Strafverfahren gegen Kantirektor

Der Streit zwischen einem Mathematiklehrer und der Kantonsschule Sargans geht weiter. Gegen den Rektor wird ein Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung und Amtsmissbrauchs eröffnet. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Markus Rohner
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Unfriede wegen «überstrengem» Mathematikunterricht: Unterrichtstrakt der Kantonsschule Sargans. (Bild: Ralph Ribi)

Unfriede wegen «überstrengem» Mathematikunterricht: Unterrichtstrakt der Kantonsschule Sargans. (Bild: Ralph Ribi)

SARGANS. Der Fall des Sarganser Kantonsschullehrers, dem vom Rektor und dem St. Galler Bildungsdepartement vorgeworfen wird, einen «überstrengen» Mathematikunterricht geführt zu haben und dem deswegen die Entlassung droht, ist auch im schweizerischen Bundesgericht angekommen.

Die obersten Richter in Lausanne haben Mitte Mai – im Gegensatz zur St. Galler Anklagekammer – entschieden, dass gegen Rektor Stephan Wurster nicht nur wegen Amtsgeheimnisverletzung, sondern zusätzlich auch wegen Amtsmissbrauchs ein Strafverfahren eingeleitet werden kann.

«Sachfremde Motive»

«Sollten sich die Behauptungen des Beschwerdeführers erhärten, dass mehrere Mathematiklehrer kurz nacheinander die Schule im Unfrieden mit dem Rektor verlassen haben, dieser das dienstrechtliche Verfahren gegen ihn in krass unfairer Weise führte und ein für den Beschwerdeführer überwiegend positiv ausgefallenes Gutachten ausser acht liess, könnte dies darauf hindeuten, dass der Beschwerdegegner gegen Mathematiklehrer im Allgemeinen und gegen den Beschwerdeführer im Besonderen voreingenommen ist und er sich bei seinem Vorgehen gegen diesen (auch) von sachfremden Motiven leiten liess», schreibt das Bundesgericht in seinem Entscheid.

«Vorwürfe könnten zutreffen»

Dass die Fachschaft Mathematik der Kantonsschule Sargans die negative Beurteilung der Leistungen des Mathematiklehrers im Unterricht durch den Rektor keineswegs teilt, sondern ihm im Gegenteil enormen Einsatz und grosses fachdidaktisches Geschick attestiert, ist für das höchste Gericht ein weiterer Grund, gegen Wurster eine Strafuntersuchung wegen Amtsmissbrauchs in die Wege zu leiten. So könne abgeklärt werden, ob sich der Rektor in diesem Konflikt «nicht ausschliesslich von sachlichen Motiven» leiten liess, sondern seine Amtsgewalt missbrauchte, um den Mathematiklehrer zu benachteiligen. «Entgegen der Auffassung der Anklagekammer liefert der Beschwerdeführer durchaus gewisse Hinweise dafür, dass seine Vorwürfe zutreffen könnten», heisst es von Seite des Bundesgerichts.

Körperverletzung: Frist verpasst

Wie zuvor die Anklagekammer will auch das Bundesgericht einen weiteren Straftatbestand, denjenigen der Körperverletzung, nicht zulassen. Der Lehrer sei zwar nach «seiner plausiblen Darstellung» seit dem 4. Februar 2014 nicht mehr arbeitsfähig und seine psychische Beeinträchtigung stelle unzweifelhaft eine Körperverletzung dar. Spätestens am 4. März 2014, als er sich deswegen in ärztliche Behandlung begab, habe für den Lehrer die dreimonatige Frist für eine Strafanzeige gegen den ihm bekannten Täter zu laufen begonnen. Die Strafanzeige vom 31. Juli 2014 wurde demzufolge zu spät eingereicht.

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