Streptomycin: Der Bund zögert

Für 2016 fehlt im Kampf gegen Feuerbrand die Zulassung von Antibiotika. Der Thurgau hofft dennoch, diesen Frühling Streptomycin einsetzen zu dürfen. Dafür schrieb der Regierungsrat einen Brief an das Bundesamt für Landwirtschaft.

Silvan Meile
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Feuerbrandbefall an einem Hochstamm-Birnbaum. (Archivbild: Nana do Carmo)

Feuerbrandbefall an einem Hochstamm-Birnbaum. (Archivbild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Müssen die Obstbauern im Kampf gegen Feuerbrand bereits in diesem Jahr auf den Einsatz des Antibiotikums Streptomycin verzichten? Einst vorgesehen war, dass der Bund bis zum Jahr 2017 die Verwendung des umstrittenen Mittels erlaubt. Doch für das Jahr 2016 liegt noch keine Zulassung vor.

Entscheid verzögert sich

In den ersten Januartagen gibt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) jeweils bekannt, unter welchen Bedingungen der Einsatz von Streptomycin im bevorstehenden Frühling erlaubt sein wird. In den vergangenen beiden Jahren durften demnach die Obstbauern ihre Plantagen nur noch je einmal mit dem Antibiotikum besprühen. Doch in diesem Jahr benötigt der Bewilligungsentscheid offensichtlich mehr Zeit als sonst. «Die Bedingungen für die Zulassung von Streptomycin für 2016 werden im Moment diskutiert», sagt Eva Reinhard, stellvertretende Direktorin beim Bundesamt für Landwirtschaft, auf Anfrage. Nach Absprache mit den involvierten Ämtern werde der Bund den Entscheid bis Anfang Februar kommunizieren, verspricht sie.

Alternativmittel ist schwächer

Die Streptomycinzulassung führt vermutlich zu heftigen Diskussionen zwischen den involvierten Bundesämtern. Vor allem das Bundesamt für Umwelt könnte stark gegen den weiteren Einsatz des Antibiotikums opponieren, weiss Urs Müller, Feuerbrandexperte beim landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg.

Müller hofft trotzdem, dass das BLW auch für dieses Jahr einen eingeschränkten Streptomycineinsatz erlauben wird. Diese Meinung teile auch die Kantonsregierung. In einem Brief an das Bundesamt für Landwirtschaft setze sich der Thurgauer Regierungsrat in der Feuerbrandbekämpfung für die gleichen Bedingungen wie im Vorjahr ein, also mindestens eine einzige Anwendung von Streptomycin.

Für Müller ist klar: Falls der Feuerbrand wieder heftig zuschlagen wird, muss im Thurgauer Obstbau auf das Antibiotikum zurückgegriffen werden können. Zwar hat das BLW vor zwei Jahren erstmals das Pflanzenschutzmittel LMA als Alternative in der Feuerbrandbekämpfung zugelassen. «Seine Wirkung ist aber 15 bis 20 Prozent geringer», sagt Müller. Ausserdem würden noch immer wichtige Erfahrungswerte fehlen. Deshalb hofft man im Thurgau, dass für diesen Frühling aus Bundesbern nochmals grünes Licht für einen allfälligen Streptomycineinsatz bei einer Feuerbrandinfektion kommt. Dadurch könnte der Experte vom Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg wenn nötig das Mittel für einen Einsatz im Thurgau freigeben.

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