Sturm störte Laichfischerei

Bis vor wenigen Tagen sammelten die Fischer am Untersee Felchenlaich. Es stürmte, regnete und war zu warm. Deshalb gab es nur halb so viel Laich wie im Vorjahr für die kantonale Fischbrutanstalt in Ermatingen.

Gudrun Enders
Merken
Drucken
Teilen
Der Nachwuchs der Felchen: Fischereiaufseher Mirco Müller rührt mit einer Feder im Laich. In einem Liter schwimmen 60 000 Felcheneier. (Bild: Gudrun Enders)

Der Nachwuchs der Felchen: Fischereiaufseher Mirco Müller rührt mit einer Feder im Laich. In einem Liter schwimmen 60 000 Felcheneier. (Bild: Gudrun Enders)

ERMATINGEN. Mit einer Schwanenfeder rührt Fischereiaufseher Mirco Müller in Gläsern. Weisse, unbefruchtete oder verpilzte Eier schwimmen auf und werden abgesaugt. Dadurch bleiben die anderen Eier gesund. Glas an Glas reiht sich über den Wasserrinnen. Doch viele Plätze bleiben in diesem Jahr leer. Der Laich fehlt.

Vor wenigen Tagen ist der letzte Felchenlaich in der kantonalen Fischbrutanstalt nahe der Ermatinger Stedi eingetroffen. Die Ausbeute ist gering: «Bei uns ging nur halb so viel Felchenlaich ein wie im Vorjahr», sagt der kantonale Fischereiaufseher Müller. Im Dezember 2010 nahm die Brutanstalt 500 Liter Felchenlaich entgegen, in diesem Jahr waren es nur 270 Liter. «Das Wetter war schuld», sagt Müller. Es stürmte und regnete, was die Arbeit der Berufsfischer erschwerte. Die Ermatinger Fischer hätten wegen des Sturms ihre gewohnten Laichplätze nicht anfahren können, sondern auf sicherere Laichgründe ausweichen müssen.

Ein schlechtes Jahr verträgt es

Ausserdem war es zu warm. Dabei gilt: Je kälter, desto aktiver die Spermien der männlichen Felchen, Milchner genannt. Müller hat den Eindruck, dass er mehr unbefruchtete Eier aussortieren muss als sonst. Dabei beunruhigt den Fischereiaufseher das schlechte Ergebnis nicht, denn die Felchenpopulation im Untersee sei stabil bis leicht zunehmend. «Ein schlechtes Jahr verträgt es.» Zudem erinnert Müller daran, dass diese Erbrütung von Laich lediglich die natürliche Vermehrung stütze.

In Ermatingen wird der Laich kalt erbrütet. Das bedeutet, dass das Seewasser, das die Laichgläser durchströmt, langsam und kontinuierlich auf zwei Grad Celsius heruntergekühlt wird. Hatte das Wasser im Untersee diese Woche noch gut 6 Grad, schwamm der Laich in der Brutanstalt schon in knapp drei Grad kaltem Wasser. Dadurch lässt sich der Schlupf der kleinen Fische im Frühling hinauszögern.

«Wir setzen die Brütlinge aus, wenn ihre Überlebenschancen optimal sind», sagt Müller. Die kleinen Felchen kommen erst in den Untersee, wenn es genug Plankton zum Fressen gibt.

Unkompliziert und kooperativ

Die zweite Brutanstalt am Untersee befindet sich auf der Insel Reichenau. Sie verfügt nicht über die Möglichkeit, das Seewasser zu kühlen. Deshalb haben die deutschen Berufsfischer dieses Jahr einen Teil ihres Felchenlaichs in Ermatingen abgegeben. Wenn schon weniger Brütlinge ausgesetzt werden, dann sollen sie einen optimalen Start haben.