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STRATEGIE: Landwirtschaft geht nicht im Stand-by

Landwirtschaftsbetriebe sollen in bäuerlicher Hand und vor allem in den Familien bleiben und mehr als die Hälfte der Lebensmittel produzieren können. Der Verband Thurgauer Landwirtschaft lehnt mehr Freihandel und höhere Direktzahlungen ab.
Kurt Peter
Märstetter Bauer sammelt Stroh, um es in Ballen zu pressen. (Bild: Donato Caspari)

Märstetter Bauer sammelt Stroh, um es in Ballen zu pressen. (Bild: Donato Caspari)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent; color: rgb(0, 120, 190);"><em style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Der Schweizerische Bauernverband hat eine Strategieumfrage durchgeführt, an der auch der Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL) teilgenommen hat. «Die Umfrage ist hinsichtlich der Agrarpolitik 22+ sehr wichtig», erklärt VTL-Präsident Markus Hausammann. Auch wenn noch keine Details vom Bundesrat bekannt seien: «Die Landwirtschaft ­befürchtet die Ausrichtung zu mehr Freihandel und zu mehr Direktzahlungen.» Für den Thurgau seien dies keine Alternativen, gehöre die Landwirtschaft des Kantons doch zu den produktivsten der Schweiz.

Als Nationalrat höre er immer wieder Stimmen in Bern, welche die Landwirtschaft gerne wie ein TV-Gerät behandeln würden: «Wir stellen sie auf Stand-by-­Betrieb und schalten sie an, wenn wir sie brauchen». Markus Hausammann bezeichnet diese «Schlummergeldstrategie» als eine sinnlose Entwicklung, weil so viel Know-how verloren gehe.

Bauern müssen jedes Jahr um Zahlungen fürchten

Es werde auch viel von neuen Technologien gesprochen, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vermeiden oder vermindern könnten. «Die Bauern ­machen das von sich aus, wenn ihnen das notwendige Kapital zur Verfügung steht», erklärt der VTL-Präsident. «Nur Verbote ohne wirtschaftliche Alternativen dienen der Sache nicht.» Gleichzeitig stört ihn, dass die Abgeltung gemeinschaftlicher Leistungen in der Verfassung verankert sei, «wir jedoch jedes Jahr um die Zahlungen fürchten müssen». Nur eine gerechte Abgeltung dieser Leistungen, ergänzend zu einem kostendeckenden Produktionserlös, werde den unternehmerisch geführten Betrieben ein Einkommen ermöglichen, welche mit demjenigen eines selbstständig Erwerbenden einer anderen Branche vergleichbar sei. Gemeinschaftlichen Leistungen wie der Landschaftspflege seien aber auch Grenzen gesetzt. «Die Lösung von Umwelt- oder Landschaftsschutzproblemen können nicht allein der Landwirtschaft aufgebürdet werden», meint Markus Hausammann. Die Gesellschaft als Ganzes müsse auch Verantwortung übernehmen. Die Landwirtschaft werde jedoch einen mit der ­Produktion zu vereinbarenden und realistischen Beitrag zur Biodiversität und zum Umweltschutz sowie zur Reduktion der Auswirkungen des Klimawandels leisten. Der VTL finde es richtig, dass sich die einheimische Landwirtschaft weiterhin aus Familien- und mehrheitlich aus Haupterwerbsbetrieben zusammensetze. Allerdings soll der Familienbetrieb künftig so definiert werden, dass es finanziell möglich sei, mindestens eine qualifizierte Fachperson zu beschäftigen. «So sind Ferien- und Freizeitablösungen eher gewährleistet», erklärt Markus Hausammann. Dabei solle dies unabhängig davon umgesetzt werden, ob es sich um die Nachfolge, einen rüstigen Elternteil oder eine Drittperson handle. «Denn damit soll dem zunehmenden Druck auf die Betriebsleiter Rechnung getragen werden.»

Hausammann sieht auch die Gefahr, dass Investoren Landwirtschaftsland und Gewerbe übernehmen könnten. «Der VTL will nicht, dass Bauernfamilien in Zukunft wie in Deutschland zu Angestellten von Grossgrundbesitzern mutieren.» Dazu sei das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht noch ­restriktiver umzusetzen und allfällige Schlupflöcher zur Umgehung des Selbstbewirtschaftungsprinzips zu schliessen. «Die Betriebe sollen in bäuerlicher Hand bleiben», bilanziert Hausammann.

Ein grosses Anliegen für die Thurgauer Landwirtschaft ist der direkte und ständige Austausch mit den Konsumenten. Dies sei wichtig, «damit das Ver­trauen in regionale Produkte bestehen bleibt». Näher an die Bevölkerung wolle die Landwirtschaft zum Beispiel mit der Veranstaltung «Buurehof erläbe», die alle zwei Jahre stattfinde. Auch Direktvermarkter spielten in diesem Bereich eine grosse Rolle. Und schliesslich gehe es darum, dass «die Bauernfamilien sich auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene engagieren». Vom Regierungsrat wünscht sich Markus Haus­ammann, dass die landwirtschaftliche Produktion auch in den Fragen der Raumplanung gewährleistet wird. Dabei gehe es vor allem darum, landwirtschaftliche Nutzfläche zu erhalten und die bauliche Entwicklung der Betriebe zu ermöglichen.

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