde, sagt Taennler. «Die Kunden honorieren die Genauigkeit und die Präzision nicht oder nicht mehr.» Lieber liessen sie billiger produzieren. Dennoch hält Taennler am eingeschlagenen Weg fest. Es könne durchaus sein, dass die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie in Zukunft die Hälfte der Arbeitsplätze einbüsst. «Wir wollen so gut sein, dass wir dann immer noch dabei sind», sagt Taennler. Das Ziel müsse es sein, dass sie so spezielle und anspruchsvolle Aufträge erfüllen können, dass die Kunden dafür extra zu ihnen in die Schweiz kommen müssen.

Werkstück für den Teilchenbeschleuniger am Paul Scherrer Institut. (Bild: Peter K?ser)

Werkstück für den Teilchenbeschleuniger am Paul Scherrer Institut. (Bild: Peter K?ser)

Bild: IVES BRUGGMANN

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