«Stromsteuer» nicht erhöhen

Die Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (AVES) Thurgau beschliesst, das Referendum «Nein zur Erhöhung der Stromsteuer KEV» zu unterstützen.

Rudolf Steiner
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Urs Martin (Bild: pd)

Urs Martin (Bild: pd)

SCHÖNENBERG. In Anlehnung an das Sprichwort «Lügen haben kurze Beine» begrüsste AVES-Präsident Urs Martin die Mitglieder mit der Aussage «Auch Energielügen haben kurze Beine – denn sie leben vom Atomstrom». Der SVP-Kantonsrat gab noch einen drauf: «Vor Jahresfrist ist die offizielle Politik aus der Atomenergie ausgestiegen. Noch heute bleibt die Frage des <Wie> unbeantwortet. Alternativ dazu wird sie mit falschen Zahlen untermauert.»

Sinnvolle Alternativen fehlen

Vor der Versammlung besuchte die seit 2010 bestehenden Regionalgruppe AVES Thurgau das Thurkraftwerk Schönenberg. Betriebsleiter Marco Schär erklärte die Funktion des einzigen Flusskraftwerks dieser Bauart in der Schweiz. Mit seinen zwei liegenden Turbinen könne das Kraftwerk bei Idealbedingungen umgerechnet Strom für 2500 Haushaltungen produzieren.

Für Martin ist ein sofortiger Atomausstiegs unrealistisch. Der Schweiz und besonders dem Thurgau fehle es an sinnvollen Alternativen zur Atomenergie. «Denn 40 Prozent unserer Energieproduktion stammen nach wie vor aus der Atomenergie. Ohne sie wären die zertifizierten Energiestädte wie Frauenfeld zwischenzeitlich ohne Strom,» so Martin.

St. Gallen ist nicht Reykjavik

Keine grosse Chance gibt der AVES-Präsident dem Ausbau der Wasserkraftwerke. «Wer will schon ein Wasserkraftwerk am Rheinfall oder die Verschandelung einer intakten Landschaft mit Staumauern?» Das Potenzial der Geothermie sei fast unendlich, aber St. Gallen sei nicht Reykjavik. Im Gegensatz zur isländischen Hauptstadt – deren Name rauchende Bucht bedeute – rauchten in St. Gallen nur die Köpfe. Zudem habe sich in den vergangenen 15 Jahren wenig verändert. Die Anteile von Wasserkraft mit 58,7 Prozent (1997: 57,4 Prozent) und Atomenergie mit 35,8 Prozent (1997: 39,6 Prozent) hätten sich nur unwesentlich verändert. «Nur 2,8 Prozent des Stroms wurden aus neuen erneuerbarer Energie gewonnen», so Martin.

Null Energie aus Geothermie

Trotz Subventionen von jährlich 1,5 Mia. Franken durch Bund und Kantone werden von den Tausenden von Photovoltaikanlagen nicht einmal fünf Promille, von den Windkraftwerken gerade mal ein Promille und aus der Geothermie keine Elektrizität erzeugt.

Die Mitglieder beschlossen nach lebhafter Diskussion, das Referendum «Nein zur Erhöhung der Stromsteuer KEV» zu unterstützen.