STREIT: Thurgauer Kleinfirma gewinnt Rechtsstreit gegen Puma

Weil das Logo einer Ermatinger Holzmanufaktur dem Markenzeichen von Puma zu ähnlich sei, wollte der deutsche Sportartikelhersteller den Hund verbieten. Der Rechtsstreit ist nun entschieden.

Sabrina Bächi
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Der Ermatinger Hund ziert das Logo der Holzmanufaktur Urwyler und Hostettler.

Der Ermatinger Hund ziert das Logo der Holzmanufaktur Urwyler und Hostettler.

Mutig wie Arnold Winkelried haben sich Andreas Hostettler und Michael Urwyler in die Schlacht von Ermatingen gestürzt – und gewonnen. Die deutsche Sportartikelherstellerin Puma ging  gegen das Markensignet der Ermatinger Holzmanufaktur Urwyler und Hostettler an. Der springende Hund aus Ermatingen sei der schwarzen Raubkatze von Puma zu ähnlich, meinte die deutsche Firma. Vor allem wenn diese Bekleidung produzieren würde. Deshalb forderten sie das junge Schweizer Unternehmen auf, ihre Marke «Made in Ermatingen» nur in gewissen Bereichen anzuwenden. Beim Institut für Geistiges Eigentum in Bern legte die deutsche Firma deshalb Widerspruch ein. Dort wurde das Anliegen nun geprüft. Und das Ansinnen abgewiesen.

Die springende Raubkatze von Puma will einzigartig bleiben und wehrte sich gegen das Ermatinger Logo wegen Verwechslungsgefahr. (Bild: pd)

Die springende Raubkatze von Puma will einzigartig bleiben und wehrte sich gegen das Ermatinger Logo wegen Verwechslungsgefahr. (Bild: pd)

Nachdem Urwyler und Hostettler das Logo ihrer Marke «Made in Ermatingen» im September 2015 registriert hatten, meldeten sich Anwälte aus Zürich im Namen von Puma bei ihnen. Sie drohten mit dem Rechtsweg und machten die Schweizer auf die finanziellen Konsequenzen aufmerksam. «Es war wie mit Kanonen auf Spatzen geschossen», sagt Andreas Hostettler. Dieses unanständige Vorgehen, wie Hostettler es bezeichnet, habe bei ihm einen Beissreflex ausgelöst. Jetzt wollte er nicht mehr klein beigeben. «Wir haben uns auf urschweizerische Werte besonnen und uns gegen die Grossen gewehrt», sagt er. Dies habe sich gelohnt. Hostettler sieht in dem positiven Ausgang für den Ermatinger Hund nicht nur einen Sieg für seine Marke, sondern einen Beleg dafür, «wie Grossunternehmen oft übers Ziel hinausschiessen, weil sie meinen, mit Drohungen von Kosten und Konsequenzen die Kleinen in die Knie zwingen zu können».

Andreas Hostettler. (Bild: Reto Martin)

Andreas Hostettler. (Bild: Reto Martin)

Genau wie Hostettler und Urwyler argumentieren, glaubt auch das Institut für Geistiges Eigentum nicht, dass der Ermatinger Hund mit der Raubkatze von Puma zu verwechseln sei. Eine Zeichenähnlichkeit bestehe, wie das Institut schreibt, da es sich in beiden Fällen um ein aufspringendes Tier handle. Trotzdem sei die Verwechslungsgefahr nicht gegeben, weil sich das Ermatinger Zeichen genügend von der Raubkatze abhebe, «weshalb das Vorliegen einer markenrechtlich relevanten Verwechslungsgefahr zu verneinen ist».

Der Widerruf kostet Puma schliesslich nur 800 Franken, die an das Institut gehen. Denn Hostettler und Urwyler haben keinen Anwalt engagiert. «Wir hätten das Geld nicht gehabt, und für uns war es offensichtlich, dass keine Verwechslungsgefahr besteht.»

Hostettler hofft, dass dieser Sieg anderen KMU Mut macht, sich öfter gegen grössere Unternehmen zu wehren. Schliesslich, meint Hostettler, mache dieser Wille zum Widerstand die Schweiz aus. Er ist froh, dass er seine Marke «Made in Ermatingen» mitsamt Logo nun ohne Bedenken verwenden kann.