Streifzug durch acht Jahrhunderte

DIESSENHOFEN. Das Amt für Denkmalpflege übergab am Sonntag dem Spital St.Katharinental in Diessenhofen den Audioguide «TonSPUR». Er ermöglicht Patienten und Besuchern einen Streifzug durch die Geschichte der Klosteranlage.

Dieter Ritter
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Klinikeingang und Klosterkirche St. Katharinental. (Bild: Dieter Ritter)

Klinikeingang und Klosterkirche St. Katharinental. (Bild: Dieter Ritter)

Ein Rundgang der besonderen Art stand im Zentrum. Etwa 140 Gäste kamen dafür am Sonntag in die Klosterkirche St.Katharinental bei Diessenhofen. Ihnen verriet Klinikdirektor Adrian Forster in groben Zügen den Inhalt von «TonSPUR». In diesem bebilderten Hörspiel führt der fiktive ehemalige Patient Guido Jordi die Besucher zurück in die Zeit der Klostergründung im Jahr 1242. Bis zu 150 Dominikanerinnen sorgten in der Vergangenheit für spirituelles und kulturelles Aufblühen des Klosters. «Viele Schnitzereien zeugen heute noch von dieser Zeit», erklärte Forster. Jordi erzählt von der heiligen Katharina, welche der Anlage den Namen gab. Sie ist Schutzpatronin der Mediziner. Und Jordi lässt auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Der Mystiker Heinrich Seuse habe aufgezeigt, dass die Form des Mitleidens, wie es in früheren Zeiten Klosterfrauen praktizierten, nicht anzustreben sei. Als Liebesbeweis fügten sich die Nonnen damals selber Schmerz zu. Der Umgang mit Schmerz sei eine Kernbotschaft des Audioguide und gebe dadurch den heutigen Patienten wichtige Hilfestellung, betonte Forster.

Mit geistlicher Musik untermalt

Jordi führt auf seinem Rundgang in die Klosterkirche. Er erklärt den geschichtlichen Hintergrund der Wand- und Deckenbilder. In einigen Szenen werden seine Worte mit geistlicher Musik begleitet. Beim Betrachten des Deckenbildes mit der Schwester Anna von Ramschwag spricht er mit Schwester Dietmund von Lindau. Sie erzählt ihm die Geschichte der drei Rosen. Sie seien ein Gottesgeschenk, das für reine Erkenntnis, brennende Begierde und Gottesschau stehe. Einblick in die wechselvolle Geschichte bietet «TonSPUR» auch in den Szenen, in denen Jordi mit dem Hofmeister des Klosters während der Einquartierung der französischen Truppen im Jahr 1800 spricht und eine Pflegerin des Krankenasyls berichten lässt.

Kraftort für Bodenseeregion

Vor dreihundert Jahren wurde das alte Kloster abgerissen und der Grundstein zum Barockbau des heutigen Spitalbaus gelegt. Dieses Jubiläum nahm das Amt für Denkmalpflege zum Anlass für die Vernissage. Die Feier eröffneten der katholische Priester Theo Scherrer und der evangelische Pfarrer Lukas Weinhold mit kurzen Vesper-Predigten und einem gemeinsamen Gebet. Für feierliche Stimmung sorgten Martin Schweingruber mit Orgelmusik und ein Dominikanerinnen-Chor mit Gesang. Die Nonnen reisten für die Vernissage aus Weesen an, wo sie im ältesten Dominikanerinnenkloster (gegründet 1256) der Schweiz leben. Regierungsrätin Carmen Haag bezeichnete das Katharinental als einen der stärksten Kraftorte der Bodenseeregion und als Denkmal von nationaler Bedeutung. Sie dankte der katholischen und den Landeskirchen Thurgau und der Klinik, welche das Projekt mitfinanzierten.

Adrian Forster Klinikdirektor Klinik St. Katharinental

Adrian Forster Klinikdirektor Klinik St. Katharinental