Stricken mit den Asylbewerbern

Zum Jahresanfang verleiht die Gemeinde Müllheim ihren Anerkennungspreis. Am Berchtoldstag ist Ida Rauscher die Ehre der «Müllheimerin des Jahres» zuteil geworden. Sie betreut seit einigen Jahren die Asylbewerber im Dorf.

Stefan Hilzinger
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Ida Rauscher kümmert sich um Asylbewerber, wofür sie gute Worte, Blumen und einen Gutschein erhielt. (Bild: Stefan Hilzinger)

Ida Rauscher kümmert sich um Asylbewerber, wofür sie gute Worte, Blumen und einen Gutschein erhielt. (Bild: Stefan Hilzinger)

MÜLLHEIM. Einige im Saal haben's schon geahnt. Doch sie selbst hatte keinen Schimmer, als Vize-Gemeindeammann Heinz Fehlmann die Preisträgerin des Anerkennungspreises 2012 bekanntgab: Ida Rauscher, die seit Jahren für die Betreuung der Asylbewerber zuständig ist, ist anlässlich des Neujahrsempfangs in der Wielhalle am Berchtoldstag zur Müllheimerin des Jahres ausgerufen worden.

Deutsch und Kochen lernen

Sie habe keine leichte Arbeit, sagte Fehlmann in seiner kurzen Lobrede. Sie unternehme viel, um die Asylsuchenden aus unterschiedlichsten Ländern an die hiesigen Gepflogenheiten heranzuführen: Sie erteile Deutschunterricht, koche mit den Asylbewerbern Schweizer Gerichte und erkläre ihnen unser politisches System. «Und ja, gelegentlich strickt sie mit ihnen, und zeigt ihnen, was hierzulande sonst noch Brauch ist», sagte Fehlmann. Die Geehrte dankte herzlich für die Auszeichnung. Im Besonderen wollte sie Gemeindeammann Jakob Turnheer danken. Dieser fehlte aber am Neujahrsapéro, da er sich gerade von einer Knieoperation erholt. «Er ist immer zur Stelle, wenn es etwas zu klären gibt», sagte Rauscher. Sie bedauerte, dass sich keiner der Asylbewerber von der Steckbornerstrasse an den Apéro gewagt hat. «Obwohl ich sie schriftlich und mündlich dazu aufgefordert hatte», sagte sie resolut.

Dagegen folgten sicher hundert Müllheimerinnen und Müllheimer der Einladung des Gemeinderats. Sie genossen Speis und Trank sowie die Klänge der Musikgesellschaft.

«Gehen Sie an die Urne»

Im Besonderen begrüsste Vize-Gemeindeammann Fehlmann alle Neuzuzüger und Josephine Lanz, die vor kurzem erst ihren 102. Geburtstag feiern durfte. Er rief die Anwesenden auf, sich am Geschehen und an der Politik vor Ort zu beteiligen: «Gehen Sie an die Urne, damit Müllheim bei der Stimmbeteiligung nicht länger zu den Schlusslichtern gehört.»