Studie weist Biorender den Weg

Die Ökobilanz der Münchwiler Biogasproduzentin Biorender ist positiv, hat aber noch weiterführendes Potenzial. Das belegt eine Studie der Umweltberatungsfirma Quantis.

Hans Suter
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Rainer Zah präsentiert die Quantis-Studie – zur Freude von Markus Sägesser und Hanspeter Haltner. (Bild: Hans Suter)

Rainer Zah präsentiert die Quantis-Studie – zur Freude von Markus Sägesser und Hanspeter Haltner. (Bild: Hans Suter)

MÜNCHWILEN. Die Gaskunden der Biorender AG bezahlen gegenwärtig einen ökologischen Mehrwert von 50 Rappen pro Kilowattstunde. Somit kostet das Biogas aus dem Hinterthurgau ein Mehrfaches des üblichen Marktpreises. Da die Biorender AG mehrheitlich im Besitz der drei Städte Wil, St. Gallen und Winterthur ist und diese mehrere Millionen investiert haben, stellte sich auf der politischen Ebene vermehrt die Frage nach der Rechtfertigung des Aufpreises.

Um diese Frage neutral zu beantworten, wurde die Empa in Dübendorf mit der Studie «Ökobilanz der Verwertung von tierischen Nebenprodukten» beauftragt. Da das Forschungsteam unter der Leitung von Rainer Zah zwischenzeitlich in die Firma Quantis ausgelagert wurde, ist fortan von der Quantis-Studie die Rede.

Weltweit neues Verfahren

In der Schweiz fallen jährlich rund 250 000 Tonnen an sogenannten tierischen Nebenprodukten (TNP) an. Zur Verwertung sind zwei unterschiedliche Technologien verfügbar: Tiermehlproduktion und Methanisierung (Gasproduktion).

«Die Methanisierung ist ein weltweit neues Verfahren und wurde von der Biorender AG vor zweieinhalb Jahren eingeführt», sagt Markus Sägesser, Verwaltungsratspräsident der Biorender AG. Vorher gab es nur die Tiermehlproduktion (inklusive Tierfett).

Ziel der Studie war ein Vergleich der Umweltauswirkungen der beiden Verfahren unter Berücksichtigung aller Nebenprodukte. «Biorender hat ein Monopol in der Entsorgung aufgebrochen», sagt Biorender-Geschäftsführer Hanspeter Haltner.

Anlagen- und Systemvergleich

Die Studie hat die Umweltauswirkungen der analysierten Verfahren anhand der folgenden Einzelindikatoren betrachtet: Treibhauspotenzial, Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen, Humantoxizität, Nährstoffanreicherung, Versauerung und Landnutzung. Zusätzlich wurde auch die Gesamtumweltbelastung mittels zweier Methoden berechnet. Damit erstellt die Studie ein umfassendes Bild der potenziellen Auswirkungen der beiden Verfahren auf Mensch und Umwelt.

Die Verfasser erstellten zwei Vergleiche. Zuerst wurde der Biorender-Prozess mit einer Tiermehlfabrik verglichen (Anlagenvergleich). Danach wurden der Biorender-Prozess und die Tiermehlanlage gemeinsam betrachtet und es wurde analysiert, welche Kombination von TNP-Kategorien und -Produkten den grössten totalen Umweltnutzen bringt (Systemvergleich).

Die Resultate

Beim Hauptszenario, wenn Biorender nach Plan produzieren kann, kommt der Biorender-Prozess auf bessere Werte als der alternative Weg über das Tiermehl. Je nach verwendetem Szenario und betrachtetem Einzelindikator sind die Ergebnisse jedoch unterschiedlich. «Betrachtet man die aggregierte Umweltauswirkung, lassen sich mit dem Biorender-Prozess höhere Umwelteinsparungen realisieren als beim betrachteten Tiermehlprozess», sagt Rainer Zah. Allerdings seien die Ergebnisse differenziert zu betrachten, da die Komplexität sehr hoch sei. Sägesser ist zufrieden: «Wir können die positive Ökobilanz nun wissenschaftlich nachweisen.»

Bedeutende Erkenntnis

Die Quantis-Studie kommt aber noch zu einer weit bedeutenderen Erkenntnis: «Insgesamt deuten die Ergebnisse der aggregierten Methoden darauf hin, dass das optimierte Biorender-Verfahren eine aus Umweltsicht vorteilhafte Alternative in der Verwertung von TNP darstellt, insbesondere wenn diese Technologie mit einer Tiermehlanlage kombiniert wird.»

Das bedeutet: Würden die Biorender und die Tiermehlfabrik in Banzenheid zusammenarbeiten, würde ökologisch das Optimum erreicht. Es zeichnet sich ab, dass diese Zusammenarbeit zugleich die ökologische Zukunft der Biorender sichern könnte.